Talentiert auch mit dem Mikrophon

Mirena Küng belegt im zweiten Training zur morgigen Weltcup-Abfahrt in St. Moritz den 15. Platz. Für die 23jährige Appenzellerin ist das ein Erfolg. Küngs Geschichte abseits des Skizirkus ist eine spezielle.
27. Januar 2012, 01:06
JÜRG SIGEL/ST. MORITZ

SKI ALPIN. Ihre Karriere war eigentlich schon in jungen Jahren beendet. Mirena Küng wollte vor acht Jahren das Sportgymnasium Davos besuchen. Weil die zehnköpfige Familie die Kosten aber nicht aufbringen konnte und der Kanton damals noch keine Gelder beisteuerte, platzte der Traum. Küng hörte mit dem Rennsport auf. War sie auf den Pisten, dann nur noch zum freien Skifahren.

2007 geschah dann, was nie geplant war. Kaum hatte Küng das Gymnasium in Appenzell mit der Matura abgeschlossen, riet ihr ein ehemaliger Trainer, doch wieder in den Skirennsport einzusteigen. «Zuerst sagte ich: Spinnst du. Dann befolgte ich den Rat doch», so Küng. Vor einem Jahr liess sie erstmals aufhorchen. Obwohl die Ostschweizerin noch keinem Swiss-Ski-Kader angehörte, gewann sie im österreichischen Bad Kleinkirchheim die Europacup-Abfahrt.

Auftritte in Japan und China

Weiter als im Skirennsport war Küng zu jenem Zeitpunkt jedoch anderweitig. «Seit meinem fünften Lebensjahr spielt Musik für mich eine grosse Rolle», sagt die heute 23-Jährige. Sie nahm als kleines Mädchen Violin- und Hackbrett-Unterricht, seit einigen Jahren gehört sie zur Formation «Geschwister Küng». Diese spielt traditionelle Musik sowie unter anderem osteuropäische Volksmusik. Aber auch klassische Werke sind dabei. Die Formation gab Konzerte in der Schweiz, an der Weltausstellung im deutschen Hannover, zweimal in Japan und in China. Im September 2003 siegten die «Geschwister Küng» am Eidgenössischen Ländlermusikfest in der Kategorie Nachwuchs.

«Die Geige habe ich am Ski-Weltcup in St. Moritz nicht dabei», sagt Küng auf ihre Passion angesprochen. Der Musik widmet sie sich während des Winters nur beschränkt.

Schon vier CDs auf dem Markt

Auch wenn es im Winter etwas ruhiger um das Ensemble ist, es hat einen weitreichenden Bekanntheitsgrad erlangt. Die Auftritte sind gefragt, Die Tonträger verkaufen sich gut. «Ich verdiene mit der Musik Geld», sagt Küng. Vier CDs sind bisher erschienen: «Geschwister Küng», «Gruss aus Appenzell», «Wintergeflüster» und 2011 «Nüdallgraaduus».

Geradeaus fuhr Küng gestern in St. Moritz im zweiten Abfahrtstraining auf Rang 15. «Diese Leistung will ich morgen im Rennen bestätigen.» Damit wären ihr vor heimischem Publikum Weltcup-Punkte zum drittenmal in dieser Saison gewiss. In St. Moritz war Küng zwar schon Vorfahrerin, ein Weltcuprennen bestritt sie aber noch nie.


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