ALPSTEINMILCH: «Appell an die Vernunft»

Unternehmer Markus Wetter wollte wissen, wie viel die hiesige Landwirtschaft den Konsumenten und Milchverarbeitern wert ist. In einem Pilotprojekt griff er tief in die Tasche.

Bruno Eisenhut
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Weidende Kuh im Alpstein. Für die Milch dieser Kühe gab's in diesem Sommer mehr Geld als anderswo. (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Weidende Kuh im Alpstein. Für die Milch dieser Kühe gab's in diesem Sommer mehr Geld als anderswo. (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Rund 25 Bauern bestossen im Sommer die Alpen im Alpsteingebiet. Die Appenzeller Milch AG hat in diesem Sommer rund 30 Prozent mehr für deren Milch bezahlt als andere Abnehmer. Mit diesem Projekt sollte der Milchpreiszerfall gestoppt werden, so der Inhaber der Firma, Markus Wetter. Jetzt wo die Bauern mit ihren Kühen wieder in das Tal kommen, kann ein erstes Fazit gezogen werden. Markus Wetter, die Appenzeller Milch AG hat diesen Sommer rund 30 Prozent mehr für die Milch aus dem Alpsteingebiet bezahlt. Wie ist dieses Projekt bei den Bauern angekommen?

Die Bauern wollten es zuerst kaum glauben, dass wir dem Milchabschlag nicht an sie weitergeben. Als sie dann im Detail aufgeklärt waren, kam das Projekt sehr gut an.

Markus Wetter, Geschäftsinhaber Appenzeller Milch AG

Markus Wetter, Geschäftsinhaber Appenzeller Milch AG

Wie viele Liter wurden zum höheren Preis bei der Appenzeller Milch AG angeliefert?

Während der gesamten Alpsaison waren es knapp 300 000 Liter Milch.

Sie beabsichtigten, die zusätzlichen Kosten ihren Kunden weiterzugeben, indem sie den Verkaufspreis nicht abgeschlagen haben. Waren die Kunden bereit, einen höheren Preis für «Alpenmilch» zu bezahlen?

Die Endkonsumenten haben den höheren Preis diskussionslos bezahlt. Schwieriger war es bei den Grosskunden und Grossverteilern, die haben ihre Strukturen und sind nicht bereit ohne Zusatznutzen mehr für ihre Rohstoffe bezahlen. Mir blieb also einzig und allein der Appell an die Vernunft und die Hoffnung auf eine grosse Portion Goodwill. Hier war der personelle Aufwand entsprechend gross.

Kommen die Bauern vom Alpstein auch im nächsten Jahr wieder zu einem höheren Milchpreis – sprich: Geht das Projekt weiter?

Das Projekt ist mit dem Ende des Sommers nicht abgeschlossen. Ich ziehe es weiter, auch durch den Winter. Solange wie möglich gebe ich keine Preisabschläge an die Bauern weiter.

Sie wollten mit diesem Projekt den Wert der Landwirtschaft eruieren. Ihr Fazit?

Das Projekt kostete mich über 30 000 Franken. Ich bin aber überzeugt, dass eine intakte Alpwirtschaft dem Appenzellerland volkswirtschaftlich weit mehr zurückgibt. Da ich aber nicht Geld drauflegen kann, hoffe ich, dass wir Kunden gewinnen konnten.