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Appenzeller Zeitung
6. Juli 2012, 08:08 Uhr

Mehr Schwerverkehr für Erlen

ERLEN. Wegen des zu geringen Transportvolumens möchte die SBB Cargo AG die Verladestation bei der Firma Lista schliessen. Eine Verlagerung auf die Strasse hätte ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Gemeinde Erlen zur Folge.

HANNELORE BRUDERER

Vor gut einem halben Jahr informierte die SBB Cargo AG die Firma Lista über die geplante Schliessung der Verladestation in Erlen. Über den Bahnanschluss, der direkt in die Lagerhalle der Lista AG führt, werden jährlich rund 3000 Tonnen Blech angeliefert. Das entspricht 50 bis 90 Bahnwagen. Das Blech wird mit dem Schiff von Belgien nach Basel transportiert und dort auf die Bahn verladen.

Hanspeter Gross, Leiter Technische Dienste der Lista AG, ist enttäuscht über den Entscheid. Vor 16 Jahren investierte die Firma rund 3,5 Millionen Franken in den Ausbau des Gleisanschlusses. Vorsorglich wurden damals auch Abzweigungen eingeplant – für Firmen, die sich künftig nördlich des Lista-Areals ansiedeln möchten. Nun sollen auf diesen Gleisen bald keine Waggons mehr rollen.

Zu geringes Volumen

«Eine Verkehrsverlagerung muss betriebswirtschaftlich und ökologisch Sinn machen», erklärt Christoph Rytz, Sprecher der SBB Cargo AG. «Das Transportvolumen in Erlen ist derzeit zu gering.» Insgesamt überprüft SBB Cargo schweizweit 155 schlecht ausgelastete Standorte, bei denen im Durchschnitt weniger als ein Waggon pro Tag befördert wird.

Als Alternative bietet die SBB Cargo AG der Firma Lista den Bahntransport bis Romanshorn an, das letzte Teilstück müsste dann jedoch auf der Strasse erfolgen. «Auch mit dieser Variante wird eine grössere Verkehrsbelastung auf Erlen und die Region zukommen», führt Gross aus. «Die Blechcoils sind sehr schwer. Für die 60 Tonnen, die in einem Bahnwagen Platz haben, braucht man gut drei Lastwagen.»

Nicht nur die Lista AG wehrt sich gegen die Schliessung der Verladestation. Auch der Gemeinderat Erlen hat bei der SBB Cargo AG interveniert. «Die Schliessung steht im direkten Widerspruch zur Forderung, den Güterverkehr vermehrt auf die Schiene zu verlagern», sagt Gemeindeammann Roman Brülisauer. Er befürchtet zudem, dass die Chauffeure auf die Route über Engishofen ausweichen werden, um das Nadelöhr Amriswil und den engen Bahnübergang im Dorf Erlen umgehen zu können.

Hoffen auf neue Betriebe

Dass die SBB Cargo AG ihren Dienst einstellen möchte, habe sich bei den Lieferanten der Lista bereits herumgesprochen, sagt Hanspeter Gross. «Schon jetzt kommen mehr Lieferungen per Camion an. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage herrscht in Europa ein Überangebot an Transportkapazität. Da fährt auch schon mal ein Transportunternehmen aus Südeuropa bis nach Belgien, um einen Auftrag zu ergattern.» Da der Gleisanschluss Eigentum der Lista AG sei, fielen die Kosten für den Unterhalt und einen eventuellen Rückbau direkt beim Erler Unternehmen an, gibt Gross zu bedenken. Werden die schweren Blechcoils in Zukunft nur noch per Lastwagen angeliefert, muss die Firma logistische Anpassungen im Warenannahmebereich vornehmen. «Wir werden nicht mehr so flexibel sein wie bisher. Den Bahnwagen konnten wir auch mal stehenlassen und dringenderen Arbeiten nachgehen. Camionneure wollen den Güterumschlag aber möglichst schnell erledigen», sagt Gross.

Sollten sich neue Unternehmen in Erlen ansiedeln, welche ein entsprechendes Gütervolumen für den Bahntransport haben, werde eine erneute Bedienung der Verladestelle in Erlen geprüft, versichert Christoph Rytz von der SBB Cargo AG.



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