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Tagblatt Online, 18. August 2012, 01:33 Uhr

Komfortables Nischendasein

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Anders als die Kinder der Siedlung Bannhalde haben die Frauenfelder Wohnbaugenossenschaften seit Jahren nichts mehr Neues gebaut. (Bild: Stefan Hilzinger)

In Frauenfeld machen Wohnbaugenossenschaften nur vier Prozent aller Mietwohnungen aus. Genossenschaftlicher Wohnraum ist meist günstig und begehrt; dennoch kam in den letzten Jahren kein neuer dazu.

STEFAN HILZINGER

FRAUENFELD. Von den mehr als 10 000 Wohnungen in der Stadt Frauenfeld sind 364 im Besitz von drei Wohnbaugenossenschaften (WBG). Vor 20 Jahren haben die Wohnbaugenossenschaften Zielacker und Sonnmatt ihre letzten Bauprojekte verwirklicht, darunter die damals umstrittene Siedlung Bannhalde (siehe Kasten). Seither ist die Zahl der genossenschaftlichen Wohnungen gleich geblieben. Sie machen nicht einmal mehr vier Prozent des gesamten Angebotes aus. Zum Vergleich: In Zürich sind rund ein Viertel aller Wohnungen entweder städtisch oder genossenschaftlich.

WBG als Pferdefuss

«Wir konnten in den Neunzigerjahren nur wachsen, weil die Genossenschaft im Rahmen des Wohn- und Eigentumsförderungsgesetzes vom Bund unterstützt wurde», sagt Marcel Epper, seit 1994 Präsident der WBG Sonnmatt. Mit 184 Wohnungen ist sie die grösste solche Genossenschaft in Frauenfeld und auch im Thurgau. Doch die öffentliche Förderung wurde zum Pferdefuss: Die ständig steigenden Rückzahlungen an den Bund hätten durch regelmässig angehobene Mietzinsen finanziert werden sollen. «Der Wohnungsmarkt entwickelten sich nicht wie erwartet. Wir konnten die Mieten gar nicht anheben, denn die Mieter wären uns davongelaufen», sagt Epper. So sei es nicht möglich gewesen, Kapital für eigene Projekte zu erwirtschaften – trotz Bauboom in Frauenfeld. Die Genossenschaft habe sich auf die Werterhaltung konzentriert. Die Strategie sei bisher aufgegangen: Die Wohnungen seien gut und günstig und stünden so gut wie nie leer, sagt Epper.

Zu klein, um zu wachsen?

Gewerkschafter, Bähnler und Pöstler bildeten einst die klassische Klientel der WBG. Dies sei längst nicht mehr so, sagt Karl Litscher, Präsident der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Verbandes für Wohnungswesen. Ostschweizer WBG seien allgemein vergleichsweise klein und meist ehrenamtlich geführt, was Wachstum nicht befördere. «Wenn nichts Neues realisiert werden kann, sollten sie den Standard halten», rät Litscher.

«Langfristige Strategie finden»

«Standard halten» lautet auch die Devise der WBG Zielacker, mit 113 Wohnungen die zweitgrösste Genossenschaft in Frauenfeld. Die Wohnungen seien begehrt, Leerstände kenne man keine, sagt Pascal Stäheli, seit zwei Jahren Präsident der WBG. Umso mehr sei der Vorstand bestrebt, auch langfristige Strategien zu entwickeln.



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