Berufsbildung
«Interessant war der Austausch mit Fachpersonen»: Lernende des BBZ Herisau präsentieren wissenschaftliche Projektarbeiten

In sechs Gruppen haben angehende kaufmännische Angestellte ihre interdisziplinären Projektarbeiten Publikum vorgestellt. Selbstversuche, Interviews mit Experten oder das Studium von Fachliteratur gehörten zu den Arbeitsmethoden.

Mea McGhee
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In Gruppen präsentierten die Lernenden des BBZ Herisau ihre interdisziplinäre Projektarbeit.

In Gruppen präsentierten die Lernenden des BBZ Herisau ihre interdisziplinäre Projektarbeit.

Bild: Mea McGhee

«Social Media – Freund oder Feind?», «Hat unsere Arbeit noch einen Wert in der Zukunft?» oder «Wann ist mehr Wirtschaftswachstum nicht mehr?» – drei von sechs interdisziplinären Projektarbeiten, die am Montag am Berufsbildungszentrum Herisau (BBZ) präsentiert wurden.

Leonie Scheyer.

Leonie Scheyer.

Bild: Mea McGhee

Es handelt sich dabei um Gruppenarbeiten von Lernenden, welche dieses Jahr ihre dreijährige kaufmännische Ausbildung mit Berufsmatura abschliessen werden. «Das Arbeiten im Team war spannend. In unserer Gruppe kamen einige willensstarke Menschen zusammen. Dabei haben wir gelernt, Kompromisse zu finden», sagt Leonie Scheyer.

Michelle Tanner.

Michelle Tanner.

Bild: Mea McGhee

Erstmals halb öffentlich

«Es war eine intensive Erfahrung, denn es war ungewohnt, vor so vielen Leuten zu sprechen», sagte Michelle Tanner im Anschluss an ihr Referat. Jeweils rund 50 Personen fanden sich im Publikum ein, um die 30-minütigen Präsentationen zu verfolgen.

In diesem Jahr konnten nebst den Klassenkolleginnen und -kollegen erstmals Eltern, Ausbildnerinnen und Ausbildner sowie Leute aus dem Umfeld der Lernenden den Präsentationen beiwohnen. «Die Lernenden investierten viel in diese Projektarbeit, das soll neu in einem etwas grösseren Rahmen gewürdigt werden», erklärt Thomas Wettach. Bisher waren einzig die Mitlernenden und die Lehrpersonen dabei.

Wettach, Lehrer am BBZ, ist mit seinem Berufskollegen Patrick Dombrowski für die interdisziplinäre Projektarbeit verantwortlich. Im Anschluss an die Präsentationen stellten sie Vertiefungsfragen. Aus den Antworten liess sich schliessen, wie intensiv die Lernenden sich mit ihrem Thema auseinandergesetzt haben.

Die beiden Lehrer haben die Lernenden während der Planung und Realisierung ihrer Arbeiten begleitet und benoten diese auch. Beurteilt werden die Planung, die schriftliche Arbeit und die Präsentation, bei welchen verschiedene grafische Darstellungsformen wie Diagramme und Piktogramme genutzt wurden. Die Note fliesst sowohl ins Berufsmaturitäts- wie ins Fähigkeitszeugnis der Lernenden ein.

Wissenschaftliches Vorgehen

Idee dieser Projektarbeit ist, dass die Jugendlichen erstmals ein Thema wissenschaftlich erarbeiten, sagt Wettach. Unter dem Motto «Kein Abschluss ohne Anschluss» sei dies eine Vorbereitung zum Beispiel für den Besuch einer Fachhochschule im Anschluss an die berufliche Grundausbildung.

Es gehe darum, wissenschaftliches Vorgehen zu erlernen, erklärt Thomas Wettach. Er sagt: «Ich freue mich, mit welch hoher Motivation die Jugendlichen die Projektarbeit angegangen sind und wie es ihnen gelungen ist, die geforderte Wissenschaftlichkeit zu erfüllen.» Alle sechs Arbeiten würden die Kriterien erfüllen.

Vesa Shkoza.

Vesa Shkoza.

Bild: Mea McGhee

Zusammenfassung per QR-Code einsehbar

Im Rahmen der aktuellen Projektarbeit haben die Gruppen erstmals eine einminütige filmische Zusammenfassung ihrer Arbeit produziert, die mittels QR-Code abgerufen werden kann. Eine zeitgemässere Umsetzung verglichen mit dem bisherigen Abstract in schriftlicher Form, sagt der Projektverantwortliche. Sie hätten zig Stunden in die Arbeit investiert, erzählt Vesa Shkoza, die mit ihren drei Kolleginnen das Thema Social Media untersuchte.

Lea Koller.

Lea Koller.

Bild: Mea McGhee

Zwei der Gruppe machten ein einwöchiges Detox von sozialen Medien und hielten filmisch fest, wie es ihnen dabei erging. Anfangs sei es hart gewesen, das Mobiltelefon nicht ständig zu nutzen. Mit der Zeit habe es mehr Raum für Kreativität gegeben, hat Lea Koller festgestellt. Damit sei die Frage «Haben wir das Mobiltelefon in der Hand – oder umgekehrt?» geklärt.

Die vier Jugendlichen gaben den Anwesenden Tipps, wie der Handykonsum mit einfachen Mitteln eingeschränkt werden kann. Etwa, indem die Farben bei den Icons auf dem Smartphone ausgeschaltet werden. Erscheinen die Apps nur in Grautönen, würden sie weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sagte Vesa Shkoza.

Verschiedene Blickwinkel auf ein Thema

Die Projektarbeiten müssen drei Anforderungen erfüllen: Im Zentrum stehen eine Thematik und die entsprechende Fragestellung. Zweitens soll das Thema interdisziplinär, das heisst aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Zum Beispiel aus ethischer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Sicht.

Und drittens muss das gewählte Thema einen Bezug zur Arbeitswelt haben. Bei der Projektarbeit «Social Media – Freund oder Feind?» untersuchten Lea Koller, Michelle Tanner, Vesa Shkoza und Leonie Scheyer unter anderem am Beispiel eines Lehrbetriebs, wie die Bank Kundinnen und Kunden mit Hilfe von medialen Inhalten auf ihre Produkte aufmerksam machen möchte.