Die Skeptiker machen mobil

MÜNCHWILEN ⋅ In vier Wochen entscheiden die Stimmbürger über die Bildung einer Einheitsgemeinde, den Zusammenschluss von Politischer und Schulgemeinde. Nun präsentiert sich das Nein-Komitee.
21. April 2017, 08:10
Olaf Kühne
Nein, sie seien nicht einfach bloss konservativ, stellen die sieben Männer gleich zu Beginn klar. «Und wir sind auch keine Nein-Sager nur aus Prinzip», ergänzt Karl Kappeler. Der Münchwiler CVP-Präsident ist Teil des Komitees, welches sich jüngst gegen die aktuelle Abstimmungsvorlage in der Gemeinde formiert hat: Am 21. Mai entscheiden die Münchwiler Stimmbürger, ob sie Politische Gemeinde und Volksschulgemeinde zu einer Einheitsgemeinde zusammenführen wollen – ein Modell, wie es bis anhin im Kanton Thurgau nur die Gemeinde Sirnach kennt.

Das siebenköpfige Co-Präsidium des Nein-Komitees präsentierte gestern anlässlich einer Pressekonferenz in der Villa Sutter seine Argumente gegen die Vorlage; namentlich CVP-Präsident Karl Kappeler, Kantonsrat Toni Kappeler (Grüne), Schulleiter Rolf Thalmann, Lehrer Thomas Roth, Othmar Sauter (ehemals Schulbehörde), Walter Eisenring (FDP, ehemals Schulpräsident) sowie Victor Brändli, der sich selbst als «aktiven Münchwiler» bezeichnet.

Entstanden sei die Idee zur Bildung eines Komitees, berichtet Karl Kappeler, Ende März anlässlich des Podiums zur Einheitsgemeinde. «Da haben wir gespürt, dass viele mit dem hohen Tempo des Projektes nicht einverstanden sind, wenn gleichzeitig so wenige handfeste Informationen vorliegen», sagt der CVP-Präsident.
 

Schule hat grösseres Budget als Gemeinde

Eine Fusion müsse gewollt sein, von beiden Seiten, sind sich die sieben Herren einig. Tatsächlich sprach sich der Münchwiler Gemeinderat bereits für den Zusammenschluss aus, die Schulbehörde hingegen klar dagegen. «Man kann vielleicht nicht von einer Zwangsheirat sprechen», so Karl Kappeler. In der Wirtschaft wäre das aber ein «Unfriendly Takeover», eine feindliche Übernahme. «Dabei hat die Schule aktuell gar das grössere Budget als die Politische Gemeinde», sagt Victor Brändli. Der Kleinere würde also den Grösseren schlucken. «Doch während die Schule über ein hervorragendes Eigenkapital verfügt und das neue Schulzentrum Kastanienhof in St. Margarethen gar ohne Steuererhöhung bauen konnte, muss die Gemeinde sparen, wo sie nur kann.» 
Im Komitee ist deshalb die Befürchtung gross, dass die Schule ihr Gewicht verliert, wenn sie künftig nur noch mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten ist und die Schulbehörde zu einer Kommission umfunktioniert wird – oder wie es Rolf Thalmann nennt: «Degradiert, und das sage ich bewusst.» Der langjährige Schulleiter gibt zu bedenken, dass die Münchwiler Schulen vergangenen Herbst im Rahmen der kantonalen Schulevaluation in allen Bereichen durchwegs gute Ergebnisse erzielten und auch von den Eltern im kantonalen Vergleich überdurchschnittlich bewertet wurden. «Warum etwas ändern, das bestens funktioniert?» 

Das Kerngeschäft einer jeden Schule sei die Bildung, und die profitiere in keiner Weise von einer Fusion. Zwar würden Lehrplan und dergleichen vom Kanton vorgegeben, in der Umsetzung hätten die Thurgauer Schulgemeinden aber sehr grosse Freiheiten, beispielsweise bei Förderzentren, Kleinklassen, Begabtenförderung oder Sonderpädagogik. «Wenn die Schulbehörde von etwas überzeugt ist, kann sie es mit dem heutigen Modell gleich umsetzen oder direkt dem Stimmbürger vorlegen», sagt Thalmann. «In einer Einheitsgemeinde könnte sie es nur noch mit einer von sieben Stimmen im Gemeinderat beantragen.» 


Neue Schulbehörde braucht Zeit 

Zudem stünden, fährt Thomas Roth fort, aktuell andere Baustellen an. «Wir Lehrer sind mit dem neuen Lehrplan derzeit genug beschäftigt.» Weiter bestehe die Schulbehörde ab dem neuen Schuljahr aus mindestens zwei neuen Mitgliedern, und am 21. Mai werde wahrscheinlich ein neuer Schulpräsident gewählt. «Aus meiner langjährigen Erfahrung weiss ich, dass eine Einarbeitung mindestens ein Jahr beansprucht», sagt alt Schulpräsident Walter Eisenring.

Kantonsrat Toni Kappeler schliesslich, der selber jahrelang in Münchwilen unterrichtete, sagt: «Eine Einheitsgemeinde hätte keinerlei positive Auswirkungen auf den Schulalltag.» Zudem hätte man keine kantonal vergleichbaren Finanzkennzahlen mehr. «Eine Einheitsgemeinde ist ein Fremdkörper in der Thurgauer Politlandschaft.» Angesichts keiner greifbaren Vorteile, aber vieler Risiken frage er sich deshalb schlicht: «Was soll das?»

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