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Tagblatt Online, 11. August 2012, 09:35 Uhr

SVP-Kantonsrat nimmt Syrer auf

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Die syrische Flüchtlingsfamilie bietet ihrem Freund und Übersetzer im rosa Hemd einen Kaffee nach Tradition des Landes an. (Bild: sme.)

BRONSCHHOFEN. In Bronschhofen hat eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien unter dem Dach von Peter Meile Unterschlupf gefunden. Im selben Haus fanden auch schon belgische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht.

SILVAN MEILE

Schreckliche Bilder aus Syrien sind seit Wochen dauerhaft in den Medien präsent. Die dramatische Lage scheint sich im kriegsgebeutelten Land nicht zu entspannen. Zehntausende Menschen versuchen sich von den Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen in Sicherheit zu bringen. Eine syrische Familie hat auf ihrer Flucht den Weg nach Bronschhofen gefunden, ausgerechnet ins Haus des SVP-Kantonsrats Peter Meile. Er habe die Wohnung der Fürsorge der Gemeinde angeboten, mit der Bedingung, dass eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen werde, sagt er. Schliesslich würden die Kinder am meisten unter den Kriegen leiden. «Von wegen SVP und fremdenfeindlich», unterstreicht Meile. Zuvor hätten fünf Frauen aus Eritrea in der Sechszimmerwohnung für drei Wochen ein Zuhause gefunden.

Einjahresvertrag mit Gemeinde

«Andere Hausbesitzer hätten auch Platz, um Flüchtlinge aufzunehmen», sagt Peter Meile. Er aber tut es. Die Wohnung, in der er selber aufgewachsen ist und die sich direkt neben seiner eigenen befindet, hätte er auch regulär vermieten können. «Rund hundert Interessenten meldeten sich bei der letzten Ausschreibung», sagt er. Nun schloss er aber einen Einjahresvertrag mit der Gemeinde ab, gegenseitig kündbar. Dass Liegenschaftsbesitzer dem Sozialamt der Gemeinde eine Wohnung explizit für Flüchtlinge vermieten, ist selten. In Wil beispielsweise ist der Leiterin Soziale Dienste, Suzanne Naef, lediglich ein Fall bekannt, bei dem jemand eine Wohnung zur Verfügung stellt – zu marktüblichen Preisen. In der spartanisch eingerichteten Wohnung in Bronschhofen lebt nun eine sechsköpfige, kurdische Familie aus Syrien, die in ihrer Heimat alles zurückgelassen hat. Zu Besuch ist ein Freund der Familie, ein Syrer aus dem Kanton Baselland. Er fungiert als Dolmetscher und besucht die Familie wöchentlich, begleitet sie zur Gemeinde und unterstützt, wo er kann. Man hoffe, dass die Kinder eine Schule besuchen könnten.

Die Eltern wollen arbeiten. Der Mann sei zwölf Jahre lang Chef in einem Restaurant in Damaskus gewesen und habe nebenbei als Chauffeur gearbeitet, die Frau hat Erfahrung als Coiffeuse. Sie warten auf einen Bescheid des Bundesamts für Migration. Da sie aus einem Land im Bürgerkrieg stammen, können sie mit einer vorläufigen Aufnahme rechnen. Falls sich später die Gefahrensituation im Heimatland ändert, kann ihr Status wieder neu beurteilt werden, ausser in ihrem Asylgesuch stellt das Bundesamt für Migration eine individuelle Verfolgung fest.

Es ist nicht zum erstenmal, dass Flüchtlinge an Peter Meiles Adresse Unterschlupf finden. Bereits im Zweiten Weltkrieg, bevor der heutige Kantonsrat geboren war, hätten einige Soldaten auf der Flucht vor dem Naziregime unter demselben Dach für einige Monate Schutz gefunden, sagt er. Im oberen Stock zeigt er eine Gedenktafel, die mit dem Schriftzug «Souvenir des internes Belges, 12. August 1940–29. Januar 1941» an dessen Aufenthalt in Bronschhofen erinnert. Bis in die 70er-Jahre seien sie jährlich auf Besuch gekommen, erinnert sich Meile.

Kaffee wie in Syrien

Und heute sind es Syrer, die Unterschlupf finden. Sie bieten einen Kaffee nach der Machart ihrer Heimat an. Von dort wird wohl auch heute abend die Tagesschau von Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen berichten.



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Leser-Kommentare:
5 Beiträge
elandaluz (11. August 2012, 15:30)
Gutes Beispiel

Hallo Frau B.R. Sommaruge.
Haben Sie das gelesen? Wieviele von diesen Syrier nehmen Sie bei ihnen zuhause auf?
Es ist sooooo schön Sozialist zu sein, vor allem mit dem Geld der Steuerzahler. Weiiter so, hoffentlich bis zus baldiger Abwahl.

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troll (11. August 2012, 14:32)
Super

man wird in dieser Zeitung als Schleimer und Lügner betittelt nur weil man als parteiloser freude hat wennein SVP Katonsrat Flüchtlinge aufnimmt,höchste Zeit um das Abonnoment zu kündigen

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ith.eduard (11. August 2012, 14:10)
@saintcity89: Primitiv und unsachlich.

Gleich vorweg: Gehöre keiner Partei an und damit meine ich auch die Kirche! Orientiere mich also objektiv an der Sache.

Bedauere, es leider so schreiben zu müssen, aber was saintcity89 da von sich gibt, ist primitiv, unfair und unsachlich. Schon mal überlegt, dass Peter Meile mit seinem positiven Handeln auch gegenüber seiner eigenen Partei Signale setzen will und kann? Primitiv ist es, alle in einem Topf zu stecken, über sie her zu ziehen und ihnen schlechte Absichten anzulasten (unfair).

Unsachlich sind die Ausführungen dazu. Tatsache ist, dass über 85% der Asylsuchenden reine Wirtschaftsflüchtlinge sind und somit dieselben die Tradition der Hilfe unseres Rechtsstaates missbrauchen. Tatsache ist auch, dass ein sehr hoher Anteil der männlichen Asylanten delinquieren und als Wiederholungstäter in der Strafstatistik erscheint. Dagegen mit aller Härte des Staates zu begegnen ist die Pflicht der Exekutive!

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saintcity89 (11. August 2012, 12:13)
Liebenswerte SVP

Klar, und dass die SVP willkürlich Ausländer ausschafft, die Sozialhilfe streicht, die Entwicklungshilfe abschaffen will, die Suche nach Asylunterkünften blockiert, nationalistische Tweets auf Twitter verbreitet, ist ja auch nicht fremdenfeindlich. "Wirkliche Flüchtlinge werden immer unterstützt". Dies tönt nach neuen Wahlkampfparolen, um sich als Partei am rechten Flügel liebenswert zu geben und sich mit den Wählern zu versöhnen. Sorry SVP, aber dafür habt ihr mit eurer Politik schon zu viel kaputt gemacht, als dass man dies euch abnehmen soll. "Wir haben nichts gegen Ausländer, aber..." ist euer Lieblingssatz, und wenn sogar noch ein guter Kantonsrat einer syrischen Familie eine Unterkunft anbietet, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um daraus ein möglichst grosses mediales Echo zu erzeugen. Lächerlich das Ganze. Einfach lächerlich! Und das Schlimmste daran ist, dass es Bürger gibt die solche Lügen und Schleimereien glauben...

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troll (11. August 2012, 11:44)
Oh Fremdenfeidlich??

Nicht nur lästern auch etwas tun das ist SVP!!Wirkliche Flüchlinge werden immer unterstützt. Nicht nur reden davon wie andere Parteien sondern Handeln!!!

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