Altersheim Büel vor ungewisser Zukunft

Das Altersheim Büel in Stein könnte dasselbe Schicksal wie das Rehetobler «Haus Ob dem Holz» ereilen. Das kantonale Planungsamt hat eine Erweiterung des Altersheims Büel abgelehnt. Damit bleibt der Weg einer Neuausrichtung vorerst verwehrt.

Michael Genova
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Hans-Peter Ulli Gemeinderat Stein (Bild: pd)

Hans-Peter Ulli Gemeinderat Stein (Bild: pd)

STEIN. Das Altersheim Büel kann seine Pläne für einen Ausbau nicht realisieren. Das Ausserrhoder Planungsamt habe kürzlich ein entsprechendes Gesuch abgelehnt, sagte Gemeinderat Hans-Peter Ulli am Mittwochabend an einer öffentlichen Orientierung. Das Altersheim leidet seit mehreren Jahren unter einem strukturellen Defizit. Eine Erweiterung um 30 Pflegeplätze hätte die Zukunft sichern sollen. Der Gemeinderat wird nun am 2. April an einer Sitzung über die weiteren Schritte beraten. «Ich weiss noch nicht, wie eine Lösung aussehen wird», sagte Hans-Peter Ulli.

Zu tiefe Auslastung

Das vergangene Jahr schloss das Altersheim Büel mit einem Betriebsverlust von rund 270 000 Franken ab. Würde man die Anlagekosten berücksichtigen, läge das Minus im vergangenen Jahr sogar bei 463 000 Franken. Ein strukturelles Defizit besteht bereits seit längerer Zeit: Die kumulierten Verluste der vergangenen sechs Jahre belaufen sich auf 911 000 Franken. «Bei Mitarbeitern und Bewohner besteht eine grosse Verunsicherung», sagte Gemeinderat Ulli. Trotz Budgetdebatte und negativer Presse habe man im vergangenen Jahr sogar neue Bewohner gewinnen können. Ausserdem gebe es vier hängige Anfragen potenzieller neuer Bewohner, so Ulli. Zurzeit wohnen im Altersheim Büel 19 Senioren. Die maximale Auslastung des Heims liegt bei 23 Bewohnern, eine konstante Belegung mit 20 Personen wäre notwendig, damit es kostendeckend arbeiten könnte. «Unser Problem ist das Überangebot von Pflegebetten», sagte Hans-Peter Ulli. Von der Grösse her ist das Altersheim Büel vergleichbar mit dem Rehetobler Altersheim «Ob dem Holz», dessen Schliessung am Mittwochabend bekanntgegeben wurde. Das Haus «Ob dem Holz» hat ebenfalls 23 Zimmer, von denen allerdings zehn leer stehen. In 2013 war der Rechnungsabschluss zum dritten Mal in Folge defizitär. Der Verlust betrug im vergangenen Jahr 77 000 Franken.

Die Steiner sollen entscheiden

Während der Versammlung übte Votant Urs Moser heftige Kritik. Er bezeichnete das Altersheim als «nicht mehr zeitgemäss», die Zimmerpreise seien im Vergleich mit den umliegenden Häusern viel zu tief. Ausserdem könne man die hohen Verluste mit dem kantonalen Gesundheitsgesetz kaum mehr in Übereinstimmung bringen, so Moser. Dieses schreibe Kostenbewusstsein bei der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung vor. «Wir sind uns der Sensibilität des Themas sehr wohl bewusst», entgegnete Gemeindepräsident Christoph Scheidegger. Auf der einen Seite stünden die emotionalen Befindlichkeiten, auf der anderen Seite die finanziellen Fakten. Der Gemeinderat werde nun verschiedene Optionen prüfen. Weil so viele Emotionen im Raum stünden, brauche es aus seiner Sicht einen Entscheid der Bevölkerung, sagte Scheidegger. Bis Mitte des Jahres soll es so weit sein.

Christoph Scheidegger Gemeindepräsident Stein (Bild: mab)

Christoph Scheidegger Gemeindepräsident Stein (Bild: mab)