Günstige Nächte

Die Nachfrage für das vor zwei Jahren eingeführte Übernachtungsangebot des Demenz-Tageszentrums Talbach sinkt. Deshalb subventioniert der Förderverein bis Ende Februar jede Übernachtung mit 100 Franken.
05. Dezember 2017, 09:08
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Es wäre eine gute Sache: das Übernachtungsangebot im Tageszentrum Talbach für Menschen mit Demenz. Bis zu vier Gäste können die Zeit von Donnerstagmorgen bis Freitagabend professionell betreut im Tageszentrum verbringen, inklusive Übernachtung. Das entlastet die betreuenden Angehörigen. Ein freier Abend für einen Kino- oder Konzertbesuch, am Morgen einfach mal ausschlafen oder ein langer Spaziergang: Dank des Übernachtungsangebots wird das wieder möglich. Das gibt einem eine Verschnaufpause.

Eine gute Sache, für die in jüngerer Vergangenheit aber die Nachfrage gesunken ist. Das Angebot gibt es nunmehr seit zwei Jahren. «Im ersten Jahr hatten wir fast immer vier Übernachtungsgäste, selten nur drei», sagt Anna Viglione, Leiterin des Tageszentrums. Aber mittlerweile musste das Angebot leider schon das eine oder andere Mal ausfallen. Denn aus Kostengründen beträgt die Minimalbelegung zwei Personen. «Einen Gast hätte es fast immer gehabt, aber nicht immer zwei», bedauert Viglione.

Sind die Kosten schuld an der tiefen Auslastung?

Hier kommt der Förderverein Tageszentrum Talbach ins Spiel. Der Verein unterstützt das Tageszentrum jährlich mit 20 000 Franken. «Wir haben uns Ge­danken gemacht, wieso das Übernachtungsangebot Mühe hat», sagt Peter Hefti, Kassier des Fördervereins. Entweder hätten die Angehörigen Hemmungen, die betreuten Personen eine ganze Nacht wegzugeben, oder es liege an den Kosten. Derzeit betragen die Selbstkosten für einen Aufenthalt von Donnerstagmorgen bis Freitagabend 280 Franken (für Frauenfelder: 250.–). Der Förderverein subventioniert bis Ende Februar jede Übernachtung mit 100 Franken. Das Angebot kostet also noch 180 Franken (für Frauenfelder: 150.–). Man hoffe, so zu erfahren, ob die momentan tiefe Nachfrage an den Kosten liege, sagt Hefti. Eine Verlängerung der Aktion wäre möglich. Weitere Massnahmen müssten diskutiert werden, falls sich die Auslastung nicht verbessert.

«Der Förderverein ist überzeugt vom Nutzen des Tageszentrums», sagt Felix Wirth. Er war langjähriger Leiter des Alterszentrums Park und gehört dem Vorstand des Fördervereins an. «Wer regelmässig Gast im Tageszentrum ist, für den verschiebt sich der Eintritt in eine stationäre Abteilung nach hinten», ist Wirth sich sicher. Mehrwert gebe es auf beiden ­Seiten: Die betreuten Personen hätten regelmässige Sozialkontakte, die Angehörigen würden zugleich entlastet. «Man tut sich nichts zuliebe, wenn man den Ehepartner, den Vater oder die Mutter alleine betreuen will. Das kann zu einer totalen Überforderung führen.» Wirth rechnet vor: Ein Tag Tageszentrum pro Woche kostet im Jahr 4420 Franken. Ein Jahr stationärer Aufenthalt dagegen kostet 54 750 Franken. Oder auch: Ein Jahr lang jeweils das Übernachtungsangebot von Donnerstagmorgen bis Freitagabend (zum Normalpreis von 280 Franken) kostet gleich viel wie 97 Tage stationärer Aufenthalt.

Was neue Gäste betreffe, sei man flexibel, sagt Tageszentrum-Leiterin Viglione. «Solange ein Platz frei ist.» Denn die Tages­belegung ist erfreulicherweise konstant hoch. Grundsätzlich sei aber die Regelmässigkeit ein wichtiger Faktor. Oft würden sich schöne Freundschaften zwischen den Gästen ergeben, die regelmässig im Tageszentrum seien, sagt Viglione.


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