CORONA
Innerrhoderinnen und Innerrhoder sind Testmuffel: Nur fünf bis sieben PCR-Tests pro Tag

Innerrhoderinnen und Innerrhoder sind Testmuffel. Nur gerade mal fünf bis sieben PCR-Tests werden im kantonalen Testzentrum in Appenzell pro Tag durchgeführt. Antigen-Schnelltests gibt es im Testzentrum nicht.

Margrith Widmer
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Ein Schild weist den Weg zum Corona Testcenter beim Spital Appenzell. Viele Innerrhoderinnen und Innerrhoder sind ihm bislang allerdings noch nicht gefolgt.

Ein Schild weist den Weg zum Corona Testcenter beim Spital Appenzell. Viele Innerrhoderinnen und Innerrhoder sind ihm bislang allerdings noch nicht gefolgt.

Bild: Benjamin Manser

«Wir bieten im kantonalen Testcenter den Antigen-Schnelltest nicht an, weil der Bedarf zu klein ist», sagt Markus Schmidli, stellvertretender Innerrhoder Kantonsarzt. «Über die Festtage (Weihnachten und Silvester) hatten wir den Schnelltest angeboten, weil die anderen Anbieter geschlossen hatten.» Im «Routinebetrieb» könnten Schnelltests über die kantonale Corona-Hotline aber angefordert werden. Den Kandidaten wird dann ein Testtermin im Ausserrhoder Testcenter Teufen, wo der Antigen-Schnelltest im Angebot ist, vermittelt. Im Testzentrum des Kantons Appenzell Ausserrhoden in Teufen können sich auch Innerrhoderinnen und Innerrhoder testen lassen.

Zu den Ursachen für die Zurückhaltung in Sachen Schnelltests sagt Schmidli:

«Ich kenne die Gründe nicht. Die Menschen lassen sich einfach nicht testen. Im Moment machen wir über die Teststrasse täglich (werktags) zwischen fünf und sieben PCR-Tests. Anfragen nach dem Schnelltest sind rar – einer bis zwei pro Woche.»

Personen, die wegen Beschwerden befürchten, mit dem Coronavirus-19 infiziert zu sein, müssen sich in Innerrhoden telefonisch bei ihrer Hausärztin oder dem Hausarzt oder beim Covid-19-Testcenter am Spital Appenzell melden, um einen Testtermin zu vereinbaren. Getestet wird Montag bis Freitag von 8 bis 10 Uhr. Die telefonische Voranmeldung ist zwingend, wie es auf der Website heisst. Bei Bedarf kann eine betroffene Person auch durch das mobile Testteam des Spitals Appenzell zu Hause getestet werden.

Im Ausserrhoder Testzentrum in Teufen, das eingerichtet wurde, um die Hausärzte zu entlasten, wird umso fleissiger getestet. Im Januar waren es zwischen 195 und 295 pro Woche, insgesamt 977, wie Georg Amstutz, Leiter des Ausserrhoder Kommunikationsdienstes, sagt. Im November waren es 1043, im Dezember 1641 Tests. Nicht erfasst sind dabei die Tests bei den Hausärzten und in den Spitälern Herisau und Heiden. Der Tagesdurchschnitt im Testzentrum des Kantons Appenzell Ausserrhoden beträgt rund 116 Tests. Bis zu einem Dutzend pro Woche davon seien auch Innerrhoder, sagt Amstutz. Anderseits wurden auch Kinder im Kinderspital St.Gallen getestet.

Speichelentnahme gilt als zuverlässig

Der PCR-Test stellt fest, ob jemand eine Infektion mit dem neuen Coronavirus hat. Er wird laut BAG über einen Nasen-Rachen-Abstrich oder einen Rachen-Abstrich durchgeführt. Laut neuen Erkenntnissen ist ein PCR-Test über eine Speichelentnahme gleich zuverlässig wie ein Nasen-Rachen-Abstrich oder Rachen-Abstrich. In einigen Institutionen kann daher ein PCR-Test auch über eine Speichelentnahme erfolgen. Das Resultat liegt in der Regel nach 24 bis 48 Stunden vor. Den Abstrich führen Ärztinnen, Ärzte, Spitäler und Testzentren durch. Die Analyse erfolgt in einem bewilligten Labor.

Antigen-Schnelltests sind weniger verlässlich als PCR-Tests

Antigen-Schnelltests liefern ein Ergebnis innert 15 bis 20 Minuten. Sie stellen wie PCR-Tests fest, ob sich jemand mit dem neuen Coronavirus angesteckt hat. Der Test wird über einen Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt. Er kann nicht über eine Speichelentnahme erfolgen. Da Antigen-Schnelltests weniger verlässliche Resultate liefern als PCR-Tests, wird in bestimmten Situationen ein positives Resultat eines Schnelltests mit einem PCR-Test bestätigt.

Ein Antigen-Schnelltest wird in Betracht gezogen, wenn jemand Symptome des neuen Coronavirus hat und alle folgenden Kriterien erfüllt: Die Symptome haben vor weniger als vier Tagen begonnen, die Person gehört nicht zu den besonders gefährdeten Personen, arbeitet nicht im Gesundheitswesen mit direktem Patientenkontakt und wird ambulant behandelt.

Wann sind Antigen-Schnelltests angezeigt?

Ein Antigen-Schnelltest kann auch in den folgenden Situationen in Betracht gezogen werden – auch ohne Symptome des neuen Coronavirus: Wenn jemand eine Meldung der SwissCovid-App erhielt, die anzeigte, dass sie/er Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatte. Eine Ärztin oder Arzt oder die kantonale Stelle hat den Schnelltest angeordnet, weil jemand Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatte. Oder jemand aufgerufen wurde, sich testen zu lassen, um einen grossflächigen Ausbruch zu verhindern – beispielsweise in Schulen, Skigebieten, oder in bestimmten Regionen. In diesem Fall werden die Betroffenen von der kantonalen Stelle kontaktiert.

Jemand will sich testen lassen, um besonders gefährdete Personen zu schützen, etwa vor einem Besuch in einem Spital oder Alters- und Pflegeheim? In diesem Fall werden die Betreffenden direkt von der jeweiligen Einrichtung zum Testen aufgefordert.

Weitere Schnelltests kommen auf den Markt

Neben den Antigen-Schnelltests werden laut BAG in Zukunft weitere Arten von Schnelltests auf den Markt kommen. Die Zuverlässigkeit dieser Schnelltests muss vor einem Einsatz in der Praxis geprüft werden. Der Bundesrat hat am 18. Dezember 2020 das Prüfverfahren für weitere Schnelltests genauer definiert. Damit sei eine hochwertige Qualität dieser Tests sichergestellt, heisst es.

Serologischer Test

Durch serologische Tests lassen sich Antikörper, wie zum Beispiel gegen das neue Coronavirus, im Blut nachweisen. Antikörper weisen darauf hin, dass die getestete Person Kontakt mit dem Virus hatte. Allerdings ist es möglich, dass diese Tests Antikörper anzeigen, obwohl keine vorhanden sind. Die getesteten Personen wiegen sich dann in falscher Sicherheit. Deshalb empfiehlt das BAG diesen Test zurzeit nicht.