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Tagblatt Online, 28. Juli 2012, 01:36 Uhr

Der Aachverlauf war vielleicht ganz anders

Christoph Haering Zoom

Der Geologe Christoph Haering bei der Entnahme einer Bodenprobe. (Bild: Archivbild: Reto Martin)

SALMSACH. Unter den Häusern am alten Aachknie in Salmsach liegt eine alte Kehrichtdeponie. Nun soll das Geologiebüro Lienert und Haering AG aus Uttwil herausfinden, wo genau die Mülldeponie lag und wie gross diese war.

MICHèLE VATERLAUS

Unter den Häusern am Aachknie in Salmsach wird eine alte Kehrichtdeponie vermutet, die in den 1950er-Jahren aufgeschüttet wurde. Der Kanton wollte das Gebiet deshalb als belasteten Standort ins Grundbuch eintragen. Sehr zum Unmut der 32 betroffenen Grundbesitzer. Denn das eingezeichnete Gebiet betrifft auch Häuser, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts dort standen (TZ berichtete). Nun hat die Gemeinde Salmsach das Geologiebüro Lienert und Haering AG aus Uttwil beauftragt, erste Untersuchungen aufzunehmen.

Komplexe Untersuchung

Erste Untersuchungen bedeutet, dass das Büro historische Abklärungen macht. Das heisst: Wie ist die Aach tatsächlich verlaufen, bevor der sogenannte Katzenschwanz trockengelegt wurde? Und wo war die alte Deponie genau? «Diese Untersuchungen sind sehr komplex», sagt der Geologe Christoph Haering. «Wir waren in den Archiven der Gemeinde und des Kantons sowie im Staatsarchiv. Wir arbeiten mit alten Karten, Erzählungen von Anwohnern, und wir reden mit Einwohnern von Salmsach, welche die Aufschüttung miterlebt haben.» Dem Geologen liegen auch alte Fotografien und Bilder vor. «Doch bei Zeichnungen muss ich vorsichtig sein. Sie sind nicht immer sehr präzise», sagt er. Genauso sei es mit Erzählungen. Die Erinnerung verändere sich in 50 Jahren, das könne zu kleinen Ungenauigkeiten führen.

Zusätzlich zu diesem Material arbeitet Haering aber auch mit Ergebnissen von Baggerschlitzen, die in den 1990ern gemacht wurden, um die Belastung des Bodens zu untersuchen. Dies geschah, bevor Häuser gebaut wurden.

Falsche Karten

Während seiner Untersuchungen habe er herausgefunden, dass die alten Karten, die sogenannten Siegfriedkarten, aus dem Jahr 1910, den Aachverlauf wohl nicht ganz korrekt darstellen. «Gemäss diesen wäre die Aach unter Häusern hindurch verlaufen, die bereits standen, als der Katzenschwanz noch nicht trockengelegt war», sagt er. Ein alter Plan aus dem Jahr 1935 bestätige diesen Verdacht. Doch leider habe er auch im Kantonsarchiv keine genaueren Angaben finden können. Auch die Unterlagen der Gemeinde hätten keinen Aufschluss darüber gegeben. «Aber ich hoffe, dass ich beim Geometer etwas mehr Informationen erhalte.» Ein einziges Foto habe er gesehen, auf dem die Aach von früher abgebildet ist. «Ich gehe deshalb davon aus, dass der Verlauf näher bei den neuen Häusern war, als ursprünglich gedacht.» Zudem vermutet der Geologe, dass das Gebiet am alten Aachknie wohl mehr als einmal aufgeschüttet wurde. «In einer ersten Etappe wurde möglicherweise nur die Aach trockengelegt», sagt er. Und in einer zweiten und vielleicht sogar dritten Etappe sei das Gebiet grossflächig erhöht worden. Grund könnte gewesen sein, dass es bei hohem Seespiegel im alten Aachknie noch Überschwemmungen gegeben hat. Abschliessende Resultate der historischen Untersuchungen hat Haering noch nicht. «Das wird wohl erst Ende August der Fall sein», sagt er. Diese Ergebnisse werde er aber zuerst mit den Anwohnern diskutieren.



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