Die Thurgauer Volksschule wird 175 Jahre alt. Das Schulmuseum Amriswil hat zum Jubiläum ein «Fehlerbüro» und ein «Geschichtslabor» eingerichtet. Am Samstag war Vernissage der Sonderausstellungen, die noch bis im Juli des nächsten Jahres zu sehen sind.

Eine Feier mit Fehlersammlung

27. Oktober 2008, 01:05
lukas g. dumelin

AMRISWIL. Am 13. März 1833 ist das Schulgesetz in Kraft getreten – und damit beginnt die Geschichte der staatlichen Volksschule im Thurgau. Nun feiert der Kanton dieses 175-Jahr-Jubiläum, und auch im Schulmuseum Amriswil hat man sich einiges ausgedacht. «Wir wollen die Schulgeschichte nicht nur bewahren, sondern auch vermitteln», erklärte Museumsleiter Hans Weber am Samstag vor rund 100 Personen an der Vernissage der Sonderausstellungen «175 Jahre Thurgauer Volksschule» und «Fehlerbüro».

Über den Fehlern stehen

Das «Fehlerbüro» ist ein Kunstprojekt von Yvonne Scarabello und Kunst- und Lebenspartner Peter Hügli. Seit dem Frühjahr 2008 sammeln sie Fehler. Darunter finden sich klassische Schreib- und Rechenfehler, originelle Fehlleistungen und Fehler, die gar keine sind, weil sie auf den Aufgabensteller zurückgehen. Eine Geometrieaufgabe, die es auf eines der zehn Plakate der Plakataktion geschafft hat, lautet: «Kannst Du dieses Bild dreimal so klein daneben zeichnen?» Der Schüler hat die geometrische Figur nicht nur dreimal kleiner gezeichnet, sondern auch gleich in dreifacher Ausführung.

«Bisher sind fast 700 einzelne Beiträge eingegangen», sagt Yvonne Scarabello. Einige der Fehler haben nun im Fehlerbüro im Schulmuseum ihren Auftritt. Ein quaderförmiges Pult steht auf originalen Fehlerdokumenten, die auf dem Boden liegen und mit Plastikscheiben vor den Schuhen der Besucher sicher sind. Und so steht man tatsächlich über den Fehlern.

Da und dort hat es (auf den ersten Blick) etwas banale Fragen an den Betrachter: Was ist ein Fehler? Welchen Fehler finden Sie falsch?

Laut Beat Benkler vom Amt für Volksschule war Scarabellos Projekt eines von fünf eingereichten – und habe zu Beginn für rote Köpfe gesorgt. Fehler? Und das an einem Jubiläum? «Doch Fehler gehören zur Schule», sagt Benkler, «und eine Auseinandersetzung mit der Fehlerkultur ist wichtig.»

Neue Fächer, bessere Lehrer

Die zweite Sonderausstellung «175 Jahre Thurgauer Volksschule» wurde von Yvonne Joos, Andreas Oettli und Edi Käser entwickelt. Für das Team sei es eine Herausforderung gewesen, selber zu forschen, Quellen zu studieren und Zusammenhänge zu erkennen, sagt Yvonne Joos, Teammitglied des Schulmuseums. Das Herzstück der Ausstellung ist ein «Geschichtslabor», wo der Besucher spielerisch in die Vergangenheit eintaucht.

Das Schulgesetz, das auf der liberalen Verfassung von 1831 basiert, schrieb vor, dass die Kirche die Bildung der Kinder dem Staat abtreten muss. Museumsleiter Hans Weber erwähnte die obligatorische Schulpflicht, die Strukturierung in Klassenverbände sowie Aufwertung und Einführung neuer Fächer (Rechnen, Realien) als wesentliche Neuerungen. Das «Allerwichtigste» aber seien gut ausgebildete Lehrer; dafür wurde 1833 das Lehrerseminar ins Leben gerufen.

Damit auch die Mittel- und Oberstufenschüler einen Zugang in die vergangene Zeit erhalten, wird ihnen in dieser Woche das «Jubiläumsheft zeitOnline» zugestellt. Das Arbeitsheft, an dem Hans Weber als Autor beteiligt ist, soll zum Nachdenken über die Lebensumstände früherer Generationen anregen. Ausserdem werden in den nächsten Monaten viele Klassen das Schulmuseum besuchen, um sich vor Ort in die Schulgeschichte zu vertiefen. Der Kanton entschädigt das Museum mit 150 Franken pro Klasse.

Das Schulmuseum Amriswil (Weinfelderstr. 127, 071 410 07 01) ist mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind jederzeit auf Voranmeldung möglich.


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