Ausserrhoden
Höchste Monatswerte seit der Migrationskrise: Asylsuchende werden temporär im Kinderdorf Pestalozzi untergebracht

Die Zahl neuer Asylgesuche steigt schweizweit. Ausserrhoden ist mit erhöhten Zuweisungen durch den Bund konfrontiert. Die Plätze im Asylzentrum Sonneblick in Walzenhausen werden knapp. Nun hat der Kanton eine vorübergehende Lösung gefunden.

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Im Pestalozzidorf in Trogen waren bislang Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht.

Im Pestalozzidorf in Trogen waren bislang Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

In Appenzell Ausserrhoden sind derzeit 426 Schutzsuchende aus der Ukraine untergebracht. «Die Zahl ist stabil. Sie ging minim zurück», sagt Georg Amstutz, Leiter Kommunikationsdienste Appenzell Ausserrhoden. In den Vorwochen lag sie bei 438.

Zugenommen hat gemäss Medienmitteilung der Ausserrhoder Kantonskanzlei hingegen die Zahl von Personen aus anderen Ländern, die ein Asylgesuch stellen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) rechnet bis Ende Jahr mit rund 24’000 Asylgesuchen.

Im Oktober hat das SEM nun die Kantone informiert, dass aufgrund der höchsten Monatswerte an Asylgesuchen seit der Migrationskrise 2015/2016 und der damit verbundenen Kapazitätsprobleme die Personen rascher in die Kantone verteilt werden. So wurden gemäss der Medienmitteilung alleine seit November 38 Personen an Appenzell Ausserrhoden zugewiesen. Zwischen Januar und Oktober waren es insgesamt 73 Personen.

Damit werden die 80 Unterbringungsplätze im Asylzentrum Sonneblick in Walzenhausen (54 Plätze für Appenzell Ausserrhoden und 26 für den Kanton St.Gallen) knapp.

Kapazitäten in Trogen nicht ausgelastet

Das Kinderdorf Pestalozzi beherbergt seit Beginn des Krieges Schutzsuchende aus der Ukraine. Auf Basis einer Leistungsvereinbarung stellt es seit März 2022 100 Plätze für die Erstunterbringung von Schutzsuchenden zur Verfügung. Diese Kapazitäten seien derzeit nicht ausgelastet, schreibt die Kantonskanzlei.

Nach Absprache mit dem Steuergremium Asyl, bestehend aus Delegationen des kantonalen Amtes für Soziales und der Gemeindepräsidienkonferenz, habe der Kanton das Gespräch mit den Verantwortlichen des Kinderdorfs Pestalozzi gesucht.

Das Kinderdorf Pestalozzi hat sich bereit erklärt, die vereinbarten Unterbringungsplätze vorübergehend auch für Asylsuchende aus anderen Ländern bereitzustellen, ohne dabei die Kernaufgabe der Non-Profit-Organisation zu gefährden: die Schaffung von nachhaltiger und qualitativ hochstehender Bildung für Kinder und Jugendliche weltweit. Die Plätze im Kinderdorf Pestalozzi stehen insbesondere für Familien, Paare oder Frauen mit oder ohne Kinder zur Verfügung.

Erste Asylsuchende treffen ein

Die ergänzende gemeinsame Vereinbarung sieht gemäss Mitteilung aber vor, dass dies nur so lange erfolgen soll, wie die kantonalen Kapazitäten an Grenzen stossen und Zuweisungen in Gemeinden nicht möglich sind. Am Montag treffen die ersten sechs Personen aus Afghanistan, Burundi, Iran, Kongo und der Türkei im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen ein. (dsc/kk)