Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 21. Juni 2012, 08:14 Uhr

400 Unterschriften reichen nicht

Zoom

Visualisierung der geplanten Überbauung. (Bild: pd)

EGNACH. Die umstrittene Überbauung mit sieben Mehrfamilienhäusern an der Kehlhofstrasse in Egnach nimmt die erste Hürde. Der Gemeinderat genehmigt den Gestaltungsplan. Die Bedenken der Anwohner hält die Behörde für unberechtigt.

MARKUS SCHOCH

Es hat fürs erste alles nichts genützt: Die Anwohner der geplanten Überbauung auf der Moosholzwiese gingen im April auf die Strasse und sammelten innert wenigen Tagen 400 Unterschriften für eine Petition mit dem Namen «Gegen städtisches Bauen im Dorf». Die Bittschrift sollte den Gemeinderat zu vertieften Abklärungen im Hinblick auf das Bauprojekt bewegen, das die Unterzeichner als mindestens eine Nummer zu gross für Egnach beurteilen. Geplant sind sieben Häuser mit insgesamt 71 Wohnungen. Der Investor ist eine Immobilien-Anlagestiftung, die Gelder aus der zweiten Säule verwaltet.

Mit der Unterschriftensammlung liessen es die Anwohner aber nicht bewenden. Sie reichten auch Einsprache gegen den Gestaltungsplan ein, der die grossen Linien des Bauvorhabens absteckt. Alles vergeblich.

Gestaltungsplan genehmigt

Der Gemeinderat hat den Gestaltungsplan jetzt mit einer Änderung genehmigt. Die Gesamthöhe für die dreigeschossigen Bauten wurde auf maximal 9,50 Meter beschränkt – ein halber Meter weniger gegenüber den ursprünglichen Plänen der Bauherrschaft. Trotzdem soll damit ein zusätzliches Geschoss möglich sein. Das ist aus Sicht des Gemeinderates für die umliegenden Liegenschaften zumutbar.

Weiter weist er in einer Mitteilung darauf hin, dass die Ausnützungsziffer gemäss Regelbauweise sogar unterschritten wird. «Das ist ein wichtiges Indiz für eine zweckmässige und verhältnismässige Nutzung.»

Abgelehnt hat der Gemeinderat die Einsprachen bezüglich Erschliessung. Die Aufteilung des zu erwartenden Verkehrs auf die Kehlhof- und Mooswiesenstrasse sei «zweckmässig und steht in einem vertretbaren Verhältnis», heisst es in der Mitteilung weiter.

Trotz Formfehlern eine Antwort

Auf die Petition ist der Gemeinderat offiziell gar nicht eingetreten. Grund: Zum einen fehle bei den Unterschriften das Datum, zum anderen laufe ein Rechtsmittelverfahren, heisst es in der Mitteilung. Auf das Datum zu bestehen, habe nichts mit Kleinlichkeit zu tun, sagt Gemeindeammann Stephan Tobler. «Das ist im Gesetz so vorgeschrieben.»

Trotz der Formfehler nimmt der Gemeinderat Stellung zu den Forderungen in der Bittschrift.

Erstens: Den Gestaltungsplan von unabhängiger Seite nochmals beurteilen zu lassen, erachtet die Behörde für «unverhältnismässig». Denn ein unabhängiger Raumplaner habe ihn bereits informell vorgeprüft. «Es ist sehr viel Sachkenntnis vorhanden und bereits eingeflossen», heisst es in der Mitteilung.

Mehrverkehr kein Problem

Unnötig findet der Gemeinderat zweitens, dass mögliche Verkehrsprobleme voraus umfassend abgeklärt werden, wie das die Unterzeichner der Petition verlangen. Vor zwei Jahren sei ein Verkehrskonzept für Egnach ausgearbeitet worden unter Berücksichtigung der bestehenden Bauzonen. Eingeschlossen seien auch die Kehlhof- und Mooswiesenstrasse, an die das Bauvorhaben zu stehen kommen soll.

Weitere Massnahmen seien im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zu prüfen. Ob es tatsächlich zusätzliche Vorkehrungen braucht, ist nach Meinung des Gemeinderates fraglich. Aus seiner Sicht vermögen die beiden Strassen den Mehrverkehr aufzunehmen.

Ein Gewinn fürs Ortsbild

Drittens setzt die Überbauung nach Meinung des Gemeinderates architektonisch und energietechnisch Massstäbe und stellt «auch ortsbaulich einen Gewinn dar», was die Petitionäre in Abrede stellen.

Eine rücksichtsvolle Einordnung ins Quartier sei nur bedingt möglich, schreibt die Behörde. «Die bestehende lockere Einfamilienhausbebauung kann nicht als Massstab für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung sein.» Vorbildlich sei hingegen das Neubauprojekt: Es erfülle die Forderung des Bundes nach haushälterischem Umgang mit Boden, sei modern und erfülle die Anforderungen an qualitativ gutes Bauen.

Von sich weist der Gemeinderat schliesslich viertens den Vorwurf der Anwohner, er stelle sich in den Dienst von Spekulanten, statt das Wohl des Dorfes und dessen Einwohner im Auge zu haben. «Der Investor strebt unter anderem nachhaltiges, schönes und preisvernünftiges Bauen und Wohnen für zahlbare Mietwohnungen mit gutem Ausbaustandard an.» Das liege im öffentlichen Interesse.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
2 Beiträge
Lissi (21. Juni 2012, 09:12)
Einwohnerzahl gleich Unterschriften?

Bei soviel Unterschriften müsste schon etwas weiter gedacht werden.willmeine Heimatgemeinde auf Teufel komm raus eine Menge leerstehender Wohnungen,verbaute Landschaft ,mehr Verkehrsaufkommen?oder verdienen am Bau einige einheimische unternehmen kurzfristig und kurzsichtig?ich verstehe die Nachbarn.die sich sorgen machen.

Beitrag kommentieren

bauwahn (21. Juni 2012, 20:13)
Nicht viel Wert

Wenn diese 400 Unterschriften demzufolge 10% der Egnacher sind, muss man wohl annehmen, dass deren Meinung kein Gewicht haben muss. Wie denn dieses Vehrkehrsaufkommen zusätzlich in die Hauptstrasse kommen soll, entzieht sich jeder normalen Logik. Dieses überbordende Bauenwollen kann ohne weiteres mit dem Kind im Spielzeugladen: ich will, ich will, ich will... verglichen werden. Dass dieses auf Zukunft kein fertige Lösung sein kann, steht in keiner Planungssitzung als erster Traktandenpunkt. Kommen etwelche Investoren daher werden deren Wünsche ohne Rücksicht durchgewunken. Volksnähe sieht anders aus.

Beitrag kommentieren

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg