«Meine Jungs hatten Freudentränen in den Augen»

AUSZEICHNUNG ⋅ Fussball-Coach Yannick Cavallin hat es bei der Wahl zum «Helden des Alltags» auf den dritten Platz geschafft. Sein grosses Ziel ist, auf die Integration von Menschen mit Handicap aufmerksam zu machen. Das hat er erreicht.

30. Januar 2017, 16:57
Amy Douglas
Yannick Cavallin trainiert die Bodensee-Kickers, eine Fussballmannschaft bestehend aus Menschen mit einem Handicap. Für sein freiwilliges Engagement wurde der 44-jährige Kreuzlinger für die Wahl zum Helden des Alltags 2016 im SRF nominiert. Er schaffte es auf den dritten Platz.  

Herr Cavallin, wie war der Auftritt im Fernsehen?
Es war eine wunderbare Erfahrung. Meine Jungs aus der Mannschaft waren dabei und hatten Freudentränen in den Augen. Wir werden diesen schönen Anlass nie vergessen.

Für den ersten Platz hat es leider nicht ganz gereicht.
Darüber bin ich nicht enttäuscht. Beim Apéro hatte ich spannende Gespräche mit Leuten aus dem Publikum. Viele sind extra wegen uns gekommen und waren etwas traurig, dass ich nicht gewonnen habe.  

Der Sieger ist Thomas Niederer, der Abfalltaucher.
Er ist ein genialer Typ. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen. Er hat mich und die Mannschaft auf eine Bootstour auf dem Vierwaldstädtersee eingeladen. Ich habe durch die Teilnahme bei «Helden des Alltags» wirklich tolle Menschen kennen gelernt. Allein dafür hat es sich schon gelohnt.

Hat es weitere Vorteile, dass Sie das Finale erreicht haben?
Wir konnten als Mannschaft viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Es haben sich spontan auch Leute gemeldet, um uns zu unterstützen. Sei das als Zustupf in unsere Kasse oder in irgendeiner anderen Form.

Welche Reaktionen haben Sie seitens der Bevölkerung erfahren?
Ich wurde unterwegs immer wieder angesprochen. Besonders gefreut habe ich mich über zwei Schüler, die auf der Strasse auf mich zugekommen sind. Sie berichteten mir, dass sie das Thema Integration gerade in der Schule behandeln und der Lehrer sie auf mein Projekt aufmerksam gemacht habe. Ich hoffe, dass auch in der Öffentlichkeit angekommen ist, wie wichtig es ist, Integration zu leben und wie viel Positives dadurch entstehen kann.

Die Bodensee-Kickers wurden kürzlich in den FC Kreuzlingen integriert.
Darüber habe ich mich unglaublich gefreut, gerade, weil es zuerst nur eine Bier-Idee war, die am Spielfeldrand eines FCK-Matches entstanden ist. Dieses Projekt hat auf Anhieb geklappt.

Was werden wir in Zukunft von Ihnen hören?
Wir haben im Sinn, in Kreuzlingen ein internationales Fussballturnier zu organisieren. Teilnehmen sollen dabei Mannschaften mit und ohne Handicap. Ein weiteres grosses Ziel ist der Aufbau einer Juniorenmannschaft.

Mehr Infos unter: www.bodensee-kickers.ch

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