Widerstand aus der Nachbarschaft

ALTNAU ⋅ Das Mobilfunkunternehmen Salt möchte im Industriegebiet eine Antenne bauen. Über 40 Anwohner wehren sich gegen das Vorhaben mit einer Sammeleinsprache.
14. Februar 2017, 07:35
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Auf dem Kirchturm wollten die Altnauer keine Antenne. Die evangelischen Kirchbürger sprachen sich 2014 klar gegen ein solches Vorhaben von Swisscom und Sunrise aus. Seither hatte das Dorf seine Ruhe vor weiteren Ausbauwünschen der grossen Mobilfunkkonzerne und lebte mit einer Sunrise-Antenne, die sich schon seit Jahren auf einem Gewerbegebäude an der Seestrasse befindet. Im Januar wurde nun bei der Altnauer Bauverwaltung ein Baugesuch von Salt öffentlich aufgelegt. Das Unternehmen möchte in etwas über 100 Metern Entfernung zu der bestehenden Sunrise-Antenne einen 30 Meter hohen Masten realisieren.

43 Unterschriften an einem Tag

Am Anfang der Auflagefrist, die vom 6. bis am 25. Januar dauerte, wurde das Baugesuch in der Bevölkerung offenbar gar nicht richtig wahrgenommen. Kurz vor Schluss organisierte sich jedoch noch ein vehementer Widerstand unter Anwohnern. Innert eines Tages kamen 43 Unterschriften für eine Sammeleinsprache zusammen, erzählt eine Unterzeichnerin, die aber namentlich nicht genannt werden möchte. Man habe natürlich Respekt vor der zusätzlichen Strahlung und eine Mobilfunkantenne in der Nähe mindere auch den Wert der Liegenschaften. Die vorhandene Netzabdeckung und der Empfang seien ausserdem genügend gut im Dorf.

Sein Handy funktioniere ebenfalls wunderbar, sagt Stefan Züst. Er betreibt eine Bootswerft in der Liegenschaft unmittelbar neben dem geplanten Antennen-Standort und hat die Sammeleinsprache unterschrieben. Da er auch vor Ort wohnt, sieht er sich als direkt Betroffenen der Strahlung. Wie er erzählt, hatte ihn Salt zuvor angefragt, ob man die Antenne auf seinem Gebäude bauen dürfe. Doch sei man sich nicht handelseinig geworden. Züst findet den Standort im Industriegebiet grundsätzlich nicht geeignet, denn die Antenne solle ja in erster Linie guten Empfang fürs Dorf gewährleisten.

Stefan Zbornik, langjähriger Kritiker der Mobilfunkunternehmen und Präsident des Vereins strahlungsfreies Kreuzlingen, hat die Altnauer Einsprecher beraten. «Mit etwas gutem Willen liesse sich ein Standort finden, der zu weniger Zwangsbestrahlung der Nachbarschaft führt», sagt er. Ausserdem plädiert er dafür, dass die Anbieter sich auf gemeinsame Antennen einigen sollten. Zbornik findet, dass in Siedlungsgebieten nur noch bewilligungsfreie Kleinstmobilfunkanlagen für die punktuelle und bedarfsgerechte Versorgung betrieben werden dürften.

Wenn nicht hier, wo dann?

Gemeindepräsident Hans Feuz ist auch kein Freund von neuen Mobilfunkanlagen. Er gibt jedoch zu bedenken, dass hier an der äussersten Peripherie des Dorfes wohl noch der geeignetste Standort sei. Wolle man hier keine Antennen, müssten sich die Altnauer vom Gedanken einer Top-Versorgung des Dorfes verabschieden. Dass sich die Anbieter Standorte teilen könnten, findet auch Feuz. Die Swisscom habe sich gerade kürzlich bei der Gemeinde nach möglichen Orten erkundigt. Er habe sie kurzerhand an Salt verwiesen. Die Firma hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Baugesuch eingereicht.


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