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Tagblatt Online, 11. August 2012, 01:35 Uhr

Frisch, aber ohne Überraschung

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Anna Waibel und Elia Rediger von The bianca Story feuern das Publikum an: «Freak out! Freak out! Freak out!» Und es flippt aus. (Bild: Dieter Langhart)

Die schwedische Rockband Mando Diao sorgte am «festival» in Schaffhausen für ein rockiges Hörerlebnis. Die Band präsentierte sich gewohnt energiegeladen und frisch, obwohl die gespielten Songs das längst nicht mehr sind.

STEPHANIE MARTINA

SCHAFFHAUSEN. Der Auftritt begann ungewohnt. Statt auf einen wie üblich rockigen und mitreissenden Start setzte Mando Diao diesmal auf ganz leise Töne. Mit dem Keyboard-Solo von Mats Björke waren die feinen Töne dann aber auch schon abgehakt, es sollten die letzten des Abends gewesen sein. Schon beim ersten Song war kaum zu überhören, dass es die Band genoss, nach ihrer ausgedehnten Unplugged-Tour nun endlich wieder die E-Gitarren hervorzunehmen. Mit «God Knows» überzeugten die Schweden gleich zu Beginn, zumal der Song auf alles setzt, was Mando Diao seit Jahren auszeichnet: die kraftvollen Männerstimmen von Gustaf Norén und Björn Dixgård, mitreissende, rockige Arrangements mit viel Melodie, lautes Gitarrenspiel.

Setzen auf Altbewährtes

Mando Diao gab sich frisch, obwohl die Lieder es längst nicht mehr sind. Zuletzt veröffentlichte die Band Anfang 2009 das Album «Give Me Fire». Seither sind zwar ihr Unplugged-Album «MTV Unplugged – above and beyond» sowie ein «Greatest Hits»-Album erschienen, doch auf beiden Veröffentlichungen fanden kaum neue Songs Platz.

Auch an diesem Abend konnte Mando Diao nichts anderes tun, als auf die altbewährten Songs zu setzen. Zu ihrem Glück funktioniert das immer noch hervorragend. So spielten sie Stücke wie «Mr Moon», «All My Senses», «Down in the Past» oder «You Can't Steal My Love». Obwohl all diese Songs nach wie vor gern gehörte Nummern sind, wäre wohl der eine oder andere Open-Air-Besucher gerne auch mit etwas Neuem überrascht worden.

Endlich kommt Gloria

Das Publikum auf dem Herrenacker musste sich über eine Stunde gedulden, bis die Band endlich zu einem ihrer ganz grossen Hits ansetzte. Es schien, als ginge eine Welle der Erleichterung durch die Zuhörer, als die ersten Töne von «Gloria» aus den Lautsprechern schallten. Sofort entfachte sich die Stimmung, die zwischenzeitlich ein wenig abgeflacht war. Die Menge tanzte, liess sich mitreissen und sang immer wieder lauthals «Gloria!». Es war der letzte Song der eigentlichen Setlist. Doch damit wollten sich die Zuhörer nicht zufriedengeben, denn jeder wusste: Noch fehlte der zweite, grosse Erfolgssong der Schweden. Auf «Dance with Somebody» wollte niemand verzichten. Die Band kam zurück, spannte ihre Fans aber weiter auf die Folter.

Nackte Oberkörper

«This song is for Syria», sagte Gustaf Norén und stimmte mit der Mundharmonika das Lied «If I Don't Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow» an, während im Publikum sofort die Feuerzeuge gezückt wurden. Die Geste war passend, wenn auch kurz und durch Björn Dixgårds neuerdings entblössten Oberkörper etwas seltsam.

Dennoch tat es Norén nun Dixgård gleich und befreite sich ebenfalls von seinem Hemd. Ab diesem Punkt war die Band wie ausgewechselt. Zwar spielte sie endlich den Song «Dance With Somebody», womit sie das Publikum in einen wahren Rausch versetzte, doch die Band wirkte, als wüsste sie nicht, was sie mit der freigesetzten ungeheuren Energie anfangen sollte. Wie übermannt von der kraftvollen Musik, dem Blitzgewitter der Scheinwerfer und der jubelnden Menge begannen sie, die Mikrophonständer umzuwerfen, die Mikrophone durch die Luft zu wirbeln und das Bier aus ihrem Mund in die Luft zu spritzen, ähnlich wie es auch Delphine tun. Der Höhepunkt war erreicht, als Norén eine halbleere Bierdose ins Publikum warf. Der Grossteil der Fans störte sich jedoch nicht daran. Man verzieh ihnen, dass sie sich nach eineinhalb Stunden nicht mehr ganz unter Kontrolle hatten. Und vielleicht machten auch genau diese Dinge das Konzert, das keine neuen Songs bot, den Abend doch zu etwas Besonderem.

Sa, 11.8., 18.45: Knackeboul, Neckless, Pablopolar, Bligg/Youngblood Brass Band. www.das-festival.ch


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