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Tagblatt Online, 17. April 2012, 01:04 Uhr

Emil und Steinberger

Emil Steinberger Zoom

Voller Hingabe liest Emil Steinberger im Programm «Drei Engel» aus seinen Büchern vor. (Bild: Archivbild: Donato Caspari)

MÜNSTERLINGEN. Mit seinen wahren und unwahren Anekdoten brachte Emil Steinberger das Publikum in Münsterlingen zum Lachen. Im Gepäck hatte er auch seine Kunstfigur.

SEVERIN SCHWENDENER

Ein ausverkaufter Saal im Gemeinschaftszentrum der Psychiatrischen Dienste in Münsterlingen, auf der Bühne Tisch, Stuhl und ein Glas Wasser. Und Emil Steinberger, der seinen verbundenen Mittelfinger in die Höhe hält und die Geschichte zum besten gibt, wie er vor lauter Schwatzen mit seiner Frau den Finger anstatt des Emmentalers geraffelt hat. Das Publikum lacht und applaudiert, will mehr und bekommt es auch. Nach einer Bühnenabstinenz ist Emil Steinberger wieder auf Tournée. Nicht als Emil, aber doch ein bisschen mit ihm. Sein Programm «Drei Engel» hat sich aus einer Lesung entwickelt. Angedacht war ursprünglich, aus seinen bisher veröffentlichten Büchern vorzulesen und das Publikum teilhaben zu lassen an den tatsächlichen und erfundenen Geschichten, die er unter anderem in «Wahre Lügengeschichten» zu Papier gebracht hat. Doch Emil Steinberger kann nicht einfach aufhören, Emil Steinberger zu sein. Er kommentiert und unterhält, wie man es von ihm gewohnt ist. So verwundert es nicht, dass von der ursprünglichen Lesung nicht viel übriggeblieben ist.

Manche Geschichten erfunden

Meistens erzählt Steinberger Anekdoten, aus dem Leben des Emil, aus seinem eigenen Leben oder schlicht und einfach aus seiner Phantasie heraus. Denn einige der Geschichten aus «Wahre Lügengeschichten» sind, das gibt er offen zu, frei erfunden. Welche, verrät er nicht. Eingewoben in diese Anekdoten und Geschichten sind Beweise von Steinbergers scharfer Beobachtungsgabe. Er belauscht Gespräche im Speisewagen, verirrt sich in Deutschland in den Wirrungen der (hoch-)deutschen Sprache und berichtet vom Fluch riesiger, leerer Seiten in Gästebüchern, die er zu füllen hat. Die Analyse von Wahrigs Wörterbuch der deutschen Sprache lässt manche an eigene Schlachten mit Grammatik und Satzbau denken.

Nicht von oben herab

Genau hier liegt ein wesentlicher Grund für den zeitlosen Erfolg von Emil Steinberger. Er beobachtet und kommentiert unseren Alltag, er redet auf Augenhöhe und nicht von oben herab zu seinem Publikum. Die vielen ausverkauften Vorstellungen zeugen davon, dass das Publikum noch lange nicht genug hat.



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