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Tagblatt Online, 9. August 2012, 01:34 Uhr

Seltene Winzlinge jagen am Ufer

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Die kleinste Fledermausart Europas: Mückenfledermäuse wiegen nur ein paar wenige Gramm. (Bild: Wolf-Dieter Burkhard)

In der Schweiz sind nur wenige Quartiere von Mückenfledermäusen bekannt. Eines befindet sich in Romanshorn. Forscher haben sich auf die Spur der Winzlinge während ihrer nächtlichen Ausflüge gemacht.

MARKUS SCHOCH

ROMANSHORN. Für die Aufzucht ihrer Jungen und als Rückzugsort während des Tages haben sich die seltenen Mückenfledermäuse in Romanshorn schon vor Jahren ein relativ neues Einfamilienhaus ausgesucht. In der Kolonie mit 200 bis 300 Tieren leben auch Zwergfledermäuse, mit denen die Mückenfledermäuse verwandt sind.

Der Hausbesitzer hat sich mit den nachtaktiven Winzlingen arrangiert, von denen er nicht viel mitbekommt. Er kennt zwar die Ein- und Ausflugsstellen, das Schlafquartier hinter der Dachuntersicht hat er aber noch nie zu Gesicht bekommen.

«Man sieht von aussen nichts, und es gibt kaum Dreck», sagt der Mann, der anonym bleiben möchte, damit seine Adresse nicht bekannt wird. Nur manchmal liege Kot auf dem Fenstersims. «Doch damit kann ich gut leben.» Den Fledermäusen ist er sogar dankbar. Seit sie da seien, habe er viel weniger Probleme mit Spinnen an der Fassade. Möglicherweise würden ihnen die fliegenden Kleinsäuger die Nahrung wegschnappen, vermutet der Hausbesitzer. Wichtige Beutetiere der Mückenfledermaus sind Zuckmücken, Bartmücken und Eintagsfliegen.

Peilsender lüften Geheimnis

Das Wissen über die bevorzugten Jagdgebiete der Mückenfledermäuse ist sehr lückenhaft. Um mehr darüber zu erfahren, haben sich Wolf-Dieter Burkhard von der Thurgauischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Landschlacht und der Biologe René Güttinger aus Nesslau auf die Spuren der fliegenden Kleinsäuger gemacht.

Dazu fingen sie im Mai und im Juli 2009 einzelne Tiere ein und befestigten auf deren Rücken einen Peilsender. Die Ergebnisse der Beobachtungen sind in den neusten Mitteilungen der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft veröffentlicht.

Auf der Jagd über Flachwasser

Die Tiere jagten sowohl im Frühling als auch im Sommer bevorzugt im Bereich der Flachwasserzonen bei den Hafenanlagen und Siedlungen. Sie suchten jedoch nicht nur über dem offenen Wasser nach Insekten, sondern auch im Vegetationsgürtel am Ufer. Dabei seien sie mitunter bis über die Baumkronen geflogen, berichten Burkhard und Güttinger. Auf dem Weg zum See waren die Fledermäuse mit bis zu 35 Stundenkilometern unterwegs.



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