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Tagblatt Online, 14. Juli 2012, 18:52 Uhr

«Ich wollte mein Amt bereits abgeben»

Salmsach TG , 09.07.2012 /   Gemeindeammann von Salmsach ist von seinem Burn out zurueck an seinem Arbeitsplatz . Bild: Donato Caspari Zoom

Gemeindeammann Kurt Helg studiert in seinem Büro die Akten. (Bild: Donato Caspari)

Der Salmsacher Gemeindeammann Kurt Helg ist von seiner Auszeit an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Er setzte knapp drei Monate wegen eines Burn-outs aus. Ganz wohl fühlt er sich aber noch nicht.


Herr Helg, Sie haben sich wegen eines Burn-outs eine knapp dreimonatige Auszeit genommen. Wie geht es Ihnen heute?

Kurt Helg: Ich fühle mich noch nicht ganz wohl. Ich habe teils Schweissausbrüche oder mich plagt Müdigkeit. Aber vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich keine Medikamente mehr nehme.

Sie starten im Amt momentan mit 50 Prozent, wie man hört?

Helg: Ich arbeite jetzt voll. Ob ich das vertrage, wird sich zeigen. Aber vielleicht bin ich etwas zu forsch wieder gestartet.

War Ihre Auszeit denn zu kurz? Sie haben ja extra um drei Wochen verlängert.

Helg: In diesen drei Wochen ging ich in eine Kur im deutschen Winterberg. Zuerst habe ich mit meinem Psychologen geplant, dass ich mich selber kurieren kann. Wir haben gedacht, mit genügend Abstand und mit Sport könne ich meine Batterien wieder aufladen. Aber das hat es wohl nicht im vollen Umfang.

Sie waren auch immer wieder am Arbeiten. Sie haben die Wahlen und die Abstimmungen durchgeführt, Sie waren bei den ersten Fusionsgesprächen dabei . . .

Helg: Ja, das hat das Problem eher verstärkt. Aber diese Arbeiten mussten gemacht werden. Es war vielleicht ein Fehler, dass ich weiter eingebunden blieb. Das hat auch zu Fragen in der Bevölkerung geführt.

Es kam schlecht an, dass Sie weiter gearbeitet haben?

Helg: Zum Beispiel, dass ich am Jubiläum der Gasversorgung war, hatte zu Gerüchten und Geschwätz hinter meinem Rücken geführt. Das hat mir nicht gut getan. Obwohl ich natürlich als Gemeindeammann damit rechnen muss, dass geredet wird. Dennoch: Meine Anwesenheit war bei teils Anlässen erforderlich. Und die rein gesellschaftlichen besuchte ich sowieso in meiner freien Zeit.

Wo war denn Ihre Anwesenheit erforderlich?

Helg: Zum Beispiel beim Kick-Off-Event für die Fusionsgespräche mit Romanshorn oder bei den Proporz-Wahlen. Jemanden kurzfristig einzuarbeiten braucht im Endeffekt mehr Aufwand, als es selbst zu machen.

War es nicht doch ein Fehler, dass Sie nicht von Anfang an weggegangen sind?

Helg: Von daher hätte ich den ersten Gedanken, den ich gefasst hatte, durchziehen sollen.

Und der war?

Helg: Den Job aufzugeben.

Warum haben Sie das nicht gemacht?

Helg: Speziell wegen der Fusionsgespräche mit Romanshorn. Die Fusion wäre eventuell gefährdet gewesen. Man hätte abwarten müssen, bis mein Nachfolger eingearbeitet wäre. Dann käme das Problem, ob er das Projekt Fusion überhaupt noch angehen würde. Schliesslich wäre sein Amt mit der Fusion gefährdet gewesen.

Was war der Auslöser für das Burn-out, dass Sie sich sogar Gedanken gemacht haben, Ihr Amt aufzugeben?

Helg: Ich will nicht gross darüber reden. Es hängt mit der Verwaltung und dem ganzen Umfeld hier zusammen. Aber wahrscheinlich auch mit meiner Abwahl in Pfyn. Ich habe das alles wohl nicht ganz verarbeitet und am Schluss die Summe von allem nicht mehr verkraftet. Ich weiss auch nicht, ob ich das Burn-out überwunden habe.

Befürchten Sie einen Rückfall?

Helg: Es stellt sich schon die Frage, ob ich die Kur genug lange durchgezogen habe.

Wissen Sie denn, wie Sie einem weiteren Burn-out vorbeugen könnten?

Helg: Ich werde das Qigong weiter üben, wie ich es während meinem Kuraufenthalt gelernt habe. Das soll den Kopf befreien. Wenn ich den Arbeitsalltag nicht loslassen kann oder mich ärgere, werde ich diese Übungen machen.

Wie sieht Ihre Zukunft in der Gemeinde Salmsach aus?

Helg: Wir haben extra den Zeitplan für die Fusionsgespräche gestrafft. So dass zu Beginn des nächsten Jahres die Botschaft zur Abstimmung erstellt und bis Ende Jahr zur Abstimmung gebracht werden kann. So kann ich Ende 2013 abtreten. Wenn es eine Fusion gibt, wird es sowieso nur einen Gemeindeammann brauchen.

Und wenn die Fusion nicht zustande kommt?

Helg: Auch dann. Länger als bis Ende 2013 werde ich nicht Gemeindeammann bleiben. Bis dahin habe ich zugesichert, dass ich das Projekt Fusion mittragen werde.

Interview: Michèle Vaterlaus



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