Abfallsünder haben ausgefeiert

BOTTIGHOFEN. Bottighofen setzt im Kampf gegen den Vandalismus auch in der Badi Rösli auf Videoüberwachung. Die meisten Badegäste haben Verständnis für die Aktion der Gemeinde.

30. Juni 2012, 11:16
MARTINA EGGENBERGER LENZ

Das Rentnerpaar liegt auf Liegestühlen an der Sonne, den See im Blickfeld – und den Mast, an dem drei Kameras befestigt sind. Eine ist direkt auf das Paar gerichtet. «Das stört uns nicht», sagt der Mann. «Im Gegenteil, wir begrüssen es, dass die Gemeinde sich zu diesem Schritt entschlossen hat.» Die Kreuzlinger haben schon oft mitbekommen, wie ihre Lieblingsbadi durch Littering verunstaltet wurde.

Sechshundert Liter Abfall

Davon kann Boris Nikolic, der den Kioskbetrieb führt, ein Lied singen. Letzte Saison haben ihm die Abfallberge, die nächtliche Besucher an den Grillstellen zurückgelassen haben, viel Arbeit beschert. «An manchen Morgen habe ich fünf bis sechs Hundert-Liter-Säcke voll Müll eingesammelt.» Auch auf den WCs habe es manchmal schlimm ausgesehen: Graffiti an den Wänden, der Seifenspender kaputt.

Seit gut eineinhalb Monaten werden die Rösli-Gäste nun von Kameras beobachtet. «Und seither haben wir Ruhe», sagt Gemeindeammann Urs Siegfried. Er erhalte von den Sicherheitsleuten, die zusätzlich und schon seit mehreren Saisons patrouillieren, zehnmal weniger Rapporte. Das Littering-Problem war in Bottighofen so massiv, dass sich der Gemeinderat überlegen musste, ob er die Patrouillen des Sicherheitsdienstes verstärkt oder eben Überwachungskameras installiert. Die Kameras sind günstiger. Beim Werkhof setzt man schon länger auf dieses Instrument, und so mussten für die Badi nur noch die zusätzlichen Kameras angeschafft werden. Total hat Bottighofen rund 20 000 Franken in die Videoüberwachung investiert. Sowohl Gemeindeammann Siegfried wie auch Kioskbetreiber Nikolic sagen, sie hätten kaum negative Reaktionen erhalten.

Massnahme wird akzeptiert

Wen man im Rösli mit Badegästen spricht, so zeigen die meisten Verständnis. «Wer nichts Krummes macht, muss ja nichts befürchten», lautet der Grundtenor. Und: «Wir finden es schade, dass die Überwachung überhaupt nötig ist.» Auch wenn am Eingang des Areals mit Schildern klar darauf hingewiesen wird, dass die Badi überwacht wird, bemerken dies viele Besucher anscheinend gar nicht. «Echt, ist das so?», fragt eine junge Einheimische.

Jüngere sind skeptischer

Es scheint, dass die Jüngeren gegenüber den Videokameras aber skeptischer eingestellt sind als die Älteren. «In der Badi ist das nicht so ideal. Hier will man doch etwas Privatsphäre», sagt ein 26jähriger Kreuzlinger. Und auch zwei junge Frauen sagen: «Die Kamera ist auf einen gerichtet, und man trägt nur den Bikini. Da fühlt man sich einfach beobachtet.»

Aufgezeichnet wird an drei Stellen, jeweils mit mehreren Kameras. Der Gemeindeammann betont, man sichte das Material nur, wenn sich ein Vorfall ereigne. Ansonsten werde es wieder überspielt. Stellt sich in der Badi der gleiche Erfolg ein wie beim Werkhof, dann will Bottighofen den Sicherheitsdienst reduzieren.


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