Appenzeller Kirche will wissen, was sie leistet

HERISAU. Die Kirchen im Kanton Appenzell Ausserrhoden rechnen mit weniger Steuergeldern. Die Evangelischen wollen daher erheben lassen, wie viel ihre sozialdiakonischen Leistungen wert sind.

Daniel Klingenberg
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Kirchgemeinde Herisau: 150 000 Franken weniger an Steuergeldern. (Bild: pd)

Kirchgemeinde Herisau: 150 000 Franken weniger an Steuergeldern. (Bild: pd)

Den Kirchen im Kanton Appenzell Ausserrhoden drohen Mindereinnahmen. Tritt 2010 die Steuergesetzrevision in Kraft, bekommen sie durchschnittlich 6,5 Prozent weniger Geld. Die Evangelische Kirchgemeinde Herisau etwa rechnet mit einem Ausfall von 150 000 Franken. Den 20 evangelischen Gemeinden dürften nach Auskunft von Kirchenratspräsident Kurt Kägi insgesamt rund 600 000 Franken weniger zur Verfügung stehen.

Kommt hinzu, dass man im Vergleich zu anderen Kantonen vom Staat eher an der kurzen Leine gehalten wird: Im Gegensatz zu St. Gallen erhalten die Appenzeller Kirchen keine Gelder vom Steuerertrag der juristischen Personen (siehe Kasten).

Grundsätzlich haben die Kirchgemeinden die Möglichkeit, mit einer Erhöhung des Steuerfusses ihre Einnahmen zu vergrössern. Die Frage aber ist: Ist dies kirchenpolitisch opportun? Oder müsste die Kirche nicht erst einmal klären, was sie eigentlich alles macht? Genau dies tun die Evangelischen von Appenzell Ausserrhoden: Sie wollen von der Fachhochschule St. Gallen (FHS) erheben lassen, welche Leistungen sie für die Allgemeinheit erbringen. Ein entsprechender Antrag ist an der Synode vom 29. Juni in Trogen traktandiert.

Jugendarbeit, Eheberatung

Dass Kirchen ihre Leistungen erheben lassen, ist nicht neu. Ebendies hat die Zürcher Kirche im Hinblick auf eine Abstimmung zur Trennung von Kirche und Staat Mitte der 1990er Jahre machen lassen. Die Studie hat ergeben, dass in den Zürcher Kirchen jährlich für 40 Mio. Franken sozialdiakonische Freiwilligenarbeit geleistet wird.

Auch in beiden Appenzeller Halbkantonen will man laut Synodalpräsidentin Susanne Honegger wissen, was die sozialdiakonische Arbeit der Kirche in Franken und Rappen wert ist. Dabei stehen Leistungen in den Bereichen Jugend- und Altersarbeit, Eheberatung, Gefängnisseelsorge und Betreuung von gesellschaftlichen Randgruppen im Vordergrund. Susanne Honegger führt zwei Argumente für die Erhebung der kirchlichen Arbeit an. Erstens wolle man wissen, wo die Kirche bei schwindenden Finanzen ihre Prioritäten setzen solle.

Können durch übergemeindliche Zusammenarbeit erbrachte Kräfte konzentriert werden? Gibt es Leistungen, die gestrichen werden müssen? Resultat könnte aber auch sein, dass der Steuerfuss erhöht wird, um bestimmte Angebote beibehalten zu können. Zweitens, so stellt Honegger fest, habe man bis jetzt im Gespräch mit dem Kanton «nichts in der Hand». Aber der Staat müsse wissen, welche Gelder er für die Beibehaltung sozialer Leistungen aufbringen müsste, wenn die Kirchen diese nicht mehr erbringen könnten. 

Start im Frühjahr 2010

Stimmt die Synode dem Antrag zu, wird mit der Erhebung im Frühjahr 2010 gestartet, sie soll 2012 abgeschlossen sein. Die Arbeit wird zu einem wesentlichen Teil von FHS-Studierenden geleistet. Dadurch war es möglich, den Preis für die Studie mit etwas über 20 000 Franken tiefzuhalten.