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Tagblatt Online, 28. Juni 2012, 10:51 Uhr

Festsperre für Thurgauer Turner

Frauenfeld Tg , 23.06.2012 / Thurgaur Kantonale Turnfest  in Frauenfeld . Uebergabe der Kantonsfahne . Bild: Donato Caspari Zoom

Turner gegen Turner: Oder als die Welt noch in Ordnung war – Szene vom Kantonalturnfest letztes Wochenende. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Zihlschlachter und Roggwiler Turner dürfen beim Kantonalturnfest nicht mitmachen. Sie sollen an der Randale vom vergangenen Wochenende beteiligt gewesen sein. «Die Vorwürfe sind masslos übertrieben», sagen die Betroffenen.

IDA SANDL

Bei den Thurgauer Turnern hängt der Haussegen schief. Das erste Wochenende des Kantonalturnfestes lief nicht so friedlich ab, wie sich das die Organisatoren gewünscht hätten. Der Ärger begann, als das Fest eigentlich schon zu Ende war. In der Nacht auf Sonntag, gegen 2 Uhr, drehten die Veranstalter die Musik ab und den Zapfhahn zu. Eine Gruppe von Leuten sei noch auf der Kleinen Allmend gewesen, sagt OK-Präsident Hugo Menzi. Diese Schlaflosen freute es gar nicht, dass die Party schon zu Ende war. Aus Wut fingen sie an zu randalieren.

Das Ausmass der nächtlichen Verwüstung zeigte sich am nächsten Morgen, als die Wettkampf-Helfer eintrafen: Absperrbänder lagen zerschnitten am Boden, Gitter waren umgeworfen, Kampfrichter-Tische übers Gelände verstreut, Stühle demoliert, Zelte beschädigt.

Die Helfer sind frustriert

«Der finanzielle Schaden ist nicht riesig», sagt Menzi. Die Helfer hätten aber 150 Mann-Stunden gebraucht, um Ordnung zu schaffen. «Und das kurz vor den Wettkämpfen.» Besonders frustrierend: Einige Randalierer stammen aus den eigenen Reihen. Fünf- bis sechsmal habe der Sicherheits-Chef die Turnvereine Zihlschlacht und Roggwil namentlich erwähnt, als er über die Vorfälle berichtete, sagt Menzi. Kommt hinzu, dass die Zihlschlachter und Roggwiler Turner schon vor sechs Jahren am Kantonalturnfest in Weinfelden verwarnt wurden, weil sie es zu bunt getrieben hatten.

Jetzt zogen Wettkampfleitung, Organisationskomitee und die Turnverbands-Spitze die Notbremse: Sie entschieden, dass die beiden Vereine am nächsten Wochenende nicht an den Wettkämpfen teilnehmen dürfen.

Die Betroffenen fühlen sich vor den Kopf gestossen, sie können nicht glauben, dass der Ausschluss endgültig ist. Der Turnverein Roggwil hat dem OK eine schriftliche Stellungnahme geschickt. «Gemäss Wettkampfreglement müssen wir angehört werden», sagt Vizepräsident Ivan Fust. Das sei bisher nicht geschehen. Er glaubt, dass die Verantwortlichen ihren Entscheid widerrufen. «Die Vorwürfe sind masslos übertrieben.» Vor sechs Jahren sei ein einzelner Roggwiler in Weinfelden negativ aufgefallen. Der sei diesmal gar nicht dabei.

Auch die Zihlschlachter Turner hoffen, dass sie am Wochenende doch noch mitmachen dürfen. Fürs Kantonale habe man zwei Jahre trainiert. «Wir sind keine Randalierer», stellt Präsident Thomas Brühlmann klar. Er sieht die Zihlschlachter und Roggwiler als Sündenböcke, denen nun alles, was an Schlechtem passiert ist, in die Schuhe geschoben werde.

Ein schwarzes Schaf oder zwei

Zihlschlacht sei einer der grösseren Turnvereine im Thurgau, da habe es vielleicht schon das eine oder andere schwarze Schaf dabei. Der Verein sei aber sehr aktiv. «Wir haben uns überlegt, das Jugendturnfest zu organisieren», sagt Brühlmann. Sollte es beim Ausschluss bleiben, «dann machen wir das sicher nicht».



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Leser-Kommentare:
5 Beiträge
vesche (30. Juni 2012, 13:12)
Gleichen Massstab wie beim Fussball anwenden

Jetzt bin ich aber mal gespannt ob diese Turner auch so masslos überrissen bestraft werden, wie ein Jugendlicher der in St. Gallen an einem Fussballspiel eine Fackel zündet. Aber im Thurgau gibt es halt keinen Hansjakob.

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mpn (28. Juni 2012, 13:06)
Kausalhaftung

Benehmen sich einzelne Fussballfans daneben, dann werden Massnahmen gefordert wie Kombiticket, Haftung der Clubs, Alkoholverbot im Stadion und noch weitere solche sinnlose Ideen. Und wie es scheint, so wird dies alles gutgeheissen vom Gros der Bevölkerung. "Denen muss man mal zeigen, dass das in der Schweiz so nicht geht. Pyro und so Zeugs zünden. Wozu haben wir Gesetze? Daran muss man sich halten." ist jeweils der Tenor an Stammtischen, und hinterhergeschoben wird noch ein: "Bei anderen Sportarten wie Schwingen und Turnen gibt's ja auch keine Gewalt und Randale, obwohl dort viele Leute zusammenkommen." Die Randale am EASF in Frauenfeld - vielen gar nicht bekannt - und nun am Kantonalturnfest in Weinfelden sollten auch diesen Stammtischbrüdern mit Scheuklappen die Augen öffnen, dass es eben kein Fussball-spezifisches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist.
Oder sollte man ernsthaft auch bei den Turnern ein Alkoholverbot einführen?!

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Tifo (28. Juni 2012, 12:15)
Was? Randale nicht nur beim Fussball??

Randale bei einem Turnfest? Und ich dachte als treu ergebener Schweizer Medienkonsument, das dies nur beim Fussball vorkomme!!??

Ich fordere daher ab sofort Kombitickets für Turnfeste. Das Stadion ähm Festverbot wurde ja glücklicherweise schon eingeführt. Im Weiteren ist eine Datenbank ab sofort Pflicht. Die sogenannten Turner müssen zur Raison gebracht werden! Bei Risikoturnfesten darf kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. Nur so kann die Sicherheit in der Schweiz sichergestellt und die Gefahr abgewendet werden.

Ich hoffe, die Politik handelt bevor unsere schöne Schweiz zum Schlachtfeld von sogenannten Turnern verkommt!!

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stephan.sueess (28. Juni 2012, 10:11)
Es waren nur Einzelpersonen

Es ist bedauerlich, dass ein Verein aufgrund von Misstritten einiger Mitglieder bestraft wird. Leider ist es aber auch der Fall, dass diese einzelnen schwarzen Schafe meist vom Verein gedeckt werden. Man gewinnt als Verein und verliert als Verein. Vielleicht hilft ein solches Beispiel, um künftige Randale zu verhindern.

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deich (28. Juni 2012, 09:02)
Turnen

Turnfeste und Alkohol gehören bekanntlich irgendwie zusammen. Es war schon immer so. Dabei ist gegen ein mässiges Fest-Trinken, etwa zur Bratwurst (es gibt auch Süssmost und Mineral!), gar nichts einzuwenden, gegen Randalieren als eine der möglichen Entwicklungen des "zu viel" schon. "Zerstören" ist leider ein Zeichen unserer Zeit. Dabei ist soziologisch wohl noch nicht ganz aufgearbeitet, wie solche gesellschaftsfeindlichen Exzesse bei vielen Gelegenheiten fast zur Norm sich entwickelt haben. Lustig, was Turnfeste betrifft: Ich erinnere mich an die (frühere) Basler Fasnacht, in der ein Schnitzelbanksänger meinte, zu den - ehemals - vier F's (frisch, fromm, fröhlich, frei) käme gelegentlich noch ein fünftes hinzu: "foll"! Wie gesagt, es war Fasnacht am Rheinknie. Turnen ist schön! Einzelnen reicht das nicht. Die Vereine sind oft machtlos gegen eine unerquickliche Entwicklung aus ihrer Mitte heraus. Dafür alle "bestrafen" ist Unsinn.

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