15 Minuten Wartezeit wegen – was?

Es liegt wohl heutzutage in der Natur des Menschen, im Stress zu sein. Nichts ist ärgerlicher als eine Baustelle, ein Velofahrer, den man nicht überholen kann oder Bahnschranken, die immer gerade dann den Weg versperren, wenn man sowieso schon zu spät dran ist.

Martina Signer
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Mosnang: Die Baustelle ist weg, die Tafel warnt aber noch davor. (Bild: Jeannette Ringger)

Mosnang: Die Baustelle ist weg, die Tafel warnt aber noch davor. (Bild: Jeannette Ringger)

Es liegt wohl heutzutage in der Natur des Menschen, im Stress zu sein. Nichts ist ärgerlicher als eine Baustelle, ein Velofahrer, den man nicht überholen kann oder Bahnschranken, die immer gerade dann den Weg versperren, wenn man sowieso schon zu spät dran ist. Dieses Problem lässt sich umgehen, indem man immer genug Zeit einrechnet.

Nur noch an der Fasnacht

Dies kennen all jene, denen sich auf ihrem Arbeitsweg das eine oder andere Hindernis in den Weg stellt. Im Sommer sind es vorwiegend Strassensanierungen, welche sauer aufstossen. Meist sind diese aber mit dem ersten Schnee abgeschlossen oder kurz vor der Vollendung. Im Januar sieht man sie eher selten, die Bauarbeiter, die bei Regen und Wind mit ihren Kippladern unterwegs sind und die Schaufeln schwingen, auf dass die Autofahrer bald ohne nervendes Geruckel den Weg passieren können. Höchstens an der Fasnacht sind dann einige in orangefarbene und mit Leuchtstreifen ausgestattete Arbeitshosen gekleidet.

Sanieren, nicht nur flicken

Froh ist deshalb derjenige, der noch vor wenigen Wochen ständig Angst haben musste, dass die Ampel auf Rot steht, wenn er um die nächste Kurve biegt. Zum Beispiel auf dem Weg nach Libingen, wo zwischen Rafeldingen und Lindenboden Anfang Mai die Bagger aufgefahren sind, um die Strasse mal so richtig gründlich zu sanieren. Und nicht ständig mit neuen Flicken zu versehen. Da musste ab und zu gut und gerne mit einer ganzen Viertelstunde Wartezeit gerechnet werden. Lästig insbesondere dann, wenn die Strecke mehrmals am Tag unter die Räder genommen werden musste. Gut, dass auch für nicht Ortsansässige ein Schild im Dorfzentrum vor einer möglichen Verspätung warnte.

Mittlerweile gleiten die Räder der Fahrzeuge, welche die Libingerstrasse passieren, geschmeidig und ohne Geratter dahin. Seit Jahren war es nicht mehr so geräuschlos auf dieser Strecke. Die Fahrt geht vorbei wie im Tiefflug. Die Wartezeiten haben sich gelohnt, es macht richtig Freude, hier unterwegs zu sein. Doch die Tafel unter dem Wegweiser nach Libingen warnt immer noch vor Verspätungen.

Katzen und Zaunpfähle

Eine neue Art der Verkehrsberuhigung? Oder ein Geheimtipp? Weil es auf dieser Strecke so viel Schönes zu entdecken gibt? Ich muss es wissen, war dies doch jahrelang mein Schulweg. Da konnte es tatsächlich mal etwas länger dauern, bis ich die Zaunpfähle vom Ortsausgangsschild bis zum Schweinestall gezählt hatte. Oder die Blümchen im Riet zwischen Rafeldingen und dem Schwellhölzli betrachtet hatte. Und auch war es immer spannend, die Katzen zu beobachten, die eifrig und starr vor Konzentration in den Wiesen auf ihre Beute warteten. Diese 15 Minuten Verspätung habe ich mir bei schönem Wetter gerne genommen. Das kann ich nur weiterempfehlen. Auch ohne Baustelle.