Altersbetreuung ausserhalb der Heime fördern

Die Menschen werden immer älter und wollen gleichzeitig ein selbstbestimmtes Leben führen. Alters- und Pflegeheime sind gefordert.

Alessia Pagani
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Heimleiter Walter Harzenetter, Pro-Senectute-AR-Geschäftsleiter Markus Gmür, Landammann Matthias Weishaupt, Steins Gemeindepräsident Siegfried Dörig und François Höpflinger waren sich mehrheitlich einig: Es braucht flexible Strukturen. Pagani (Bild: Alessia)

Heimleiter Walter Harzenetter, Pro-Senectute-AR-Geschäftsleiter Markus Gmür, Landammann Matthias Weishaupt, Steins Gemeindepräsident Siegfried Dörig und François Höpflinger waren sich mehrheitlich einig: Es braucht flexible Strukturen. Pagani (Bild: Alessia)

Die ältere Generation will je länger, je mehr ein selbstbestimmtes Leben führen – und das bis ins hohe Alter. «Heute bleiben die Menschen länger gesund. Die Pflegebedürftigkeit nimmt ab», sagte François Höpflinger, Soziologe und selbständiger Forscher in Altersfragen, am Mittwoch in der Mehrzweckhalle Waldstatt. Die SP Appenzeller Hinterland hatte zur Informationsveranstaltung «Altern in Appenzell Ausserrhoden» geladen. Angereist waren rund 60 Personen. Im Fokus standen die Zukunft der Heime und die Rolle der Gemeinden. Polyvalente Heime seien der Schlüssel, so Höpflinger. Damit meint er Institutionen, die sich nicht auf eine Funktion beschränken und die möglichst generationenübergreifend agieren. Als Beispiele nannte er unter anderem Coiffeurläden oder Kinderkrippen in den Heimen, Gemeinschaftsräume für die Bevölkerung, Alterswohnungen, betreute Wohnformen. «Oder warum nicht eine Art Bed & Breakfast?» Es brauche soziale Dienste kombiniert mit Heimen. «Wir müssen in der Pflege mehr, aber flexiblere Strukturen haben», so Höpflinger. Landammann Matthias Weishaupt nannte in der anschliessenden Podiumsdiskussion das «Hemetli», Herisau, als Aushängeschild. «Altersbetreuung darf nicht nur im Heim geschehen», pflichtete Markus Gmür, Geschäftsleiter Pro Senectute AR, bei.

Pflegebedarf könnte reduziert werden

Wie Höpflinger zeigte, hat Ausserrhoden im kantonalen Vergleich einen grossen Bestand an Pflegebetten. Pro 100 Personen im Alter von 80 Jahren oder älter werden 41 Betten benötigt. In Genf – als Extremwert – liegt die Zahl bei 17. Eine Erklärung sieht Höpflinger darin, dass in Ausserrhoden viele ausserkantonale Bewohner leben. Ein weiterer Grund ist die hohe Anzahl an Menschen, die trotz geringen Pflegebedarfs im Heim leben. Höpflinger: «Ein Viertel des Pflegebedarfs könnte reduziert werden.» Dies würde auch Kosten senken. «Wir haben genug Pflegebetten im Kanton, wenn sie nur von denen benutzt werden, die wirklich pflegebedürftig sind», sagte Weishaupt. Wie Walter Harzenetter, Heimleiter Bad Säntisblick in Waldstatt, und Steins Gemeindepräsident Siegfried Dörig zeigten, sind die regionalen Heime auf gutem Weg: «Altersheime werden zum Begegnungsort und zu belebten Zentren», so Harzenetter. In Stein ist der Bau eines Alters- und Pflegeheimes mit 42 Alterswohnungen geplant. In der Gemeinde gebe es wenige Wohnungen für Alte, so Dörig. Höflinger befürwortete den Weg, den Ausserrhoden geht und bemerkte: «Die Zeiten zum Altern waren noch nie so gut wie heute.»