Ausserrhoden
Es droht das Aus: Grastrocknungsanlage Waldstatt leidet unter hohem Gaspreis

Das Trocknen von Gras ist für manche Bauern wichtig, aber energieintensiv. Weil die Produkte immer teuer werden, denkt man bei der Grastrocknungsanlage AG in Waldstatt über eine Stilllegung nach.

Karin Erni
Drucken
Wenn die Sonne weniger scheint, nutzen viele Landwirte die Grastrocknungsanlage.

Wenn die Sonne weniger scheint, nutzen viele Landwirte die Grastrocknungsanlage.

Bild: Karin Erni

Es ist warm und riecht süsslich wie in einer Bäckerei. Doch im schmucklosen Gebäude an der Hundwilerstrasse in Waldstatt werden weder Guetzli noch Biber gebacken. Der 600 Grad heisse Trommelofen trocknet Gras oder Maispflanzen, die anschliessend zu Futterwürfeln gepresst werden. Eine Tonne davon verlässt pro Stunde die Anlage.

Kurze Betriebszeiten als Problem

An diesem Tag wollen gleich mehrere Landwirte ihre Ernte noch vor dem angesagten Regen ins Trockene bringen. Wegen der hohen Energiepreise ist dies derzeit eine teure Angelegenheit, denn die Anlage arbeitet mit Erdgas. «Letztes Jahr kostete die Herstellung von 100 Kilo Graswürfel noch 35 Franken. Im Frühjahr haben wir auf 50 Franken aufgeschlagen, doch wir haben gemerkt, dass die Rechnung für uns bei diesem Preis nicht aufgeht», sagt Martin Widmer. Der Steiner ist Präsident der Grastrocknungsanlage AG. Er arbeitet seit 20 Jahren aktiv im Betrieb mit und kennt hier jede Schraube. Widmer hofft, dass der aktuelle Preis von 55 Franken nicht allzu viele Kunden abschreckt. «Wenn wir zu wenig Gras trocknen können, verteuert sich der Preis nochmals, denn die Fixkosten bleiben gleich.» Er ergänzt:

Martin Widmer mit einer Probe der Graswürfel.

Martin Widmer mit einer Probe der Graswürfel.

Bild: Karin Erni
«Wir bezahlen eine Grundgebühr von 700 Franken pro Monat. Die ist fällig, egal, ob wir Gas brauchen oder nicht.»

Getrocknet wird nur im Frühjahr und Herbst. In dieser kurzen Zeit muss genügend Geld hereinkommen, damit die Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Zukunft sieht nicht rosig aus. «Wir werden diesen Winter über die Bücher gehen und anschliessend entscheiden, wie es weitergehen soll», sagt Widmer konsterniert.

Weniger Kraftfutter nötig

In den Nachkriegsjahren wurden in der Schweiz mit Bundeshilfe vielerorts Grastrocknungsanlagen gebaut, um die Ernte unabhängig von der Witterung haltbar machen zu können. Auch sollte so die Unabhängigkeit von Kraftfutterimporten erhöht werden. Durch die gestiegenen Energiepreise sehen sich viele dieser Betriebe nun in der Existenz gefährdet. Die Waldstätter Anlage könnte zwar auch mit Heizöl betreiben werden, sagt Martin Widmer. «Doch das kommt letztlich wieder auf dasselbe hinaus.» Auch über eine Wärmerückgewinnung habe man schon nachgedacht, doch würde sich die Investition bei der geringen Auslastung der Anlage nicht rechnen.

In der Trocknungstrommel ist es 600 Grad heiss.

In der Trocknungstrommel ist es 600 Grad heiss.

Bild: Karin Erni

Für viele Bauern notwendig

Das geschnittene Gras wird zuerst gehäckselt und gelangt dann in die Trocknungstrommel. Die Feuchtigkeit entweicht als Dampf über den Kamin. Die Überwachung des Trocknungsprozesses erfolgt von Hand. Widmer greift dazu regelmässig in die Transportschnecke, die das getrocknete Gras zur Presse bringt. Er prüft dessen Konsistenz durch ein kurzes Zusammendrücken in der Hand und erklärt:

«Wir müssen dem Gras genügend Feuchtigkeit entziehen, damit es nicht schimmelt. Es darf aber nicht zu trocken sein, sonst halten die Würfel nach dem Pressen nicht zusammen.»

Die Grastrocknung habe viele Vorteile, sagt Widmer. «So sind die Verluste im Vergleich zu anderen Konservierungsverfahren tief und die Graswürfel benötigen wenig Lagerraum. Sie können in Big-Bags transportiert und aufbewahrt werden.» Die Bauern versuchen so lange wie möglich, das Schnittgut von der Sonne trocknen zu lassen. Im Herbst dauert das wegen der geringeren Sonneneinstrahlung länger. Das sei schlecht für die Qualität, sagt Widmer und ergänzt: «Wer seine Milch in die Käserei liefert, darf kein Siloheu füttern und ist darum auf die Grastrocknung angewiesen.»