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Appenzeller Zeitung
24. Juli 2012, 01:34 Uhr

Mittel-Thurgau-Bahn ist wieder da

WEINFELDEN. Der Triebwagen Nummer 12 mit dem Weinfelder Wappen war vierzig Jahre lang ein Arbeitstier. Er zog Personen- und Güterzüge. Viereinhalb Millionen Kilometer hat er zurückgelegt. Nun hat der Verein «Historische MThB» den Wagen wieder verkehrstauglich gemacht.

MICHAEL MENTE

Mit ihrem zeitlosen Design der 1960er-Jahre galten die Triebwagen der MittelThurgau-Bahn (MThB) als Inbegriff des Fortschritts. Waren sie auch nicht als Hochleistungstriebwagen konzipiert, wurde ihnen doch während gut vierzig Jahren im Personen- und Güterverkehr viel abverlangt.

Mit dem Niedergang der MThB Anfang der 2000er-Jahre verschwanden die Fahrzeuge aus ihrer Heimat. Nun steht nach einer Aufarbeitung durch den Verein «Historische MThB» der Triebwagen ABDe 4/4 Nummer 12 «Weinfelden» für Fahrten wieder bereit.

Arbeitstiere der MThB

Man sieht dem prächtig renovierten Fahrzeug die rund 4,5 Millionen Kilometer Laufleistung seiner Aktivdienstzeit nicht an. Einst waren diese ABDe-4/4-Triebwagen die Stütze und regelrechte Arbeitstiere der ehemaligen MThB. Man erinnert sich etwa an die schweren Ölzüge auf der MThB-Strecke, denen auch Triebwagen vorgespannt waren. Noch lange Jahre wurden den Personenzügen, die an jeder Station halten und anfahren mussten, bis an die Lastgrenze auch Güterwagen mitgegeben. Mit der Einführung des «Seehas» und der Übernahme der Seelinie wurde ihr Einsatzhorizont sogar noch einmal gründlich erweitert.

Identitätsträger erster Güte

Nur logisch, dass der Wunsch bestand, einen Triebwagen aus dieser Epoche, der viele Jahre das Bild im mittleren Thurgau prägte, der Nachwelt zu erhalten. Die Nummer 12 ist ein Schmuckstück der Thurgauer Bahngeschichte und ein Identitätsträger erster Güte. Nachdem die Thurbo dem Verein den Triebwagen geschenkt hatte, ging es an die Arbeit. Willy Hug, Hanspeter Schneider, Thomas Schmidt, Markus Rickenbacher und andere Mitglieder des Vereins wissen ein Lied davon zu singen, was nun folgte. In ungezählten Freizeitstunden passten die Männer das technische Innenleben neuen Anforderungen an. Damit das Fahrzeug wieder auf die Strecke darf, war etwa der Einbau der Zugsicherung vonnöten. Es war auch hier Projektleiter Ruedi Signer, der seine Fühler schweizweit ausstrecken und Beharrlichkeit an den Tag legen musste. Dank seiner Beziehungen zum Malermeisterverband arbeiteten in Rorschach 17 Malerlehrlinge schleifend und spachtelnd am Wagen. Weitere Unternehmen aus der Region beteiligten sich mit Naturalleistungen oder dem Verrichten von Arbeiten in ihren Werkstätten. Nach drei Jahren ist es so weit. Die Nummer 12 mit dem Weinfelder Wappen darf jetzt schweizweit fahren.



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