Bauprojekt
Wegen Liquiditätsengpässen: Elektrizitätswerk Heiden verkauft Tiefgarage – neue Besitzerin plant Mehrfamilienhaus

Die Heller AG plant hinter dem UBS-Gebäude in Heiden einen Neubau mit fünf Wohnungen. Ob das Projekt wie gewünscht realisiert werden kann, hängt von einem anderen Vorhaben ab.

Jesko Calderara
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Das geplante Mehrfamilienhaus entsteht hinter dem UBS-Gebäude, im Zentrum von Heiden.

Das geplante Mehrfamilienhaus entsteht hinter dem UBS-Gebäude,
im Zentrum von Heiden.

Bild: Jesko Calderara
Thomas Stahr ist Leiter Finanzen des EW Heiden.

Thomas Stahr ist Leiter Finanzen des EW Heiden.

Bild: PD

Es ist ein unscheinbares Grundstück im Heidler Zentrum, das bis anhin höchstens für Autofahrer von Interesse war. Auf dem Areal hinter dem UBS-Gebäude befindet sich eine kleinere Tiefgarage, rund zehn oberirdische Parkplätze und einige Garagenplätze. Im Sommer des vergangenen Jahres veräusserte das Elektrizitätswerk Heiden (EWH) diese Immobilie ans örtliche Generalunternehmen Heller AG. Die neue Eigentümerin plant auf der Tiefgarage die Realisierung eines Mehrfamilienhauses mit fünf Eigentumswohnungen. Das Baugesuch wurde eingereicht, die Einsprachefrist läuft noch bis Donnerstag.

Im Geschäftsbericht 2021 begründet der EWH-Verwaltungsrat den Verkauf des Objekts an der Seeallee mit Liquiditätsengpässen. «In den vergangenen Jahren hatten wir einen hohen Investitionsbedarf ins Stromnetz», sagt Thomas Stahr, Leiter Finanzen. Weil die Investitionen nicht aus dem operativen Geschäft finanziert werden konnte, habe das Unternehmen zusätzliche Liquidität benötigt.

Tiefgarage ist sanierungsbedürftig

Heiri Heller ist Inhaber der Generalunternehmung Heller AG.

Heiri Heller ist Inhaber der Generalunternehmung Heller AG.

Bild: PD

Dafür gab es gemäss Stahr grundsätzlich zwei Optionen: Eine moderate Erhöhung der Verschuldung oder der Verkauf von Anlagevermögen. Mitten in der Coronakrise mit dem Lockdown und den damit erschwerten Bedingungen, erhielt das EWH nach eigenen Angaben ein «sehr lukratives Angebot» von der Heller AG. Deren Inhaber Heiri Heller gehört dem Verwaltungsrat des EWH an.

Die Verantwortlichen entschieden sich für die Veräusserung der Tiefgarage, auch weil diese für ein Elektrizitätswerk nicht betriebsnotwendig und abgesehen davon sanierungsbedürftig sei.

Im Geschäftsbericht wird nebst dem Preis ein weiterer Vorteil des Tiefgarage-Verkaufs genannt. Man habe eine Käuferin gefunden, welche die anstehenden Probleme auf dieser Liegenschaft lösen könne. Dabei geht es nebst dem Sanierungsbedarf um das Nutzungsrecht des benachbarten Hotels Heiden für die 17 Tiefgaragenplätze. Diese werden für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Mehrfamilienhauses benötigt. Heiri Heller sagt:

«Das Hotel ist auf diese Parkplätze aber ebenfalls angewiesen.»

Aus diesem Grund soll der Hotelbetrieb in der geplanten Tiefgarage hinter der «Krone» Realersatz erhalten. Dieses Projekt, bei dem nebst Heller «Krone»-Eigentümer Rolf Schubiger als Investor beteiligt ist, befindet sich allerdings noch in Planung. Das MFH-Vorhaben muss deshalb in zwei Schritten realisiert werden. «Ich gehe dabei ein hohes Risiko ein», gibt Heller zu bedenken. Denn ob und wann die Krone-Tiefgarage mit 160 Plätzen tatsächlich gebaut werden kann, ist offen. Heller rechnet damit, dass der Baustart 2024 erfolgen kann. Zurzeit werden die Grundlagen zum Sondernutzungsplan erarbeitet.

Mietern der Parkplätze wird gekündigt

Als eine Art Übergangslösung möchte die Bauherrin deshalb das Erdgeschoss des Neubaus für Parkplätze nutzen. Damit würden den Käufern der fünf Wohnungen vorübergehend genügend Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Sobald die neue Tiefgarage in Betrieb ist, soll gemäss Heller im Erdgeschoss des MFH eine sechste Wohnung und ein Ladengeschäft realisiert werden.

«Dies würde zur Belebung des Dorfes beitragen.»

Die bestehende, kleine Tiefgarage könnten dann in Zukunft die Stockwerkeigentümer nutzen.

Die Baupläne der Heller AG haben auch Auswirkungen auf die Dauermieter der oberirdischen Parkplätze. Ihnen musste teilweise bereits gekündigt werden, in einigen Fällen erfolgt dieser Schritt vor Baubeginn, wie Heller bestätigt.