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Reduzierte Wintersportzone gibt in Trogen zu reden: Skilift-Aus ist noch nicht verdaut

Die Gemeinde Trogen stimmt ab 15. Mai über die Erweiterung des Schulhauses Nideren ab. Die Vorlage ist unbestritten. An der öffentlichen Versammlung gibt die Reduzierung der Wintersportzone zu reden. Die Auflagefrist begann am 22. April.

Charlotte Kehl
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Der Skilift Sand in Trogen ist seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb.

Der Skilift Sand in Trogen ist seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb.

Bild: APZ

Am Donnerstag lud die Gemeinde Trogen zur Orientierungsversammlung über das Bauvorhaben am Schulhaus Nideren sowie über die Änderung der «Zone für Wintersport» ein. Zuerst aber konnte Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr einen überraschenden Ertragsüberschuss von rund 79‘300 Franken präsentieren. Der Voranschlag 2021 sah einen Aufwandüberschuss von 317‘715 Franken vor, die Rechnung schliesst also rund 400‘000 Franken besser ab als erwartet.

Ins Gewicht fallen vor allem die Mehreinnahmen bei den Sondersteuern (Erbschafts-, Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuer). Dafür fiel der Finanzausgleich 150‘000 Franken geringer aus als budgetiert. Mehrausgaben resultieren vorwiegend aus den Aufwendungen im Gesundheitsbereich, insbesondere beim Wohn- und Pflegeheim Boden sowie für die Pflegefinanzierung. Zur Sprache kam auch die Entwicklung der finanziell nicht auf Rosen gebetteten Gemeinde. Man hofft auf weitere höhere Steuereinnahmen. Eine Erweiterung der Bauzone sei nur noch minimal möglich, sagte Altherr. Die Regionalisierung werde vorangetrieben, aber eine Fusion bedeute nachweislich nicht grosse Einsparungen. Der Finanzausgleich sei schwierig vorhersehbar.

Wintersport eingezont

Unerwartet hohe Wellen verursachte die Reduzierung der Wintersportzone. Auf Antrag eines Landbesitzers, diese ganz zu streichen, habe der Gemeinderat im September 2020 den verkleinerten Teilzonenplan für Wintersport beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Im Anschluss fand im Spätsommer 2021 das öffentliche Mitwirkungsverfahren statt, welches Anpassungen mit sich brachte. Baupräsident Marc Fahrni stellte den Zonenplan und dessen Änderungen vor. Die öffentliche Auflagefrist begann am 22. April. Die Planunterlagen sind im Erdgeschoss der Gemeindeverwaltung ausgehängt.

Zu diesem Thema wurden die Fragen schnell emotional und die Voten persönlich. Einerseits bedauerte man immer noch das Aus des Trogner Skilifts. Auf der andern Seite wurde nach dem Sinn einer Wintersportzone gefragt. In einer Wintersportzone dürfe nichts fest gebaut werden, sodass Schneeschuhwanderer, Schlittler oder Skifahrer ohne Hindernisse vom Bänkli übers Nistelbühl ins Tal fahren können, erklärte Fahrni. Die Änderung des Teilzonenplans unterliegt dem fakultativen Referendum.

Erweiterungsneubau Schulhaus Nideren

Platzt aus allen Nähten: das Schulhaus Nideren.

Platzt aus allen Nähten: das Schulhaus Nideren.

Bild: PD

«Schulraumplanung für eine kleine Gemeinde wie Trogen ist eine knifflige Sache», führte Dorothea Altherr ins dritte Thema ein. Fakt sei, die Primarschule Trogen benötigt mehr Raum mit kleinstmöglichem Budget. «Der Gemeinderat sucht seit sechs Jahren nach einer umsetzbaren Lösung». Die Schulratspräsidentin Andrea Thalmann berichtete, dass seit 2010/11 die Schülerzahl von 124 auf 197 gestiegen sei. Der Grundsatzentscheid für eine Erweiterung fiel bereits 2016. Daraufhin wurde der Raumbedarf analysiert und insbesondere auf schulinterne Optimierungsmöglichkeiten hin geprüft. «Diese sind in den vergangenen Jahren voll ausgeschöpft worden», erläuterte Andrea Thalmann, «im Dachgeschoss Zimmer eingerichtet, andere umfunktioniert, Räume doppelt belegt.»

Die seit 2019 in der Kantonsschule angemieteten Schulräume müssen auf das Schuljahr 2022/23 zurückgegeben werden. Weitere Möglichkeiten für eine Auslagerung von zusätzlichem Schulraum oder eine Mietlösung wurden nicht gefunden. Ein konventioneller Ergänzungsbau musste aus finanziellen Gründen verworfen worden.

Schulraum in Modulbau

Nun ist durch die «Raumpioniere GmbH» eine Holz-Modulbau-Lösung mit einer Miet-Kauf-Finanzierung gefunden worden. Der Architekt Attila Färber stellte das ausgewählte Projekt der Versammlung vor. «Die Modulbauweise hat sich in den letzten 30 Jahren stark weiterentwickelt und ist von hoher Qualität und Lebensdauer – einer konventionellen Bauweise durchaus ebenbürtig», erklärte er. «Die standardisierte Bauweise ermöglicht eine hohe Kosten- und Terminsicherheit, ist sehr flexibel und nachhaltig. Die Gebäudehülle kann frei gestaltet werden – vorgesehen ist eine unterhaltsarme Lerchenholzfassade.»

Die Gesamtkosten von 1‘755‘000 Franken beinhalten Vorbereitungsarbeiten sowie den nötigen Rück- und Neubau des Materialraums. Finanziert wird der Miet/Kauf von 145‘600 Franken pro Jahr während zehn Jahren über die Erfolgsrechnung. Abgestimmt über den Bau wird am 15. Mai. Geheizt werde mit Fernwärme, so die Antwort auf eine Publikumsfrage. Die Frage nach Fotovoltaik blieb offen.