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Tagblatt Online, 1. August 2012, 07:05 Uhr

«Dann läuft es wie ein Uhrwerk»

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Ein Zirkusmitarbeiter während des Aufbaus des grossen Zeltes auf der Quaiwiese. Die Stahlnägel als Verankerung sind gestern komplikationsfrei in den Boden gerammt worden. (Bild: Bilder: Max Eichenberger)

ARBON. Der Geruch des Sägemehls aus der Manege steigt Passanten in die Nase: Diese Woche gastiert der Circus Royal in den Arboner Quaianlagen. Diesmal ist der Aufbau des grossen Zeltes reibungslos verlaufen.

MAX EICHENBERGER

Letzten Juli hatte ein Mitarbeiter einen schweren Stahlnagel in eine Stromleitung gerammt, was zu einem längeren Stromunterbruch in Arbon Ost führte.

Gestänge scheppert auf der Quaiwiese, Zirkusarbeiter laden Bänke ab. Sandor Horvath, einer der Royal-Betriebsleiter, gibt Anweisungen. Das Team ist eingespielt. Jeder hat seinen Job, weiss, was zu tun ist. Immer dann, wenn der Zirkustross seinen Gastspielort wechselt und das Zelt an einer neuen Stätte aufgebaut wird, ist die Crew besonders gefordert.

Lieber bei schönem Wetter

Die Stimmung ist gut unter den vorwiegend in Osteuropa rekrutierten Arbeitern. «Alles im Fahrplan», meldet Niels Clemens, der seit fünf Jahren als Presseverantwortlicher mit dem Circus Royal durch die Lande zieht. «Wir haben nicht immer angenehmes Wetter beim Zeltaufbau.» An Regentagen kann man nicht einfach zuwarten und die Arbeit vertagen. Der Tournéeplan gibt die klare Vorgabe. Gespielt wird auch an Hitzetagen, wie letzte Woche in Wattwil bei 36 Grad. «Auf dem Hochseil und im Kostüm ist ein Auftritt bei diesen Temperaturen schon happig.»

Zubrot als Popcornverkäufer

Am Sonntag noch kam die Vorhut von Wattwil nach Arbon, ein Teil des Wagentrosses mit den fahrenden Unterkünften. Der Tag nach dem letzten Auftritt ist für die Zirkus-Akteure ein Tag, an dem sie ausspannen können. Manche verdienen sich mit dem Verkauf von Popcorn oder einem anderen Job ein Zubrot. Man sieht sie durch das Städtchen schlendern, am See relaxen, während die Zeltstadt wächst. Clemens: «Wenn es zu Verschiebungen kommt, wäre es möglich, noch gleichentags eine Vorstellung zu geben.»

Rollende Tigergehege

Seit März ist der Circus Royal auf Achse – bis 2. Januar nach dem Weihnachtszirkus, der die Tournée abschliesst. Er geht sogar über die Landesgrenze hinaus und gibt an vier Orten in Vorarlberg Vorführungen. «Wir müssen dann allerdings ein anderes Programm machen – ohne Königstiger. Denn mit den Wildtieren können wir nicht über die Grenze», sagt Niels Clemens. Wegen der Tiger ist in Arbon auch eine Anpassung der üblichen Infrastruktur im Areal am See nötig. «Wir haben zwei zusätzliche Aufleger, die wir stellen müssen.» Solche grosszügigen Gehege auf Rädern forderten nicht zuletzt die Tierhaltungsbestimmungen.

Programm als Hochseilakt

Während Rodolpho's Kinderzoo im Begriffe ist abzuziehen, sind die Seeuferanlagen mit Zirkuswagen überstellt: rund 120 Gefährte sind es. Das Zuhause der Angestellten sind Wohnwagen, die der Circus Royal ihnen zur Verfügung stellt. Die von Saison zu Saison mit den neuen Programmen wechselnden Artisten und Akteure in der Manege haben in der Regel ihre eigenen rollenden Unterkünfte dabei. So ist die Planung für 2013 schon voll am Laufen, während die diesjährige Tournée noch läuft. Da gibt es einen Vorlauf von einem Jahr. «Das Publikum will jedes Jahr etwas Neues sehen.» So ist für die Zirkusmacher die Programmgestaltung mit modernen Nummern und traditionellen Elementen selber ein Hochseilakt.

Ferienatmosphäre in Arbon

Wenn einmal ein Programm stehe und der Tournéeplan, «dann», so Clemens, «läuft der Zirkus wie ein Uhrwerk». So geht auch der Aufbau vonstatten, diesmal reibungslos. Für Zirkus-Chef Peter Gasser und Direktor Oliver Skreinig wie die Royal-Familie ist die Woche in Arbon fast ein Stück Ferien – jedenfalls die Zeit zwischen den Vorstellungen: «Wo sonst kann man denn direkt ins Wasser springen und schwimmen!», schwärmt Clemens von der traumhaften Lage. Der Bundesfeiertag ist vorstellungsfrei: «Da machen wir auch ein Fest und grillieren gemeinsam.» Der Begriff möge strapaziert daher kommen, aber im Zirkus bei den verschiedenen Nationalitäten herrsche tatsächlich eine familiäre Atmosphäre, ist Clemens immer noch fasziniert. Es brauche jeden als Teil des Ganzen – und dass eine solche Multikulti-Truppe funktioniere, setze auch gegenseitigen Respekt voraus.

Es ist Nachmittag. Das Zelt steht inzwischen. Auch der Kassawagen, der unterwegs eine Reifenpanne hatte, ist eingefahren. Alles ist parat für die erste Vorstellung heute nachmittag um 15 Uhr.

Vorstellungen: Dienstag bis Samstag, je 15 und 20 Uhr; Sonntag 11 und 15 Uhr; am 1. August keine Vorstellung.


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