Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 25. Juni 2012, 01:08 Uhr

«Das Kunstbuch hat Zukunft»

Zoom

Fast wie im Schwarzwald: Verlagsleiterin Cornelia Mechler fühlt sich im Thurgau richtig zu Hause. (Bild: Martin Preisser)

Seit März ist Cornelia Mechler Verlagsleiterin der beiden Marken Benteli und Niggli in Sulgen, die inzwischen zu einem Verlag vereint sind. «Verjüngung» ist ein Ziel der strategischen Ausrichtung des neuen Doppelverlags.

MARTIN PREISSER

SULGEN. Rund sechshundert lieferbare Titel haben die Verlage Benteli und Niggli jeweils momentan im Angebot. «Wir profitieren von der Tradition, wollen uns in Zukunft aber auch verjüngen», sagt Cornelia Mechler, mit 35 Jahren eine junge Verlagsleiterin der alteingesessenen Buchverlage. Seit März führt sie Benteli und Niggli, die zwar zu einem Verlag fusioniert wurden, deren Eigennamen aber bestehen bleiben. Und es ist ihr Traumjob: «Hier in Sulgen zu arbeiten, ist für mich wie nach Hause kommen», sagt die gebürtige Schwarzwälderin. Die Landschaft im Thurgau erinnere sie an ihre Heimat.

Das Kunsterlebnis daheim

Vor Sulgen war Cornelia Mechler als Lektoratsassistentin beim Piper Verlag in München. Da sei alles recht hierarchisch organisiert gewesen, erinnert sie sich, und: «Mit den Romanen und mir hat es nicht funktioniert.» Als studierte Kunsthistorikerin ist sie bei Benteli und Niggli jetzt wieder viel mehr in ihrem Element und liebt die Arbeit im überschaubaren Rahmen. «Das Kunstbuch hat Zukunft», sagt sie. Cornelia Mechler mag das haptische Erlebnis an einem guten Kunstbuch, mag das «Kunsterlebnis zu Hause».

Die klassischen Kunstbücher bei Benteli laufen gut, auch die Ausstellungskataloge. Hier bedauert Cornelia Mechler allerdings, dass immer mehr Schweizer Museen der Kosten wegen mit deutschen Verlagen zusammenarbeiteten.

Weiterhin hohe Qualität

Die Philosophie des Benteli-Verlags will Mechler weiterführen. Heisst: Starker Schweiz-Bezug, aber auch die Präsentation ausgefallenerer Kunstpositionen. Kunst oder Fotografie: Benteli setzt weiter auf hohe Qualität mit sorgfältigem Papier, mit Raffinessen wie Papierwechsel innerhalb des Buches und vor allem auf gute Zusammenarbeit mit hervorragenden Grafikern. Rechne man alle Qualitätsmerkmale eines guten Kunstbuches zusammen, findet Cornelia Mechler den Preis, den man heute dafür zahlen müsse, nicht zu hoch.

Bei den reinen Kunstbüchern ist E-Book kein Thema, bei den textlastigeren Publikationen denkt das elfköpfige und insgesamt recht junge Verlagsteam von Benteli und Niggli über den neuen Trend konkret nach. Privat sammelt Cornelia Mechler Bilderbücher – aus aller Welt. Von da ist der Schritt zum Kunstkinderbuch nicht weit. Das ist ein neues Segment im Benteli-Verlag. Letztes Jahr mit einem Kinderbuch über die Mexikanerin Frida Kahlo, dieses Jahr mit einem über den Maler Edvard Munch. Wie ist sein «Schrei» entstanden?, fragt dieses Buch kindgerecht.

Überleben in der digitalen Welt

Insgesamt ist eine Verjüngung des Sortiments geplant, und für beide Verlage wird im Sommer über neue Strategien diskutiert. Die Wettbewerbsfähigkeit und das Überleben in der digitalen Welt sind Themen, mit den sich auch Traditionsverlage genau auseinandersetzen müssen. Auf Twitter und Facebook sind die Verlage Benteli und Niggli selbstverständlich präsent, privat nimmt Cornelia Mechler solche Social Medias aber bewusst nicht in Anspruch.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Tippen & Gewinnen

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg