Biblischer Realismus im Umgang mit Asylthema

Trotz des schlechten Wetters kamen am letzten Freitag gegen 30 Personen in den Pfarreisaal nach Neu St. Johann. Thema war der biblische Befund zum Umgang mit Asyl und Fremden.

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NEU ST. JOHANN. Im Namen der gastgebenden Pfarrei begrüsste Pastoralassistentin Verena Süess zum dritten Anlass in der regionalen Reihe zu «Asylwirklichkeiten». Sie erläuterte den Ablauf des Abends: Methodisch abwechslungsreich solle der biblische Realismus bei diesem Thema in den Blick kommen: mit einer meditativen Einstimmung, soziometrischen Aufstellungen und einer Gruppen-Arbeit an biblischen Texten.

Als meditative Einstimmung las Pfarrer Hans Jörg Fehle den 23. Psalm. «Der Herr ist mein Hirte» gehört zu den beliebtesten Toggenburger Psalmen; er gibt vielen Menschen in unserer Region Trost und Halt. Dass darin aber auch Zufluchtserfahrungen von David oder Tempel-Asylerfahrungen enthalten sind, deutschte eine zweite Lesung aus.

Selbstversuch zu «Fremde»

Pfarrerin Rahel von Siebenthal lud dazu ein, sich auf einer Linie im Saal aufzustellen: je nachdem ob man nie oder selten in der Fremde war oder häufig ins Ausland verreist; je nachdem ob man sich häufig fremd gefühlt hat oder nicht. Mit gezielten Fragen regte sie das Gespräch an zwischen jenen, die auf der Skala nebeneinander standen. Die persönliche Erfahrung und die Gefühle beim Thema «Fremde» kamen einem so nahe. Das war Vorbereitung für den Bibelteilet in Gruppen.

Fremdenfreundliche Bibel

Wie unterschiedlich die Texte waren, die da bearbeitet wurden, stellte sich anschliessend im Plenum heraus, das Pastoralassistent Marco Süess moderierte. Zwei Gruppen berichteten von fremdenfreundlichen Abschnitten: Mit dem Gleichnis vom Endgericht fordert Jesus dazu auf, Hungernde zu speisen, Nackte zu kleiden und Fremde aufzunehmen. Ein Text aus den Büchern Mose erinnert das Volk an eigene Erfahrungen in der Fremde und fordert deshalb: ihr sollt den Fremden lieben wie euch selbst. Andere Text waren einfach Berichte: dass die Erfahrung der Fremde schwierig ist. Oder dass Jesus als Säugling mit seinen Eltern selbst auf der Flucht war vor dem Gewaltherrscher Herodes. Zwei Gruppen aber erzählten von ganz anderem: dass einer, der an heiligem Ort Asyl gesucht hat, auf Befehl von König Salomo doch umgebracht wird. Oder dass auf Befehl von Esra alle Frauen anderer Nationalität weggeschickt werden sollten.

Schlussdiskussion

Was ergab bei solchem Befund die abschliessende Diskussion? Jemand meinte, die Probleme um Asyl und Fremde seien eben zu allen Zeiten komplex und nicht einfach zu lösen; eine Gesellschaft unter Stress werde fremdenfeindlich.

Ein Asylbewerber aus Äthiopien, der zurzeit in «Girlen» lebt, betonte, dass die Probleme entstehen, weil die Menschen nicht auf Gott hörten, sondern anderes wichtiger sei, wie Macht, Reichtum, Stellung. Andere unterstrichen, dass es aus dem christlichen Glauben moralische Verpflichtungen gebe, sich für ein würdiges Leben aller Menschen einzusetzen. Und in einem der zahlreichen Nachgespräche meinte jemand, so lange das Reichtumsgefälle auf der Welt so gross sei wie heute, werde das Problem trotz aller Verschärfungen in Asyl-Gesetz und -Vollzug nicht verschwinden. Zu befürchten sei eher, dass das Rechtsempfinden und die «Seele des Volkes» beschädigt würden.

Mit Hinweisen auf nächste Anlässe, zum Beispiel die Weltgebetstagsfeiern am 28. Februar und 1. März und die Veranstaltung zu «Ausschaffungshaft und Rückschaffungsflügen» vom 15. März im Wattwiler Kino Passerelle – schlossen Marco Süess und Fabiola Abele von Amnesty International Toggenburg den Abend. (pd)