Master für alle gefällt nicht allen

SCHULE ⋅ Der Lehrerverband Bildung Thurgau befasst sich an seiner Delegiertenversammlung in Weinfelden mit der Zukunft. Zentrale Themen sind: Master für alle Lehrpersonen und Digitalisierung.
01. Dezember 2017, 07:29
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Nicht nur Schüler haben viele Fragen, auch Lehrerinnen und Lehrer. Das zeigte sich an der Delegiertenversammlung von Bildung Thurgau. Präsidentin Anne Varenne durfte 78 Delegierte im Rathaus Weinfelden begrüssen. In ihrer Rede fragte sie sich: «Wie werden sich die digitalen Veränderungen auf das System Schule auswirken?» Wird in Zukunft ein Roboter im Schulzimmer stehen? «Mit Schrecken» habe sie feststellen müssen, dass diese Vorstellung kein Zukunftsszenario mehr sei, sondern in einigen asiatischen Schulen bereits Wirklichkeit. Dort werde von irgendwo auf der Welt eine Fachexpertin zugeschaltet. Varenne zeigte sich aber überzeugt, dass persönliche Beziehungen in Zukunft immer noch wichtig sind.

Die Thurgauer Bildungsdirektorin Monika Knill griff in ihrem Grusswort ebenfalls dieses Thema auf. «Digitalisierung ist ein grosses Schlagwort», sagte sie. Doch die Bildungschefin ist auch für die Zukunft vom Wert der Lehrpersonen im Klassenzimmer überzeugt. «Ohne Bindung keine Bildung», sagte sie. Egal welche digitalen Hilfsmittel zur Verfügung stünden, «entscheidend ist eine Person, die eine Bindung zum Kind aufbauen kann». «Es braucht Persönlichkeiten wie Sie!», sagte sie zu den Lehrerinnen und Lehrern. Doch man solle sich nicht von der Digitalisierung lähmen lassen oder sich fürchten. «Besser sind Neugierde und Gelassenheit.»

Lehrplan 21: «Die Stimmung ist positiv»

Doch nicht nur die Zukunft kam zur Sprache, sondern auch die Gegenwart. Etwa der Lehrplan Volksschule Thurgau – Stichwort Lehrplan 21 –, der diesen Sommer eingeführt wurde. Über die Schulaufsicht erhalte sie Rückmeldungen, sagte Knill. «Grundsätzlich ist die Stimmung sehr positiv.» Die Einführungsphase dauert bis ins Jahr 2021. Es gelte: «Es muss nicht alles im ersten Jahr schon passieren.»

Mit der Zukunft befassten sich die Delegierten dann doch noch. In Workshops diskutierten sie mit viel Herzblut fünf Themenfelder. So etwa die Strategie der Berufsorganisation. Auch wenn noch nichts beschlossen wurde, war der Tenor deutlich: Bildung Thurgau soll sich auch in Zukunft standespolitisch engagieren, beispielsweise in Lohnfragen. Als heisses Eisen kristallisierte sich ein Positionspapier des Schweizer Lehrerverbandes heraus. Darin wird eine Masterausbildung für alle Lehrpersonen propagiert. Die Konsequenz: Für einige Lehrer würde dadurch die Ausbildung verlängert. Im Thurgau benötigen Primarschullehrerinnen und Kindergärtner heute einen Bachelor. Bildung Thurgau hat grosse Vorbehalte und noch mehr offene Fragen bei Thema «Master für alle». Beim Thema Digitalisierung stellten die Workshopteilnehmer fest, dass die Schulen unterschiedlich ausgerüstet sind. Im Sinne der Chancengleichheit wünscht man sich allenfalls Vorgaben des Kantons.

Die traktandierten Geschäfte hiessen die Delegierten alle gut. So etwa das Budget 2018 sowie ein Kreditbegehren von 40 000 Franken für eine neue Adressverwaltungssoftware. Die heutige Software wird nicht mehr gewartet.


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