Dorf bangt um Service Public

ERMATINGEN ⋅ Verantwortliche der Post haben mit dem Gemeinderat Gespräche über die Schliessung der Poststelle geführt. Dieser wehrt sich, indem er Antworten fordert und sich weiteren Treffen verweigert.

11. Februar 2017, 09:30
Martina Eggenberger Lenz

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger

@thurgauerzeitung.ch

In den letzten Tagen haben Meldungen über weitere mögliche Schliessungen von Poststellen die Runde gemacht. Auf einem von der Gewerkschaft Syndicom publizierten Dokument wird die Post Ermatingen unter jenen aufgeführt, die sich «im Schliessungsprozess» befinden (unsere Zeitung berichtete). Dies wurde bislang weder von der Post noch von der Gemeinde kommuniziert. Gemeindepräsident Martin Stuber erklärt auf Anfrage, dass man eigentlich abgemacht habe, die Öffentlichkeit erst dann zu informieren, wenn ein definitiver Entscheid gefällt sei. Weil nun aber die Gewerkschaft in die Offensive gegangen ist und die Tatsache, dass die Poststelle Ermatingen auf der Kippe steht, «eh schon im Dorf durchgesickert ist», bricht der Gemeinderat sein Schweigen. Martin Stuber erklärt, es habe in den Jahren 2015 und 2016 je ein Gespräch mit Postvertretern gegeben. Das standardisierte Verfahren sehe insgesamt drei Gesprächstermine mit den örtlichen Behörden vor, ehe ein Postamt geschlossen werden könne. Seit letztem Sommer versuche die Post, ein erneutes Treffen zu arrangieren. «Aber dem verweigern wir uns», gibt sich Stuber kämpferisch.

Agentur-Lösung im Volg ist im Gespräch

Der Gemeindepräsident kritisiert, dass die Postverantwortlichen bis heute keine Zahlen zur Poststelle Ermatingen heraus rücken, geschweige denn eine mögliche Schliessung plausibel begründen würden. «Unserer Meinung nach geht das nicht. Wir wollen genau wissen, weshalb unsere Post zu gehen soll.» Weil man mündlich keine befriedigenden Auskünfte erhalten habe, sei der Gemeinderat nach einem Beschluss des Gesamtgremiums auch noch schriftlich an die Post gelangt. Seit Juni warte man auf Antworten. «Solange wir diese nicht haben, gibt es auch kein drittes Gespräch», macht Stuber deutlich.

Postsprecher Markus Werner will auf Anfrage nicht bestätigen, dass sich Ermatingen im Schliessungsprozess befindet. «Wir sind noch nicht so weit. Es ist noch kein Entscheid gefällt.» In den Gesprächen mit den Gemeindeverantwortlichen prüfe man «neue Lösungen für die Postversorgung» vor Ort. Wie überall beobachte man auch in Ermatingen einen relativ starken Rückgang und sehe daher einen gewissen Handlungsbedarf. Wie lange es noch dauert, bis sich das Szenario konkretisiert, kann Markus Werner nicht sagen.

Gemäss Gemeindepräsident Martin Stuber ist eine Agentur-Lösung im Volg im Gespräch. Für den Gemeinderat sei das keine echte Alternative. «Die Agentur bietet ja nur einen Bruchteil des Service an.» Die Postschliessung würde die älteren Einwohner hart treffen. «Ich frage mich, wo sie dann ihre Einzahlungen machen sollen.»


Leserkommentare

Anzeige: