Fünfte Welle
Innerrhoden bereitet sich auf Omikron vor und sucht Gesundheitspersonal

Für die Auffrischimpfung braucht Appenzell Innerrhoden mehr Impfkapazität. Auch will der Kanton vorbereitet sein, sollte es in der Ostschweiz zur Triage kommen. Noch wird nach Gesundheitsfachpersonen gesucht.

Selina Schmid
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Der Kanton spricht insbesondere Gesundheitsfachpersonen an, welche Teilzeit arbeiten oder pensioniert sind.

Der Kanton spricht insbesondere Gesundheitsfachpersonen an, welche Teilzeit arbeiten oder pensioniert sind.

Bild: Britta Gut

Die Omikron-Variante sorgt für einen starken Anstieg der Covid-Infektionen. In Appenzell Innerrhoden wurde erst eine Infektion mit Omikron nachgewiesen. Trotzdem bereitet sich der Kanton auf einen Anstieg von schweren Verläufen vor. Markus Schmidli, stellvertretender Kantonsarzt in Innerrhoden, sagt: «Wir sind mitten in der fünften Welle.» Der Kanton müsse vorbereitet sein, sollte es in der Ostschweiz zur Triage kommen. Darum wird dringend Gesundheitsfachpersonal zur Pflege und zum Impfen gesucht.

Am Dienstag veröffentlichte der Kanton auf seiner Website einen Aufruf, dass sich Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten melden sollen. Das Ziel sei es, einen Pool aus Gesundheitsfachpersonen aufzubauen, welcher rasch mobilisiert werden könne, so Schmidli. «Wir müssen die Personalreserven aufbauen, die wir aktuell nicht haben, jedoch dringend brauchen.»

Zweite Impfstrasse wird möglich

Die Fachpersonen würden einerseits in einem zweiten Impfzentrum unterstützen. Der Kanton Appenzell Innerrhoden betreibt aktuell ein Impfzentrum im ehemaligen Spital in Appenzell. Zusätzlich können sich Innerrhoderinnen und Innerrhoder bei ihren Hausärztinnen und Hausärzten impfen lassen. Damit sind rund 1000 Impfungen pro Woche möglich.

Markus Schmidli, Innerrhoder stellvertretender Kantonsarzt.

Markus Schmidli, Innerrhoder stellvertretender Kantonsarzt.

Bild: PD

Das dürfte aber schon bald knapp werden. Der Kanton brauche eine zweite Impfstrasse, da die Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif) ihre Empfehlung zur Auffrischimpfung geändert hat. Neu empfiehlt die Ekif die Auffrischimpfungen bereits nach vier anstatt sechs Monaten nach der Grundimmunisierung. Rund 3000 Innerrhoderinnen und Innerrhoder könnten sich laut Schmidli in den kommenden zwei Wochen boostern lassen. «Kämen alle gleichzeitig, wären wir überfordert.»

Gemäss Aufruf würde das Gesundheitspersonal während voraussichtlich zwei bis vier Wochen an einzelnen oder mehreren Tagen pro Woche in einem zweiten Impfzentrum unterstützen können. Noch bezweifelt Markus Schmidli, dass ein zweites Impfzentrum nötig wird. «In Innerrhoden waren wir beim Impfen immer die ersten und schnellsten, gleichzeitig war der Pfupf meist rasch raus. Ich vermute, das ist auch beim Booster der Fall.»

Der Kanton beurteile die Lage wöchentlich. Schmidli sagt: «Die Impfstrasse und die Hausarztpraxen sind aktuell gut ausgelastet. In Innerrhoden bekommt man noch immer in ein oder zwei Tagen einen Impftermin.»

Off-Label-Nutzung des Boosters empfohlen

Es gibt einen weiteren Grund, warum der Kanton die medizinischen Personalreserven aufstocken will. Innerrhoden kann schwere Verläufe nicht selbst versorgen und muss die Patientinnen und Patienten in die Spitäler nach Herisau und St.Gallen schicken. Schmidli sagt: «Die Fallzahlen steigen zurzeit exorbitant an. Wenn Omikron so viele Fälle bringt, wie es manche Experten befürchten, dann werden sich in den Ostschweizer Spitälern schwierige Szenen abspielen.»

Der Kanton arbeite mit verschiedenen Szenarien. Zur Pflege von Coronapatienten würden erst die rund 20 leeren Pflegeheimplätze aufgeboten. Auch ein leichter Ausbau der Kurz- und Übergangspflege (KÜP) um vier Betten ist möglich. Beides sei mit den kantonseigenen Mitteln zu stemmen. Würde das nicht reichen, könnte die KÜP innert zwei Wochen um 13 weitere Betten ausgebaut werden. «Hier wären wir auf externe Unterstützung angewiesen», sagt Schmidli. Auch wenn Militär und Zivil helfen würden, braucht es zusätzliche medizinische Fachpersonen. Darum ruft der Kanton die Zivilbevölkerung auf.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Hospitalisationen etwa zwei Wochen nach den Infektionen auftreten, so Schmidli. Für den Fall, dass es zur Triage kommt und der Kanton manche Patienten zurücknehmen muss, müsse man vorbereitet sein. Vieles sei noch unklar, etwa wie viele schwere Verläufe die Omikron-Variante mit sich bringt. Schmidli will keine Panik verbreiten, sagt aber: «Als Planungsbehörde müssen wir im schlimmsten Fall etwas in der Hand haben.»

Markus Schmidli weiss, dass im Gesundheitsbereich die Reserven klein sind. «Würden sich aber zehn bis fünfzehn Leute melden, würde uns das ungemein helfen. Jede und jeder zählt.» Angesprochen werden insbesondere Gesundheitsfachpersonen, welche Teilzeit arbeiten oder pensioniert sind.

Interessierte Personen melden sich unter www.ai.ch/coronavirus-gesundheitspersonal oder direkt beim Gesundheitsamt unter info@gsd.ai.ch oder 071 788 92 50. Das Gesundheitsamt dankt im Aufruf für den Einsatz zu Gunsten der Bevölkerung.