Badminton
Nach Rückkehr aus Indonesien: Zwei Sporttalente aus Trogen wieder im Haus und Sport vereint

Vivien Schläpfer und Azkya Ruhanda aus Trogen gehören zu den stärksten Badminton-Juniorinnen der Schweiz. Die vergangenen vier Jahre lang lebte die Indonesierin in ihrem Heimatland. Nun spielen und wohnen die beiden Talente zusammen.

Lukas Pfiffner
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Vivien Schläpfer und Azkya Ruhanda: Nachbarinnen und Badmintonpartnerinnen – hier in der Sporthalle Trogen.

Vivien Schläpfer und Azkya Ruhanda: Nachbarinnen und Badmintonpartnerinnen – hier in der Sporthalle Trogen.

Bild: Lukas Pfiffner

«Wir haben uns darüber sehr gefreut.» Azkya Ruhanda und Vivien Schläpfer sagen es, angesprochen auf die Tatsache, dass sie seit dem Sommer wieder zusammen Badminton spielen und unter einem Dach wohnen. Während der vier Jahre, in denen sich die Familie Ruhanda mit dem Vater, langjährigen Trainer und Spieler Agung in Indonesien aufhielt, waren die beiden Mädchen über die sozialen Medien in Kontakt geblieben.

Als die Badmintonvereinigung St.Gallen-Appenzell 2016 Meister wurde, wurde bei der Siegerehrung ein Transparent aufgestellt, das die Nachbarn für Agung Ruhanda hergestellt hatte: «Niderengasse gratuliert». Im Trogener Niderenquartier wohnt Familie Schläpfer. Im Herbst 2009 zogen Ruhandas ein erstes Mal im Haus der Schläpfers ein. Und Vivien kam über die indonesischen Gäste zum Badmintonsport. «In der 3. Primarklasse habe ich damit angefangen», erzählt sie.

«Holt manchen schwierigen Ball»

Wohnhaus, Kantonsschule, Sporthalle: Die (Geh-)Wege für die beiden 16-jährigen sind kurz. Die Indonesierin ist nach ihrer Rückkehr im Sommer in die 3. Sekundarklasse eingeteilt worden, die Ausserrhoderin besucht im zweiten Jahr die Fachmittelschule. Rund 15 Stunden trainieren Vivien Schläpfer und Azkya Ruhanda pro Woche, zweimal morgens um 7.15 Uhr, einmal über Mittag, meistens am frühen Abend.

Die Mehrheit der Einheiten absolvieren sie mit der Sportschule Appenzellerland, auch Krafttrainings und polysportive Trainings. Die jungen Frauen spielen für den BC Trogen-Speicher in der 1. Liga oder NLB, beide gehören dem Schweizer Nationalkader an – ab Januar in der Kategorie U19. Beide spielen gerne Einzel. Aber auch das Doppel habe seinen Reiz, sind sie sich einig. Azkya sei enorm schnell, fügt Schläpfer an. «Da holt sie manchen schwierigen Ball.»

Jetzt eigene Auszeichnungen …

Als Agung Ruhanda 2008 mit Basel Badminton-Schweizer-Meister wurde, trug er die zweijährige Tochter Azkya bei den Feierlichkeiten auf den Armen. Als «Glücksbringer» bezeichnete die «Basler Zeitung» das kleine Mädchen, das an der Siegerehrung für den Vater die Goldmedaille entgegennahm. Mit drei Jahren habe sie begonnen, den Schläger in der Hand zu halten, und mit fünf Jahren regelmässig zu spielen, erzählt Azkya. Sie versteht und spricht ausgezeichnet deutsch und sichert sich längst eigene Auszeichnungen.

Sie knüpfte nach ihrer Rückkehr in die Schweiz an die starken Leistungen von früher an und gewann am internationalen Turnier im deutschen Mülheim Mitte Oktober auf dem Weg zum U17-Sieg alle sechs Spiele ohne Satzverlust. Am nationalen Turnier in Spiez glänzte sie kürzlich mit dem Sieg im Einzel und holte mit Vivien Schläpfer Silber im Doppel.

Ein paar Stunden zu spät

Während Azkyas Aufenthalt in der Heimat wurde Vivien mit Julia Cecchinato zu einem erfolgreichen Doppel. Letztere kämpft aber seit einiger Zeit mit gesundheitlichen Problemen, es steht eine Operation bevor. So war es naheliegend, dass Schläpfer und Ruhanda wieder vereint wurden – schon ein paar Jahre zuvor hatten sie zusammengespielt. Einen kurzfristigen, administrativ bedingten Rückschlag gibt es nun: Obwohl die Verantwortlichen des Klubs und des Schweizer Verbandes mit Hochdruck an der Erledigung der Formalitäten gearbeitet haben, darf Ruhanda an den Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften vom 3./4. Dezember in Genf nicht teilnehmen – weder im Einzel noch im Doppel (mit Vivien Schläpfer). Die nötigen Papiere trafen Anfang der vergangenen Woche ein paar Stunden zu spät ein. Schläpfer wird nebst dem Einzel mit dem Zürcher Keishin Rimmer im Mixed-Bewerb antreten. Weil Ruhanda zuletzt für Indonesien gespielt hat, gestaltete sich die Abwicklung des Rücktransfers aufwendig. Nach der Meisterschaft gilt sie badmintontechnisch wieder als Schweizerin. Wie schon 2017, als sie mit elf Jahren in der U13-Kategorie Meisterin im Einzel und (mit Vivien Schläpfer) im Doppel wurde. 14:0 betrug das Satzverhältnis ihrer Spiele an jenem Wochenende.