Mit 24 Jahren in den tierischen Ruhestand

11. April 2014, 02:35
DANIELA EBINGER

OPFERSHOFEN. Harry steht an der Front des Sechsspänners und wartet geduldig auf das Kommando zum Losfahren. An der Offa ist es für den Shire-Horse- Wallach das letzte Mal, dass er an einem offiziellen Anlass das Brauereifuhrwerk mitzieht. Nach 18 Dienstjahren darf das Shire Horse in den wohlverdienten Ruhestand treten. «Er ist 24 Jahre alt, und das ist für ein Shire mehr als ein stolzes Alter», sagt Urs Plüss, der in Opfershofen sechs Shire Horses hält. Dabei betont er, dass diese Pferderasse normalerweise um die 20 Jahre alt wird. Es gehe Harry dem Alter entsprechend recht gut. Beim Traben mache sich manchmal seine Arthrose bemerkbar. Er sei aber immer noch sehr arbeitsfreudig und zuverlässig.

«Ein eher unruhiger Geselle»

Plüss kann sich noch gut an Harrys Ankunft auf seinem Hof in Dättlikon vor 18 Jahren erinnern. Mit dem Lastwagen wurden damals seine ersten Shire Horses von England nach Basel gebracht. «Am Anfang war Harry eher ein unruhiger Geselle», sagt der Pferdebesitzer. Er selbst sei damals als Kutscher noch in den Kinderschuhen gestanden. «Wir brauchten viel Geduld miteinander, und es gab manche Auseinandersetzung zwischen uns.» Heute stehen bei Plüss im Stall in Opfershofen sechs der imposanten Riesen. Shire Horses gelten mit einem durchschnittlichen Stockmass von 1,80 Meter als die grössten Pferde weltweit.

Mit den Jahren entwickelte sich Harry unter dem Sattel wie auch am Wagen zu einem nervenstarken Pferd. «Doch er musste und muss immer an der Front sein, sonst stimmt es für ihn nicht, und das lässt er mich spüren», sagt Plüss und bezeichnet die Allüren seines Pferdes als «Ego-Problem». Das ging teils so weit, dass Plüss bei Veranstaltungen mit Kutschentross Harry zu Hause liess. «Wenn er nicht zuvorderst ist, trabt er dauernd und will nach vorne», sagt Plüss. Harrys Stärken lägen in der Zuverlässigkeit im Umgang mit Mensch und anderen Pferden.

Einsätze dem Alter entsprechend

Harry wird nun seinem Alter entsprechend eingesetzt. «Wenn ich ihn einfach auf die Weide stellen würde, wäre das sein sicherer Tod», sagt Plüss. Daher wird der Besitzer mit Harry in Zukunft leichtere Bewegungsfahrten unternehmen und ihn an einfachen Anlässen in der Region beim Zweiergespann einsetzen. «Harry darf seinen wohlverdienten Ruhestand bei mir so lange es geht geniessen», sagt er und streicht mit seinen kräftigen Händen über Harrys Mähne.


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