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Tagblatt Online, 6. Juli 2012, 08:19 Uhr

Die Lust am Spiel

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Der Bären wilde Wohnung: Co-Produktion Stadttheater Schaffhausen und Theater Konstanz. (Bild: Bilder: Zsigmond Toth)

SCHAFFHAUSEN. Schaffhausens Theater lässt im Grenzbereich zwischen Schaffhausen und Konstanz spielen.

DIETER LANGHART

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Schillers Worte aus der «Ästhetischen Erziehung des Menschen» stellt das Stadttheater Schaffhausen der kommenden Spielzeit voran. Denn um die Lust am Spiel und die Freude an theatraler Verwandlung geht es dem Gastspielhaus am Herrenacker, um Intrigen und Verwechslungen, Hochstapelei und riskante Manöver.

Erste Uraufführung

Gastspielhaus? Nicht mehr nur, denn erstmals in seiner Geschichte präsentiert das Stadttheater eine Uraufführung. Lukas Linder, erfolgreicher Schaffhauser Theaterautor («Die Trägheit»), hat ein neues Stück geschrieben, das am 20. Oktober Premiere hat.

Sagen Sie, ist das in der Schweiz üblich, dass man Kindern in den Hintern tritt? – Ja. – Interessant. So was kenn ich aus Deutschland gar nicht. Und wo kommt das her? – Aus der Hüfte. – Interessant. Dieser Dialog aus der ersten Szene gibt den Ton an in «Der Bären wilde Wohnung», einer tiefgründigen Komödie über Deutsche und Schweizer. Die Co-Produktion mit dem Theater Konstanz spielt im Grenzbereich zwischen Schaffhausen und Konstanz und ist auch in der Spiegelhalle zu sehen.

Sommernachtstraum original

Mit einer weiteren Uraufführungsproduktion wartet Schaffhausen auf: «Münchhausens Enkel» von Urs Widmer, das vom Zür- cher Rigiblick- über Steckborns Phönix-Theater erneut an den Rhein kommt (25./26.3.). Daneben sind in der Sparte Schauspiel wie gewohnt auch klassische Stoffe zu sehen von Schiller, Sartre, Tschechow. Und zum zweitenmal gibt's das kleine English Theatre Festival, an dem unter anderem Shakespeares «A Midsummer Night's Dream» gezeigt wird – in der umjubelten Londoner Inszenierung des Filter Theatre & Lyric Hammersmith (7./9.3.).

Nur zwei Uraufführungen in Schaffhausen? Mitnichten. In der Sparte Musiktheater bringt Tausendsassa Jürg Kienberger und das Atlantic-Jazz-Orchester «Novecento» auf die Bühne, Alessandro Bariccos legendären Roman vom Klavier spielenden Findelkind (24./25.9.). Und erstmals spannen die Sinfonietta Schaffhausen und die Cinevox Junior Company zusammen für «La dolce vita» (27.2.). Für den Saisonabschluss schliesslich gastiert, nach langem Unterbruch, wieder das Opernstudio Zürich in Schaffhausen mit Bernsteins Kammeroper «Trouble in Tahiti» (23.5.).

Dazwischen gestreut sind im Mehrspartenhaus Musicals wie «Der Zauberer von Oz» und Opern wie Verdis «Rigoletto», Spassig-Hintergründiges mit Alfred Dorfer, Ursus & Nadeschkin, Andreas Thiel und Gerhard Polt. «Kabarett zieht», sagt Gesamtleiter Jens Lampater, Schauspiel und Musiktheater «laufen harzig».

«Demographische Realitäten»

Mit dem Wahl-Abo soll das Stadttheater Schaffhausen für jüngere Besucher attraktiver werden (bei dem auch die iPhone-App ankomme), Schulen werden gezielt angesprochen, mehr Karten gelangen in den freien Verkauf. Bringt das ausreichend Publikum, kann das Stadttheater ans Rekordjahr 2009/10 anknüpfen? Jens Lampater verweist auf «demographische Realitäten», sprich Rückgänge bei den Abozahlen. Nach der relativ unausgewogenen, weil rasch geplanten Programmierung der vergangenen Spielzeit hat er das Angebot nicht ausgedünnt, aber stärker auf das Motto ausgerichtet. Im Sommer wird zudem das Foyer umgebaut.

Die Preise bleiben, ebenso die Gestaltung von Programmheft und Plakaten, die vor einem Jahr weitherum für Aufsehen und Lob gesorgt haben.

Neue Plakate

Die fotografischen Plakate werben wieder zweifach für die Produktionen: das ganze Motiv als Teaser, später das geteilte und gespiegelte Bild samt Titelei und Spieldaten. Vor einem Jahr hat die St. Gallerin Tine Edel die Bilder geliefert, neu stammen sie vom Zürcher Zsigmond Toth. Und während sie im letzten Heft zum entdeckerischen Aufreissen bereitlagen, sind sie nun als Hochglanzseiten an den Anfang gestellt.



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