Thurgauer Wirtschaft stagniert - Das könnte sich aber bald ändern

WIRTSCHAFT ⋅ Neue Zahlen des Bundes zeigen, dass die Thurgauer Wirtschaft 2015 noch stagnierte. Für die aktuelleren Jahre sieht Daniel Wessner, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, Anzeichen für mehr Wachstum.
06. Dezember 2017, 05:22
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Die Thurgauer Wirtschaftsleistung hat im Jahr 2015 praktisch stagniert. Das Bundesamt für Statistik (BFS) weist ein kantonales Bruttoinlandprodukt (BIP) von 16 Milliarden Franken aus. Das BIP zählt den Gesamtwert aller produzierten Güter und Waren sowie sämtlicher Dienstleistungen eines Jahres zusammen. Im Thurgau war es 2015 nur um 0,2 Prozent höher als 2014. Diese provisorischen Zahlen hat das BFS diese Woche veröffentlicht. Der Thurgau ist in guter Gesellschaft. Die Schweizer Wirtschaft wuchs gesamthaft um 0,6 Prozent. Einige Kantone, Genf, Jura oder St. Gallen, wiesen gar Rückgänge aus.

Daniel Wessner ist Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Die Zahlen überraschen ihn nicht. Das bescheidene Wachstum habe mit der Wirtschaftsstruktur zu tun. «Unternehmen in wertschöpfungsintensiven Branchen sind bei uns nicht so ausgeprägt vertreten.» Zu diesen zählen die Finanz-, aber auch die Chemie- und Pharmabranche.» Ausgeprägter ist im Thurgau die Landwirtschaft, die – rein volkswirtschaftlich betrachtet – weniger Wertschöpfung generiere. «Wir haben fast doppelt so viele Beschäftigte in diesem Bereich wie andere Kantone», sagt Wessner. Stark sei auch der produzierende Sektor. «Der Thurgau ist ein typischer KMU-Kanton.» Volkswirtschaftlich hinke er etwas hinterher: Er ist der bevölkerungsmässig zwölftgrösste Kanton, bei der volkswirtschaftlichen Leistung aber nur auf Rang 15.

Die Thurgauer Wirtschaft hat Stärke bewiesen

Die Stagnation im Jahr 2015 habe spezifische Gründe. Amtschef Wessner nennt einen einschneidenden Moment in jenem Januar – die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank. «Als exportorientierter Kanton haben wir gelitten.» Hinzu kamen weltwirtschaftliche Unsicherheiten. Doch in den schwierigen Zeiten habe sich eine Stärke der hiesigen Wirtschaft gezeigt. «Die Unternehmer haben sehr gut reagiert», sagt Wessner. So hätten sich einige Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern auf temporär längere Arbeitszeiten geeinigt. Und dies, ohne dass der Staat etwas beisteuern musste.

Daniel Wessner geht aufgrund von Prognosen und Gesprächen mit Thurgauer Unternehmern von höheren Wachstumsraten in den aktuellen und kommenden Jahren aus. Darauf deuten auch Aussagen im jüngsten Thurgauer Wirtschaftsbarometer hin. In der Industrie geht es aufwärts, die Bautätigkeit ist lebhaft. Im Detailhandel ist die Stimmung zwar besser als auch schon, dennoch bleibt sie verhalten.

Zu Wessners Aufgaben gehört auch die Wirtschaftsförderung. Einerseits die Förderung hiesiger Unternehmen, andererseits die Ansiedlung neuer Firmen. «Wünschenswert wären mehr wertschöpfungsreiche Industrien und Arbeitsplätze», sagt er. Ein Beispiel, um sich diesem Ziel anzunähern, ist das Entwicklungsgebiet Wil West. Im Grenzbereich Thurgau-St. Gallen soll ein wirtschaftliches Schwerpunktgebiet entstehen. Zusammen mit dem nahe gelegenen Gebiet Gloten soll Potenzial für rund 3000 Arbeitsplätze geschaffen werden.


Leserkommentare

Anzeige: