Edgar Oehler kaufte so viele FCSG-Aktien wie nur möglich

FC ST.GALLEN ⋅ Edgar Oehler hält mit 24,39 Prozent bei der FC St.Gallen Event AG neu das grösste Aktienpaket. Im Interview spricht er über seine regionalpolitische Mission - und darüber, wie er zu Präsident Stefan Hernandez steht.
14. November 2017, 15:03
Adrian Lemmenmeier

Herr Oehler, der FC St. Gallen durchlebt eine schwierige Zeit. Dennoch haben Sie Ihren Aktienanteil verdoppelt. Wieso?
Mein Engagement beim FC St.Gallen geht weit zurück. Bereits 1989 habe ich beim FC St.Gallen Löhne aus dem eigenen Sack bezahlt, damit es keine Probleme mit dem Verband gab. Später habe ich mich für die Arena eingesetzt und wieder selber viel Geld investiert. Als jetzt klar wurde, dass Dölf Früh seine Aktien abgibt, habe ich von meinem Bezugsrecht Gebrauch gemacht. Ich sagte: Alles, was ich kaufen kann, kaufe ich.

Mit über 24 Prozent der Aktien sind Sie bei der Event AG nun der starke Mann. Sie hätten aber auch mehr Aktien gekauft?
Ja, wenn es möglich gewesen wäre.

Weshalb engagieren Sie sich so stark beim FC St.Gallen?
Als Rheintaler wurde ich in Bern im Nationalrat stets belächelt. «Halbwilde» hat man uns aus der Ostschweiz genannt. Ich will immer wieder daran erinnern, dass wir in der Ostschweiz auch jemand sind.

In Bezug auf den FC St.Gallen hat man lange nichts von Ihnen gehört.
Noch bevor Dölf Früh krank wurde, habe ich mit ihm bei einem Mittagessen abgemacht, dass ich mich aus der Öffentlichkeit zurückziehe. Seither habe ich mich nicht ein einziges Mal in den Medien geäussert. Nun ist Dölf Früh krankheitshalber ausgetreten – und ich melde mich wieder zu Wort.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Früh?
Ich kenne ihn sehr gut. An der Generalversammlung der FC St.Gallen AG am Montagabend habe ich etwas verpasst: Als Stefan Hernandez Dölf Früh den Dank aussprach, hätte ich aufstehen und fordern sollen, dass alle Leute im Saal auch aufstehen. Früh hätte dieses Zeichen verdient gehabt.

An der Generalversammlung waren auch kritische Stimmen zu vernehmen. Michael Hüppi etwa sagte, beim FC St.Gallen stimme die Unternehmensführung nicht. Teilen Sie diese Ansicht?
Ich bin absolut einverstanden, dass jetzt externe Verwaltungsräte eingesetzt werden müssen. Es braucht in diesem Gremium dringend unabhängige Leute, die nicht operativ im Verein tätig sind und eine gesunde Distanz zum Geschäft haben.

Auch Kleinaktionäre haben sich kritisch geäussert. Gegen Präsident Hernandez und vor allem gegen Ferruccio Vanin gab es Protestvoten.
Das stört mich nicht. In einem Verein ist es völlig normal, dass es Gegenstimmen gibt. Auch der Papst wird nicht einstimmig gewählt. Für mich ist es wichtig, dass das Image des Vereins stimmt, dass es keine Rangeleien gibt und dass nun endlich Ruhe einkehrt.

Ist Stefan Hernandez der richtige Mann, um diese Ruhe in den Verein zu bringen?
Als Dölf Früh krank wurde, hat er mich informiert, dass er Hernandez zum Nachfolger machen wolle. Ich stehe hinter Frühs Entscheidung – und somit stehe ich voll hinter Stefan Hernandez. Sonst hätte ich mein Aktienpaket nicht verdoppelt.

Ein Kleinaktionär hat an der Generalversammlung bemängelt, dass die Verwaltungsräte der FC St.Gallen AG allein von der Event AG bestimmt würden. Die kleinen Aktionäre hätten im Verwaltungsrat keine Stimme.
Beim FC St.Gallen kann jeder seine Meinung anbringen. Schauen Sie sich die anderen Clubs an. Bei denen geht es bei Weitem nicht so demokratisch zu und her. Wenn aber alle mitreden, lässt sich ein Fussballverein nicht führen. Fussball ist eine sehr subjektive Sache. Allzu demokratisch kann man strategische Entscheide im Sport nicht fällen.

Der FC St. Gallen hat im letzten Jahr über 2,5 Millionen Verlust gemacht. Die laufende Saison sei finanziell gesichert, sagte Finanzchef Roth an der GV. Wie es danach ausschaue, werde man sehen. Haben Sie Angst, dass der FC St.Gallen mittelfristig wieder in finanzielle Schwierigkeiten gerät?
Nein, diese Angst habe ich nicht. Ob wir finanziell erfolgreich sind, hängt mit der sportlichen Leistung zusammen. Als Aktionär mische ich mich aber in sportliche Fragen nicht ein. Letztlich geht es mir auch nicht um das Geld. Ich betreibe Regionalpolitik: Die Ostschweizer sind auch jemand – das will ich der Schweiz mit meinem Engagement zeigen. 

Zur Person

Edgar Oehler war von 2003 bis 2011 Präsident und Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Arbonia-Forster-Gruppe (AFG) – jener Firma, die dem 2008 in Betrieb genommenen Stadion des FC St.Gallen bis 2016 seinen Namen gab. Oehler engagiert sich seit Langem beim FC St. Gallen. Von 1971 bis 1995 sass er für die CVP im Nationalrat. (al)


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