Abhängigkeit
«Beratungen zum Kokainkonsum haben zugenommen»: Beratungsstelle für Suchtfragen neu via Whatsapp erreichbar

Neu bietet die Ausserrhoder Beratungsstelle für Suchtfragen auch die Kontaktmöglichkeit via Whatsapp an. Damit soll eine jüngere Zielgruppe erreicht werden. Rund die Hälfte aller Anfragen kommt heute von 30- bis 50-Jährigen.

Ramona Koller
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Anfragen zum Thema Kokainkonsum haben im vergangenen Jahr zugenommen.

Anfragen zum Thema Kokainkonsum haben im vergangenen Jahr zugenommen.

Raphael Rohner

Die Beratungsstelle für Suchtfragen Appenzell Ausserrhoden erweitert ihr Angebot. Neu kann das Beratungsteam ab Januar auch via Whatsapp kontaktiert werden. Fragen zu Konsum, Abhängigkeit oder Suchtverhalten können anonym oder mit Name per Whatsapp eingereicht werden.

Mit dem Angebot hoffe man, auch eine jüngere Zielgruppe, Schülerinnen und Schüler, zu erreichen, erklärt Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung des Kantons. 14 Schnittstellen, darunter psychologische Fachpersonen, Schulen und Grundversorgung, wurden mit den neuen Infokarten mit der Whatsapp-Nummer bedient.

Nachfrage nach längerer Beratung gestiegen

Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Bild: PD

Nachdem die Anfragen 2020 und 2021, vermutlich wegen der Einschränkungen im Rahmen der Pandemie, zurückgegangen waren, haben sie 2022 deutlich zugenommen. «Die Klientinnen und Klienten hatten im 2022 das Bedürfnis, länger vom Beratungsprozess zu profitieren», so Meitz. Besonders stark gestiegen seien die Anfragen für Paarberatungen bei Suchtfragen. «Dies kann ein Paar sein, bei dem einer der Partner eine Suchtproblematik hat. Aber auch Eltern, die bei ihrem Kind ein Suchtverhalten bemerken. Halt einfach die Beratung zu zweit», erklärt Meitz.

Die Auswertung der Beratungen im vergangenen Jahr zeigt, dass der grösste Anteil der Anfragen mit 45 Prozent aus der Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen kommt. 20 Prozent der Anfragen entfallen auf die über 50-Jährigen und 18 Prozent auf die 20- bis 30-Jährigen. Jeweils drei Prozent der Anfragen kamen aus der Altersgruppe unter 20 und über 65 Jahre.

Mehr Anfragen zum Kokainkonsum

Beratungen zum Kokainkonsum sowie zu Designerdrogen haben zugenommen. Personen mit einem längeren Beratungsprozess waren überwiegend wegen Alkohol in der Beratung. Auch öffentliche Auftritte der Fachstelle wurden laut Meitz genutzt, um Einzelgespräche zu führen.

Bei knapp der Hälfte aller Anfragen, 45 Prozent, ging es um das Thema Alkohol. Cannabis belegt mit 19 Prozent den zweiten und Kokain mit 14 Prozent den dritten Platz. «Beim Kokainkonsum stellen wir eine enorme Steigerung fest», erklärt Meitz. Die Hemmschwelle, mit Drogen zu experimentieren und sich zu betäuben, sei gesunken. Zudem sei Kokain günstiger und leichter zugänglich geworden.

Kontakt zur Beratungsstelle für Suchtfragen

Telefonisch unter 071 791 07 40
Per E-Mail an suchtberatung@ar.ch 
Via Kontaktformular oder anonym als Onlineberatung über die Website www.sucht-ar.ch
Per Video mit Skype for Business oder Teams
Per Whatsapp unter 076 725 13 41

Die restlichen Anfragen entfallen auf Heroin/Opiatabhängigkeit und Verhaltenssucht/Spielsucht sowie Fragen zu Medikamenten, Tabak oder Designerdrogen. Zur Verhaltenssucht gehört dabei auch der Umgang mit dem Smartphone und allgemein das Spielverhalten mit Onlinegames.

Aufgrund von Zahlen des Bundes sowie aus der Berichterstattung von Pro Juventute wisse man, dass der Online- und Handykonsum seit der Pandemie enorm zugenommen hat. «Viele Jugendliche sowie Erwachsene haben sicher viel Geld in Games mit In-App-Käufen investiert, sich kommunikativ häufig auf Social-Media-Plattformen bewegt oder haben daraus ein Abhängigkeitspotenzial entwickelt», vermutet Meitz. Das Handy und der Onlinezugang seien für viele der Kanal gewesen, trotz der Coronaeinschränkungen, irgendwie in Verbindung zu bleiben oder sich in der Freizeit zu beschäftigen.

Unterstützung bei guten Vorsätzen

Trotz neu aufgekommener Suchtpotenziale halten sich Anfragen zum Thema Alkohol auf dem unrühmlichen ersten Platz. Zum «Dry January», also dem Vorsatz, den ganzen Januar über keinen Alkohol zu konsumieren, sagt Meitz: «Wir stehen damit nicht aktiv in Verbindung. Aber es wäre sicher eine gute Gelegenheit, sich beim Verzicht oder bei einer Konsumreduktion fachlich coachen zu lassen, egal, um welche Konsumform oder um welches Suchtthema es geht.» Im Januar würden oft neue Vorsätze gefasst. Die Beratungsstelle für Suchtfragen könne hier unterstützen.

Seit diesem Monat geht dies auch via Whatsapp unter der Nummer 076 725 13 41. Die Idee der Whatsapp-Beratung stamme von einer anderen Beratungsstelle, bei der das Angebot rege genutzt wird. Es sei der Ausserrhoder Beratungsstelle ein Anliegen, dass unterschiedliche Zugänge angeboten werden können. «Somit möchten wir auch Personen erreichen, welche nicht live in eine Beratung gehen möchten oder können, obwohl live immer noch eine sehr hohe Verständigungsqualität bietet», so Meitz.