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Tagblatt Online, 20. August 2012, 15:59 Uhr

Im 15-Minuten-Takt hinauf in den Korb

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Nur noch Schutt und Asche: Feuerwehrmänner beseitigen die letzten Glutnester auf dem Saurer-Areal. (Bild: Keystone)


Video: Brand auf Saurer-Areal

Werner Mischler/Leservideo 19.08.2012

Die Luft über dem Saurer-Areal in Arbon ist rauch- und dampfgeschwängert. Stählerne Skelette und glimmender Brandschutt zeugen von der sonntagabendlichen Feuerwalze. Mittendrin steht Feuerwehrmann Marcel Rotach.

Der 28-jährige Feuerwehroffizier aus Arbon sass daheim auf dem Sitzplatz und genoss die Nachmittagssonne, als am Sonntag um 17.30 Uhr der Alarm losgeht: «Grossbrand auf dem Saurer-Areal». Sofort macht sich Rotach auf ins Depot. Er gehört zum ADL-Team (ADL = Abkürzung für Autodrehleiter).
«Im 15-Minuten-Takt musste ich in den Korb hinauf», sagt Rotach. Seine Augen sind müde. Er steht seit vielen Stunden im Einsatz. Bei Temperaturen um die 30 Grad - ohne Feuer.

Von hoch oben herab spritzte er kubikmeterweise Bodenseewasser in die Flammen. «Der Einsatz war physisch wie mental sehr anstrengend», sagt Rotach, der seit gut sieben Jahren Mitglied der Stützpunktfeuerwehr Arbon ist. Er ist bei der Feuerwehr, weil er das Helfersyndrom habe.

Bilderstrecke: In Schutt und Asche

  • Brand Arbon
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  • Brand Arbon

Einen Tag nach dem verheerenden Brand auf dem Arboner Saurer-Areal zeigt sich das Ausmass der Zerstörung. Mehrere Gebäude liegen in Schutt und Asche. (Bilder: Keystone/Ennio Leanza)

Adrenalin im Körper
Im Korb oben über den Flammen, die Atemschutzmaske im Gesicht, das Strahlrohr in den Händen - «da schiesst einem jede Menge Adrenalin in den Kopf», sagt der Polymechaniker, der bei der Firma Bruderer in Arbon Lehrlinge ausbildet.

«Angst darf man keine haben», sagt Rotach. Etwas beruhigend sei für ihn gewesen, «dass wir annehmen durften, dass an einem Sonntagabend aller Wahrscheinlichkeit nach keine Menschen auf dem Firmenareal waren.» Rotach mag sich lieber nicht ausmalen, das Feuer hätte werktags getobt.

Jedesmal wenn Rotach oder einer seiner Kameraden vom Korb hinunterkommen, wird ihnen die Körpertemperatur gemessen. «Wer zu heiss hatte, musste unten bleiben», sagt Rotach. Die Versorgung der Leute mit Trinkwasser habe geklappt; das sei sehr, sehr wichtig gewesen, sagt Rotach.

Bilderstrecke: Saurer-Areal in Flammen

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Auf dem ehemaligen Saurer-Areal ist am Sonntagabend in einer Gewerbehalle ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit einem Grossaufgebot vor Ort, der Schaden geht in die Millionen.

Nur wenig Schlaf
Um 3.30 Uhr, nach zehn Stunden schweisstreibenden Einsatzes, geht Rotach am Montagmorgen schlafen - um 7 Uhr steht er schon wieder in der «Bude». Bis zur Pause. Dann wurde er nochmals aufgeboten, um mit der ADL Glutnester zu löschen. Wieder steigt Marcel Rotach ins Feuerwehrgewand.

Er ist gerne Feuerwehrmann, aber er ist kein Feuerwehr-Freak oder «Backdraft-Rambo», das spürt, wer mit Rotach spricht. An seiner Arbeit in der Feuerwehr schätze er die Kameradschaft. Rotach sagt's und steigt durch die dampfende Brandruine zur ADL. Er löst einen Kameraden im Korb ab. (sda)

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