Bettleroper und Multitasking

Drittes Appenzeller Figurentheater-Festival bringt Kinder zum Lachen und Erwachsene zum Staunen.

Monica Dörig
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Langsamste Schnecke versus schnellste Putzfrau. (Bild: pd)

Langsamste Schnecke versus schnellste Putzfrau. (Bild: pd)

APPENZELL. Die acht Kinder und zwei Erwachsenen-Vorstellungen am Figurentheater-Festival im Klostergarten in Appenzell vom vergangenen Wochenende waren gut besucht. Klassische Vorlagen, originelle visuelle und dramaturgische Ideen, witzige und anrührende Geschichten gefielen den kleinen Gästen ebenso wie den grossen.

Die insgesamt zehn Aufführungen für Kinder und Erwachsene bezauberten von Freitag bis Sonntag mit grossem Einfallsreichtum. Katherine Leuenberger zum Beispiel verquickt ihr Talent fürs Zeichnen, Geschichtenerzählen und Schauspielern mit Handpuppen und dem Einbezug des Publikums. Dabei ist optisch alles fein aufeinander abgestimmt. Während ihres Spiels «1+1=Kopfsalat» im alten Zirkuszelt hörte man vor allem die Erwachsenen lachen. Sie erkannten den hintersinnigen Witz in der Geschichte um den langsamsten «Schnägg» der Welt. Dieser trifft auf die bärbeissige, schnellste Putzfrau der Welt. Zwischen Oskar und Frau Gschwind entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft; am Ende gibt es ein märchenhaftes Happy End.

Im Gegensatz zu andern Inszenierungen schweben auch die hölzernen Protagonisten vom Theater Gugelhupf in der «Bettleroper» schliesslich im siebten Himmel. Zuvor haben die Huren und Taschendiebe, Winkeladvokaten und Räuberkommandanten Intrigen gesponnen, Mordpläne geschmiedet, sich geschlagen, belogen und betrogen. Frieder Kräuter, ein Einmann-Theaterensemble inklusive Orchester, erzählte den Klassiker aus der Halbwelt lakonisch, mit einer Prise Satire und mit bewundernswertem Multitasking. Er bewegt nicht nur die spitzbusigen Weiber und knollennasigen Grobiane, er singt dazu, spielt Mundharmonika, gibt den Rhythmus, einem Strassenmusiker gleich, mit dem Tambourin am Fussgelenk. Dem Publikum im vollbesetzten Refektorium hat das makabre Spektakel aus der Kartoffelkiste gefallen. Bis auf Frieder Kräuter stammten alle Mitwirkenden aus der Schweiz. Die Veranstalter wollen bewusst die vielfältige einheimische Figurentheater-Landschaft zeigen, und ihr Konzept scheint aufzugehen.