Baukultur
Einheimischen Baustil gewürdigt: Auszeichnung für zwei Appenzeller Häuser in Waldstatt und Stein

Die Familien Christina und Alex Baumann aus Stein sowie Susanne und Werner Näf aus Waldstatt erhalten einen Preis vom Verein Appenzellerhaus Heute.

Martin Hüsler
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Christina und Alex Baumann mit Söhnchen Max sind berechtigterweise stolz auf ihr Haus in Stein.

Christina und Alex Baumann mit Söhnchen Max sind berechtigterweise stolz auf ihr Haus in Stein.

Bild: Martin Hüsler

Ein Dutzend Häuser hat der seit 2013 bestehende und in Wald domizilierte Verein Appenzellerhaus Heute bisher prämiert. Neu dazu gekommen sind dieser Tage die Häuser der Familie Christina und Alex Baumann im Schnädt in Stein sowie der Familie Susanne und Werner Näf im oberen Hof in Waldstatt.

Die beiden Gebäude in den jeweiligen Wohnzonen stehen in Übereinstimmung mit den Vorgaben, die der Verein bei seiner Gründung für eine Prämierung deklarierte. Wesentlich ist ihm die appenzellische Eigenart, die in Stil, Form und Gestaltung des für eine Auszeichnung in Betracht gezogenen Hauses zum Ausdruck kommen soll. Das ist aber nicht so zu verstehen, dass Appenzellerhaus Heute moderne Architektur rundweg ablehnt oder denkmalschützerische Aspekte in Frage stellt, wenn sie plausibel begründet werden können. Hingegen wendet sich der Verein gegen architektonische Beliebigkeit, wie sie manches Dorfbild unübersehbar beeinträchtigt. «Wir sind uns aber bewusst, dass sich bei der Beurteilung der Bauten nach unseren Massstäben Subjektivität nicht ganz ausschliessen lässt», räumt Vereinspräsident Marc Rittmeyer ein.

Vordach und Vorschild

Sowohl beim Haus in Stein als auch bei jenem in Waldstatt sei den Kriterien des Vereins Rechnung getragen worden, wie Hans Sprecher, Vorstandsmitglied des Vereins, anlässlich der Prämierung ausführte. Die Ausrichtung der Hausfronten gegen Südosten entspricht dem Ideal. Vordach und Vorschild als Schutz gegen strubes Wetter sind hier wie dort in die Gestaltung einbezogen worden. Zahnleisten und «Pfätterebrettli» gereichen den Häusern zur Zierde. Und die als sehr beständig geltenden Lärchenschindeln wissen zu gefallen.

Das Haus der Familie Baumann konzipierte Architekt Christian Eisenhut aus Herisau. Es ersetzt ein Gebäude, das seit Anfang der 1940er-Jahre im Familienbesitz stand. Die Bauleitung oblag Ralph Suhner aus Bühler.

Susanne und Werner Näf freuen sich an ihrem neuen Haus in Waldstatt.

Susanne und Werner Näf freuen sich an ihrem neuen Haus in Waldstatt.

Bild: Martin Hüsler

Beim Haus der Familie Näf kamen Ideen von Tochter Flavia Näf, ihres Zeichens Hochbauzeichnerin mit Fachrichtung Architektur, zum Tragen.

Veränderte Wohngepflogenheiten einbeziehen

So sehr Appenzellerhaus Heute auf das Erscheinungsbild Wert legt, so wenig lässt er veränderte Wohngepflogenheiten und berechtigte Qualitätsansprüche ausser Acht. «Wir können es verstehen, wenn neue Wohnbedürfnisse in die Planung einfliessen. An stilistischen Prinzipien halten wir nicht kategorisch fest. Letzten Endes muss sich aber eine Baute in ihrer Erscheinung doch an Appenzellerhäuser anlehnen, sofern sie prämiert werden will», erklärt Marc Rittmeyer.

Die Mittel für die Auszeichnungen stammen aus einer namhaften Schenkung. Wer die Voraussetzungen als erfüllt betrachtet, dass der Verein eine Prämierung in Erwägung ziehen könnte, findet auf der Website www.appenzellerhaus-heute.ch die Angaben für eine Anmeldung.