Bildung
«Sie sind das Kapital, das hoffentlich Zins abwirft»: Appenzeller Berufsmatura mit vielversprechendem Start

Die neue Appenzeller Berufsmatura ist ein Erfolg: Die 28 Studierenden starteten am Donnerstag mit einem Einführungshalbtag. «Wir möchten längerfristig Erfolg haben», sagte der Ausserrhoder Bildungsdirektor Alfred Stricker.

Lukas Pfiffner
Drucken
«Sie sind das Kapital», sagt der Ausserrhoder Regierungsrat Alfred Stricker.

«Sie sind das Kapital», sagt der Ausserrhoder Regierungsrat Alfred Stricker.

Bilder: PF

Von einem freudigen Moment und einem Meilenstein sprach Roland Inauen, stillstehender Innerrhoder Landammann und Vorsteher des Erziehungsdepartementes, bei der Begrüssung: 28 junge Berufsleute besuchen ab August den ersten Lehrgang der berufsbegleitenden Appenzeller Berufsmatura. Am Donnerstag waren Studierende und Gäste in Herisau zu einem Augenschein und einer Einführungsveranstaltung eingeladen.

Auch einige Eltern und Lehrpersonen fanden sich an der Kasernenstrasse 5 ein – dort, wo einst die St.Galler Kantonalbank ihre Kunden bedient hatte. Das Berufsbildungszentrum (BBZ) Herisau habe keine Raumkapazitäten mehr, sagte Prorektor Lukas Sutter, Projektleiter der BM2. Man habe vielleicht bemerkt, dass das WLAN noch nicht funktioniere. «Aber Sie können sicher sein: Bis zum Start ist hier alles eingerichtet.» Er stellte das Projektteam mit Personen aus Schulen und kantonalen Ämtern vor. Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden haben den Lehrgang in den vergangenen vier Jahren aufgegleist. Roland Inauen hatte ein Appenzeller Singbuch mitgebracht und erinnerte daran, dass schon bei dessen Lancierung die Zusammenarbeit hervorragend gewesen sei und zum Ziel geführt habe.

Roland Inauen erinnert an die Zusammenarbeit für das «Appenzeller Liederbuch».

Roland Inauen erinnert an die Zusammenarbeit für das «Appenzeller Liederbuch».

«Längerfristig Erfolg haben»

«Investitionen in Menschen sind für eine funktionierende Gesellschaft notwendig», sagte Alfred Stricker, der Vorsteher des Ausserrhoder Departementes Bildung und Kultur. Diese Möglichkeit der Appenzeller Berufsmatura sei eine Perle. «Und Sie, die jungen Männer und Frauen, stellen das Kapital dar, das hoffentlich Zins abwirft», lautete sein Appell an die Studierenden. «Ich freue mich, wenn Sie dann bei der Diplomfeier sagen können: Die schlauen Sprüche der Regierungsräte sind alle eingetroffen», meinte er.

Stricker riet, während der Ausbildung im Bedarfsfall auch kritische Rückmeldungen abzugeben. «Aber ich gehe davon aus, dass unser Modell sehr gut funktioniert. Erzählen Sie dies weiter: Wir möchten längerfristig Erfolg haben.» Es gebe selbstverständlich auch auswärts gute Lehrgänge, um zur Berufsmaturität zu kommen. «Aber wir wollen die jungen Berufsleute aus Inner- und Ausserrhoden gerne im Appenzellerland behalten.»

St.Gallen will nachziehen

Studiengänge werden in zwei Ausrichtungen angeboten: Gesundheit und Soziales (Geso) sowie Technik, Architektur und Life Sciences (Tals). Der Lehrgang öffnet die Tür zu Fachhochschulen oder mittels der Passerelle zu den universitären Hochschulen. Selbstorganisiertes Lernen in Form von «Blended Learning» und Präsenzunterricht ergänzen sich, die Möglichkeit des Einstiegs im Frühling zum Beispiel im Fall des Besuchs der Rekrutenschule ist attraktiv. In der Deutschschweiz sei der Appenzeller Weg einzigartig, erzählte Roland Inauen. «Der Kanton St.Gallen ist im Moment daran, etwas Ähnliches aufzubauen.»

Die Studierenden erhielten Einblicke in die Räumlichkeiten sowie die Ziele und Inhalte der bevorstehenden Monate. Eine Quote, damit beide Halbkantone gleichberechtigt zum Zug kämen, habe nicht in Erwägung gezogen werden müssen, sagte Hanspeter Schläpfer, der Rektor des BBZ. «Die Anmeldungen trafen nach und nach ein. Es ging schön auf.» Ursprünglich waren 30 Personen eingeschrieben, zwei haben sich aber zurückgezogen.