Alt – aber nicht ohne Lebensträume

Diesen Freitag feiert der Dokumentarfilm «Falten» Premiere im Cinétreff in Herisau. Am Samstag wird die Produzentin Silvia Häselbarth zu Gast sein. Sie wollte ein Werk schaffen, bei dem man am Schluss sagen kann: «Ich will alt werden.»

Roger Fuchs
Drucken
Die fünf Protagonisten des Films «Falten»: Urs Wydler, Ruth Frey, Rita Maeder, Monica von Rosen, Fredy Frey. Hinter ihren Falten verbirgt sich ein langes Leben. Der Film dauert 90 Minuten. (Bild: pd)

Die fünf Protagonisten des Films «Falten»: Urs Wydler, Ruth Frey, Rita Maeder, Monica von Rosen, Fredy Frey. Hinter ihren Falten verbirgt sich ein langes Leben. Der Film dauert 90 Minuten. (Bild: pd)

HERISAU. Nach ihrem Erstlingswerk «Drei Brüder à la carte» bringt die Schweizer Filmemacherin Silvia Häselbarth einen neuen Dokumentarfilm ins Kino. Der Film mit dem Titel «Falten» setzt sich mit dem Thema des Altwerdens und Altseins auseinander. Fünf Frauen und Männer zwischen 68 und 83 Jahren nehmen die Zuschauer mit auf ihren Lebensweg. Dabei schildern sie, was ihr Leben geprägt hat, was sie bereuen und was sie nie vergessen werden. Und natürlich ist das Altsein Thema. Wie fühlt es sich an und warum lohnt es sich, alt zu werden? Diesen Samstag wird die Produzentin und Regisseurin Silvia Häselbarth der 17-Uhr-Vorstellung im Cinetreff Herisau beiwohnen.

Sommer statt Herbst und Winter

Alte Menschen werden gemäss Häselbarth oft dargestellt, als seien sie auf dem Abstellgleis. Und Alter werde gleichgesetzt mit Krankheiten und Gebrechen. «Ich hingegen wollte einen Film machen, bei dem man am Schluss mit einem guten Gefühl hinausgeht», sagt Häselbarth. Die Leute sollen sehen, dass man auch im Alter noch Träume, Bedürfnisse und eine Zukunft haben kann. Bewusst habe sie auch darauf geachtet, nur wenige Szenen im Herbst und Winter zu drehen. Sommer und Sonne hätten mehr Platz eingenommen.

Konkret zu Wort kommen werden im Film eine Lehrerin, eine Künstlerin, eine Bewegungspädagogin, ein Malermeister und ein Trödler. In einem Punkt sind sich gemäss Filmvorschau alle einig: Im Alter hat man die Freiheit, «nichts mehr zu müssen».

Silvia Häselbarth ist 50 Jahre alt. Eineinhalb Jahre hat sie am Film gearbeitet. Hatte sie früher Panik davor, bald fünfzig zu sein, so habe sie durch die vielen Interviews mit den Protagonisten gemerkt, dass ihr das ganze Leben noch zu Füssen liege. «Ich merkte, dass ich noch jung bin», so die Filmemacherin. «Das gab mir sogar den Antrieb zu sagen, jetzt fange ich endlich an, die Welt zu sehen.» Wie Silvia Häselbarth weiter ausführt, hat sie gleich ein Flugticket nach New York gekauft. Abflug ist Ende Monat Juni.

Das Winken des Vaters

Auslöser für den Dokfilm ist der Vater von Silvia Häselbarth. Dieser habe bei Abschieden die Angewohnheit, jeweils so lange nachzuwinken, bis man sich kaum mehr sehe. Bei einem dieser Abschiede ist es dann passiert: Spontan schoss Häselbarth der Gedanke durch den Kopf, dass es eines Tages nur noch Erinnerung sein werde, so wie ihr Vater dastehe und winke. «Da musste ich weinen», sagt sie. Und sie begann, sich mit dem Alter zu befassen. Gesprochen wird im Film «Falten» natürlich auch über den Tod. Silvia Häselbarth hat diesbezüglich ihre ganz eigenen Vorstellungen. «Wenn ich einmal sterbe, will ich zu den Zwergen gehen», sagt sie. Diese würden keinen Neid kennen, seien mit wenig zufrieden und immer füreinander da. Vorerst jedoch schaut sie mit Zuversicht auf die kommenden Jahre und freut sich auf die Filmpremiere.

«Falten» mit Anwesenheit der Produzentin/Regisseurin: Samstag, 13. Februar, 17 Uhr, Cinetreff Herisau. Premiere ist bereits am Freitagabend, 20 Uhr. Die weiteren Vorstellung: www.cinetreff.ch

Silvia Häselbarth Produzentin von «Falten» (Bild: pd)

Silvia Häselbarth Produzentin von «Falten» (Bild: pd)