Brandübung
Was tun, wenn die Schule brennt? An der Kanti Trogen wird die Evakuierung geübt

Rund 600 Schülerinnen und Schüler wurden am Freitagnachmittag evakuiert. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, das Care-Team beider Appenzell sowie Helfer des Zivilschutzes standen im Einsatz.

Malena Widmer
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Die Schülerinnen und Schüler wurden über den Fluchtplan informiert und sind auf dem Weg zum Sammelplatz.

Die Schülerinnen und Schüler wurden über den Fluchtplan informiert und sind auf dem Weg zum Sammelplatz.

Bilder: Malena Widmer

Am Freitagnachmittag schrillen die Alarmglocken und es qualmt aus zwei Schulfenstern der Kanti Trogen. Die Schülerinnen und Schüler strömen aus den Zimmern, die Feuerwehr fährt auf und Drohne sowie Helikopter fliegen über die Schule. Doch von Panik keine Spur. Die Lernenden schlendern über das Areal und quatschen miteinander, einige winken den zuschauenden Politikern. Denn: Es ist bloss eine Übung, die Kanti Trogen steht nicht wirklich in Flammen.

Einsatz schon lange geplant

Es ist das erste Mal, dass an der Kantonsschule Trogen eine solche Übung durchgeführt wird. Geplant wurde der Einsatz schon seit eineinhalb Jahren. Rektorin Elisabeth Steger-Vogt sagt: «Diese Übung war dringend nötig. Wir haben schliesslich die Verantwortung für rund 750 Personen hier auf dem Campus.»

Detlev Eberhart, der durch die Übung leitet, erklärt zudem, dass die Situation in Trogen im Falle eines tatsächlichen Brandes schwierig sei: «Es ist extrem eng und es gibt nur eine Zufahrtstrasse zu der Kantonsschule. Es müsste bloss ein Feuerwehrauto falsch stehen und man wäre schon aufgeschmissen.» Es sei deshalb wichtig, das Szenario im Rahmen einer Übung durchzuspielen.

20 Figuranten simulieren Verletzungen

Nachdem die Schülerinnen und Schüler aus den Gebäuden evakuiert wurden, begaben sie sich zum Sammelpunkt auf dem Sportareal der Schule. Auf dem Campus war in der Zwischenzeit viel los. 20 freiwillige Figuranten nahmen an der Übung teil und simulierten verschiedene Verletzungen und Notsituationen.

Es raucht aus dem Fenster eines Schulhauses, die Feuerwehr eilt zu Hilfe.

Es raucht aus dem Fenster eines Schulhauses, die Feuerwehr eilt zu Hilfe.

Eine Schülerin wird per Leiter aus dem «brennenden» Haus gerettet.

Eine Schülerin wird per Leiter aus dem «brennenden» Haus gerettet.

Auf dem Sportplatz ist die Stimmung währenddessen ausgelassen. Einige spielen «Sternlein-Sternlein-Guck» oder Basketball, andere unterhalten sich gemütlich. Die meisten sind froh, dass die Übung durchgeführt wurde. Nicht nur, weil das einen schulfreien Nachmittag bedeutet, sondern auch, weil sie jetzt wissen, wie sie im Ernstfall reagieren müssten. Ein Schüler sagt:

«Es ist gut, dass man solche Übungen macht. Ich weiss jetzt, welchen Fluchtweg ich nehmen müsste.»

Zwei Viertklässlerinnen fügen hinzu:

«Der Fluchtweg ist echt eng und am Anfang war es ein bisschen chaotisch. Aber es ist wichtig, dass wir das üben.»

Einsatz war keine Überraschung

Alle Beteiligten wurden vorgewarnt und vorbereitet auf den Einsatz. Man habe sich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, die Übung nicht als Überraschung durchzuführen, sagt Marc Rüdin, Gesamtübungsleiter. «So verlief die Übung geordnet und ruhig», begründet er. Vor allem für die Einsatzkräfte sei dies von Vorteil gewesen, da sie sich so schon vorgängig wertvolle Gedanken zu dem Einsatz machen konnten.

Auch die Lehrpersonen der Kantonsschule hatten so die Möglichkeit, sich und die Schüler vorzubereiten. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Lernenden nicht in Panik verfallen oder ihre Eltern fälschlicherweise alarmieren.

Wichtige Erkenntnisse

Lehrer Jens Weber befürwortet, dass die Lehrerinnen und Lehrer informiert und die Übung durchgeführt wurden. Er finde es aber verwunderlich, dass das vorher noch nie gemacht wurde. Weber:

«Es ist das erste Mal in den 28 Jahren, in denen ich hier unterrichte, dass wir das üben.»

Und auch Detlev Eberhart sagt: «Das gabs im Kanton so noch nie zuvor.» Spannend werde nun die Auswertung der Übung. Viele Erkenntnisse konnten an diesem Nachmittag gewonnen werden. Etwa, dass die Alarmsysteme nicht überall funktionieren. Aber auch die Überlegungen, die vorgängig gemacht wurden, seien wichtig. Der Einsatzplan für einen Notfall an der Kantonsschule Trogen sei vor dieser Übung «sehr rudimentär» gewesen, sagt Eberhart. Jetzt hingegen sei er ausgereift und vieles sei neu geregelt. Etwa, dass der Verkehr hinter dem Bahnhof durchgeführt wird, und wo die Verletzten hingebracht werden.

Gegen 16 Uhr wurde die Übung schliesslich beendet. Marc Rüdin ist zufrieden und freut sich, dass viele grosse Motivation und einen guten Einsatz gezeigt haben. Für die Schülerinnen und Schüler gab es als Belohnung Hotdogs, für die Einsatzkräfte viele wichtige Erkenntnisse.