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Tagblatt Online, 7. August 2012, 11:18 Uhr

Ohne Schwimmweste lauert der Tod

Frau ertrinkt im Rhein Zoom

Vorsicht Wiffe: Dieses Schlauchboot ist bei Diessenhofen im Hochrhein unterwegs. (Bild: Reto Martin)

Bei Diessenhofen kollidierte bereits vor zehn Tagen ein Boot mit einer Wiffe – und am Wochenende passierte wieder ein tragischer Unfall. Die Seepolizei empfiehlt, im Rhein in Ufernähe zu bleiben und eine Schwimmweste zu tragen. 90 Prozent der Schlauchbootfahrer tun das nicht.

INGE STAUB

«Das ist sehr tragisch.» Urs Eberli, Chef der Seepolizei Thurgau, ist betroffen von dem Unglück, das sich am Freitagabend auf dem Rhein bei Diessenhofen ereignete. Der genaue Unfallhergang wird nun von der Kantonspolizei Thurgau geklärt. So viel steht fest: Das mit zehn Personen besetzte Schlauchboot ist mit der Wiffe 63 kollidiert. Neun Personen können sich ans Ufer retten, eine 41jährige Frau kommt zu Tode. Sie hatte weder eine Rettungsweste an noch eine bei sich. Ob sie ertrunken oder an einer Verletzung gestorben ist, steht noch nicht fest. Auch die neun Überlebenden trugen mehrheitlich keine Schwimmwesten.

Das Boot sei – wie Urs Eberli sagt – «in Ordnung» gewesen. Die Familie war mit einem sehr strapazierfähigen ehemaligen Militärboot unterwegs, dessen Nutzlast 2,5 Tonnen beträgt. «Das wurde nicht überschritten. Das Boot war nicht überladen», betont Eberli. Erst vor zehn Tagen ereignete sich am selben Flussabschnitt ein ähnlicher Unfall. Auch in diesem Fall kollidierte ein Bootsführer mit einem Fahrwasserzeichen. Den Insassen gelang es, ans Ufer zu schwimmen. Die Polizei nannte als Unfallursache, dass der Bootsführer zu spät realisiert hätte, dass sich sein Boot einer Wiffe nähere. Er konnte nicht mehr ausweichen.

Viele sind unachtsam

Auch in den vergangenen Jahren rammten immer wieder Boote Schifffahrtszeichen zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. «Vielfach unterschätzen die Bootsführer die starke Strömung im Rhein», erklärt Urs Eberli. Plötzlich würde die Wiffe vor dem Boot auftauchen, so dass es kaum mehr möglich sei, auszuweichen. Wenn dann noch Unachtsamkeit mit im Spiel sei, passiere schnell ein Unfall. «Der Rhein ist generell wegen seiner starken Strömung gefährlich», warnt Urs Eberli. Er und sein Team machen deshalb Freizeitkapitäne jeden Sommer auf die Risiken aufmerksam, die sie eingehen. Vor allem weisen sie darauf hin, dass Bootsführer zu Wiffen und Schiffen genügend Abstand einhalten sollten. An den stark frequentierten Einstiegsstellen machen Warntafeln auf die Gefahren im Hochrhein aufmerksam.

Auf wenig Beachtung stösst die Empfehlung der Polizei, eine Schwimmweste anzulegen. Wie Urs Eberli sagt, sind 90 Prozent der erwachsenen Schlauchbootfahrer ohne Schwimmweste unterwegs. Auch empfiehlt die Seepolizei, Paddel mitzunehmen. «Wer im Paddeln nicht geübt ist, sollte dies in einem See üben, wo es keine Strömung hat», legt Urs Eberli Bootsfahrern ans Herz.

Generell empfiehlt Eberli: Wer mit einem Ruder- oder Schlauchboot auf dem Rhein unterwegs ist, sollte in Ufernähe bleiben und zusehen, dass er nicht ins Fahrwasser der Kursschiffe und Motorboote gerät. Auch Ortskenntnisse schützen nicht vor Unfällen. Die Familie, die am Freitag mit einer Wiffe kollidierte, kannte offenbar den Fluss. Nur wenige Kilometer von der Unfallstelle entfernt im zürcherischen Stammertal zu Hause, war sie offenbar regelmässig auf dem Rhein unterwegs.

Schwellen in der Thur

Auch das Bootsfahren auf Thur und Murg ist nicht ungefährlich. Auf der Thur können kleine Wasserfälle und Schwellen zum Problem werden. Für die Rettungsmannschaften ist es viel schwieriger, in Not geratene Personen aus der Thur zu retten, da gefährliche Stellen meist nicht mit dem Boot angefahren werden können. Die Kantonspolizei Thurgau hat sich deshalb ein neues Gerät zugelegt, mit dem Gekenterte über eine Seilbahn gerettet werden können.



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