Appenzell Innerrhoden
Theatersaison fällt aus: Dramatischer Verein Oberegg tritt erst 2023 wieder auf

Normalerweise fänden im ersten Quartal des Jahres landauf und landab Theateraufführungen verschiedenster Dorfvereine statt. Covid-19 verhindert dies aber. Betroffen ist auch der 120 Jahre alte Dramatische Verein von Oberegg, der erst wieder Anfang 2023 in Erscheinung treten wird.

Peter Eggenberger
Drucken
Dramatischer Verein Oberegg: seit 120 Jahren auf der Bühne.

Dramatischer Verein Oberegg: seit 120 Jahren auf der Bühne.

Bild: APZ

«Auf unserem 2022er-Programm stand die Aufführung des Lustspiels ‹Die flüügend Sau›. Die pandemiebedingten Unsicherheiten zwangen uns aber zur Absage der geplanten Aufführungen», bedauert Raphael Breu, Präsident des Dramatischen Vereins. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, und der Verein ist zuversichtlich, dass das Verpasste nächstes Jahr nachgeholt werden kann.

«Der bis heute erfolgreiche Dramatische Verein wurde 1902 gegründet. Ins Leben gerufen wurde er von Robert Zoller-Lang, Johann Rohner, Karl Schmid und Sebastian Hohl. Im Repertoire standen zunächst dramatische und vielfach patriotische Stücke. Als Erstes wurde ‹Gemma von Arth› aufgeführt, gefolgt von ‹Landammann Reding› und ‹Die Schlacht am Morgarten›. Später wurde auch leichtere Theaterkost eingeübt», schreibt David Aragai im Buch «Oberegger Geschichte».

Als Spielort diente bis Anfang der 1960er-Jahre der Saal im «Bären». 1967 verlagerte sich das Theatergeschehen in den Vereinssaal am Kirchplatz. Auch in den Aufführungen der neueren Zeit standen häufig starke Frauenrollen im Zentrum des Geschehens auf der Bühne. 1990 beispielsweise gelangte erneut «Gemma von Arth» zur Aufführung, und bereits 1977 hatte das in Innerrhoden spielende Drama «Anna Koch» für Betroffenheit, aber auch grosse Begeisterung gesorgt.

16 Aufführungen der «Dornesslerin»

Der gute Ruf des Vereins liess zu jedem Spiel zahlreiche Theaterbegeisterte aus der ganzen Region nach Oberegg pilgern. Rekordverdächtige 16 Aufführungen erlebte 2002 das zum 100-jährigen Bestehen des Vereins gezeigte Stück «Die Dornesslerin». Das im Appenzeller Vorderland spielende Schauspiel basiert auf dem Roman des einheimischen Schriftstellers Walter Züst, Grub. Gesamthaft verfolgten rund 4000 Interessierte das traurige Schicksal der im Weiler Dornesseln (Lachen-Walzenhausen) wohnhaften Agathe Rohner, die als Hexe gebrandmarkt, gefoltert und zum Tode verurteilt worden war. Zur Abwechslung darf man sich mit «Die flüügend Sau» auf leichte, dem Humor verpflichtete Kost freuen, und nach wie vor gehört der «Dramatische» zu den festen Werten der vielfältigen Oberegger Vereinskultur.