Renovation
Walzenhausen: Älteste Kirchenorgel im Kanton wieder mit Trompetenklang

In der evangelischen Kirche Walzenhausens wurde die Orgel revidiert. Am Sonntag wird sie eingeweiht.

Isabelle Kürsteiner
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Orgelbauer Jörg Maurer und Organist Martin Küssner.

Orgelbauer Jörg Maurer und Organist Martin Küssner.

«Die Orgel ist ohne Zweifel das grösste, das kühnste und das herrlichste aller von menschlichem Geist erschaffenen Instrumente. Sie ist ein ganzes Orchester, von dem eine geschickte Hand alles verlangen, auf dem sie alles ausführen kann», erklärte einst Schriftsteller Honoré de Balzac. Ab diesem Sonntag, 10. Oktober, ertönt in Walzenhausen, auf der ältesten Orgel im Kanton Appenzell Ausserrhoden, wieder eine Trompetenstimme.

1885 baute Johann Nepomuk Kuhn (1827–1888) seine 58. mechanische Kegelladenorgel. Noch heute steht sie in der evangelisch-reformierten Kirche Walzenhausens und wird gespielt. Während einer Renovation 1962 wurde die Orgel klanglich im neobarocken Sinn umgestaltet. Dabei wurde nebst anderen Veränderungen das Register Trompete 8‘ ausgebaut und durch ein Flageolett 2‘ ersetzt. Gleichzeitig ersetzte die Bauherrschaft den Prospekt durch einen schmucklosen Aufsatz, der 1999 zurückgebaut wurde. Die klangliche Disposition blieb jedoch bestehen. Ein Zungenklang, respektive die neue Trompete 8‘, kehrt nun nach knapp sechzig Jahren wieder nach Walzenhausen zurück.

14 Register mit 837 Pfeifen kontrolliert

«Das war eine grosse Aufgabe», erklärt Orgelbauer Jörg Maurer. Gemeint ist die Integration der Trompete. Doch gleichzeitig galt es die Orgel zu überholen, denn in feuchten Gebäuden wie Kirchen kommt es gerne zur Schimmelbildung. Dazu mussten die 14 Register mit 837 Pfeifen kontrolliert, heisst ausgebaut, wo nötig ausgebeult und allfällige schlechte Lötstellen ausgebessert werden. Daneben galt es den Spieltisch und insbesondere die zwei Manuale, sprich die Tasten, in Ordnung zu bringen, genauso wie das Pedal. Weiter mussten Holzrisse abgedichtet werden, damit vom Orgelwind infolge der Ritzen keine störenden Nebengeräusche mehr verursacht werden können.

Am Donnerstag spielte Organist Martin Küssner die Kuhn-Orgel, jetzt mit Trompete, sichtlich mit Begeisterung und sogleich begannen die Diskussionen mit dem Orgelbauer über letzte Abstimmungen und Feinheiten beim Manual. «Es besteht ein deutlicher Unterschied im Klang gegenüber früher. Die Mechanik ist sensibler als zuvor und die Trompetenstimme fehlte bei dieser Grössenordnung des Instruments. Schön dass die Zungenstimme zurück ist», sagt Küssner.

Hohe Spendenbereitschaft in der Gemeinde

«Uns freut die sehr hohe Spendenbereitschaft unserer doch eher kleinen Gemeinde», so Küssner. Die Arbeiten der Orgel-Gesamtrevision belaufen sich auf budgetierte 71000 Franken. Laut Spendenbarometer wurden bereits 50000 Franken gesprochen. Nicht zuletzt haben vier Orgel-Benefizanlässe zum guten Resultat beigetragen. Und natürlich fliesst die Kollekte beim Orgel-Einweihungsgottesdienst am Sonntag, 10. Oktober, ebenso in den Orgelfond wie der Erlös des Orgelkonzerts, das gleichentags um 17 Uhr stattfindet.